La Palma – Flughafen: Pro und Kontra Ausbau

Der Airport SPC ist bereit für die Trendwende

Er ist 40 Jahre alt, er wird seit fünf Jahren ausgebaut und voraussichtlich im April 2011 offiziell eröffnet: Die Rede ist vom Flughafen der Kanareninsel La Palma in Santa Cruz – abgekürzt SPC. War der Ausbau nun nötig oder nicht? Sind das neue Terminal und das neue Parkhaus überdimensioniert – oder ist man gewappnet für die Zukunft? Antworten dazu liefern nackte Zahlen, das Förderungsministerium, Fluggesellschaften und die Welttourismusorganisation.

Das neue Terminal wird voraussichtich im April 2011 eröffnet.

Das neue Terminal wird voraussichtich im April 2011 eröffnet.

„Von der operativen Seite her begrüßen wir den Flughafenausbau“, erklärte Alexandra Bakir von Airberlin gegenüber La Palma 24. Der Pressesprecherin der deutschen Fluggesellschaft zufolge beeinträchtigt die bisherige Infrastruktur des La-Palma-Airports die Abwicklung der Flüge an verkehrsstarken Tagen. Unter anderem, weil die Passagiere bislang noch zu Fuß zu ihrem Flieger marschieren. „Dieses Boarding muss aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden, sobald eine andere Maschine auf eine Parkposition hereinrollt“, so Alexandra Bakir. „Erschwerend dazu kommt, dass es nur wenige Check-In-Schalter, Boarding-Gates und Flugzeugparkpositionen gibt.“

All diese Probleme werden mit dem Ausbau des Flughafens SPC gelöst. Das alte Terminal kommt weg, das schafft ein größeres Vorfeld, auf dem mehr Flugzeuge parken können. Im neuen Terminal können dank moderner Gepäckkontroll- und Beförderungssysteme zukünftig bis zu 1.200 Passagiere pro Stunde abgefertigt werden, die dann über Fluggastbrücken zu ihrem Jet gelangen. „Damit werden die Kapazitäten der Nachfrage optimaler als bisher entsprechen“, lobt die Airberlin-Pressesprecherin. Sie begrüßt außerdem, dass sich die Reisenden im neuen Abfertigungsgebäude die Wartezeit in zahlreichen Geschäften und Restaurants vertreiben können sowie moderne Sanitäranlagen vorfinden. Eröfnet wird das neue Terminal voraussichtlich im April 2011.

Darüber hinaus stehen in den unteren Stockwerken des künftigen Terminals bereits jetzt mehr als 1.100 Parkplätze zur Verfügung – 448 öffentliche, 552 für Mietwagen und 110 fürs Airport-Personal. „Dieses Parkhaus ist das billigste des kanarischen Flughafenverkehrs“, verkündete das spanische Förderungsministerium bei der Eröffnung voller Stolz. Tatsächlich parkt man im öffentlichen Bereich die erste halbe Stunde gratis, die nächste halbe Stunde für 0,01 Cents pro Minute. Eine Stunde Vehikel-Abstellen kostet also nur 30 Cents – genug Zeit, um Gäste zu bringen oder abzuholen. Aber Vorsicht Falle: Wer sein Heilixblechle versehentlich im „Rent-a-Car-Bereich“ parkt, zieht schon nach kurzer Verweildauer ein Überraschungsticket zum Preis von 35 Euro. Eine Art „Strafzettel“, mit dem die hier eingemieteten, internationalen Autovermietungsketten unerwünschte Privatparker vergraulen wollen.

Kosten und Kritik
Apropos Dineros: 225 Millionen Euro hat der Airport-Ausbau verschlungen. Neben Terminal und Vorfelderweiterung reißen Straßenbauarbeiten, ein neuer Tower, ein verbessertes Feuerlöschsystem sowie modernisierte elektrische Anlagen ein kräftiges Loch ins ohnhin gebeutelte spanische Staatssäckel. Das Förderungsministerium hält diese „Investition in die Zukunft“ jedoch für unumgänglich: „Mit einer Abfertigungskapazität von 2,5 Millionen Passagieren pro Jahr und 16 Operationen pro Stunde sind wir für die Nachfrage der nächsten 15 Jahre gerüstet!“

An diesem Punkt haken die Kritiker ein. Grund: Seit Beginn des Flughafenumbaus im Jahr 2005 sind die Passagierzahlen von rund 1,145 Millionen auf knapp 900.000 im Jahr 2010 gesunken. Eine Entwicklung, die damals freilich nicht absehbar war. Im Gegenteil, nach dem Start der Bauarbeiten ging es erstmal noch kräftig bergauf. Laut Statistik der staatlichen Airport-Betreibergesellschaft AENA (Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea) starteten und landeten 2006 rund 1,175 Millionen Passagiere auf La Palma. Im Jahr 2007 stieg deren Zahl weiter auf 1,207 Millionen an, und 2008 zählte die AENA immer noch knapp 1,2 Millionen La-Palma-Reisende. Wäre es so weiter gegangen, hätte die Kalkulation der Flughafenausbauer vielleicht irgendwann mal hingehauen.

Nur noch wenige Sekunden bis zur Landung in La Palma.

Nur noch wenige Sekunden bis zur Landung in La Palma.

Doch all die schönen Berechnungen machte die globale Wirtschaftskrise zur Makulatur. Nach Angaben der Welttourismusorganisation (UNWTO) brachen die Touristenankünfte 2009 weltweit ein. Auch La Palma wurde nicht verschont – auf dem Kanareninselchen flogen 2009 nur noch etwas mehr als eine Million Inselbesucher ein. 2010 sank deren Zahl dann erstmals seit 2003 unter die Millionengrenze.

Silberstreif am Horizont?

Aber es gibt einen Silberstreif am Horizont, wenn auch nur einen klitzekleinen für Leute mit Lupe und positivem Denken. Indikator ist der Dezember, bei La-Palma-Insidern als Hauptreisemonat bekannt. So zeigt die AENA-Statistik, dass der Passagierrückgang im Dezember 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent kleiner wurde.

Ob das schon die Trendwende ist, kann man vorläufig nur hoffen. Fest steht nur, dass die Prognosen gut sind. Zumindest im Blick auf die Urlauber aus Deutschland, die trotz Flugstreichungen bei den Düsseldorf-, Hamburg- und Friedrichshafen-Verbindungen bis heute Platz 1 der La-Palma-Gästeliste verteidigen (Rang 2 geht an die Spanier, Reisedritter wurden in 2010 erstmals die Engländer, die damit Holland auf Platz 4 verwiesen haben, gefolgt von Urlaubern aus Belgien, der Schweiz – und den österreichischen „Newcomern“ vom 2010 erstmals in La Palma begrüßten Salzburg-Flieger).

Grund zum Optimismus gibt etwa die Reisestudie 2011 der deutschen Commerzbank. Die geht davon aus, „dass die Reiseausgaben der Bundesbürger bei steigenden Haushaltseinkommen und kräftig zunehmenden Investitionen um 3,5 Prozent zunehmen werden“. Demnach sollen die Deutschen heuer geschätzte 61,3 Milliarden Euro für Ferien im Ausland ausgeben – das wären mehr als im Rekordjahr 2008.

Die Welttourismusorganisation rechnet in diesem Jahr ebenfalls mit „neuen Rekordständen“, und dass die Deutschen ihren Titel als „Reiseweltmeister“ verteidigen. Dies bestätigt obendrein eine von der TUI in Auftrag gegebene EMNID-Umfrage. Die kommt zum Ergebnis, dass 20 Prozent der Deutschen 2011 mehr Urlaub machen und dabei mehr Geld ausgeben wollen als bisher.

 

Lecker Bierchen ist auf La Palma nach wie vor günstig.

Lecker Bierchen ist auf La Palma nach wie vor günstig.

Das kann man in Spanien – und natürlich auch in La Palma – zu einem guten „Kurs“, denn laut Commerzbank ist der Euro hier „fast 10 Prozent mehr wert“ als in Deutschland mit seinen gesalzenen Preisen, vor allem in der Gastronomie. So hört man immer wieder Freudenlaute, wenn deutsche Touristen auf La Palma zum ersten Mal ein kühles Blondes bestellen. Denn für eine 0,3-Flasche nach dem Reinheitsgebot gebrautes Dorada-Bier müssen sie gerade mal 1,20 bis 1,50 Euro auf den Tresen legen.

Air Berlin plant Werbekampagne mit Inselregierung

Wohl nicht zuletzt, weil die Spanier auch was vom Bierbrauen verstehen, sind die iberische Halbinsel und die Kanaren nach wie vor das Lieblings-Auslandsreiseziel der Deutschen mit wieder steigender Tendenz. Von diesem „Boom-Kuchen“ könnte sich auch La Palma ein Stückchen abschneiden. Freilich – von nix kommt nix: „Wir sind der Überzeugung, dass die Insel sich nur selbst helfen kann, indem sie ihr Angebot aktiv promotet und Endkunden-orientierte Werbekampagnen realisiert“, fordert Airberlin-Pressesprecherin Bakir die La-Palma-Häuptlinge zum Nachdenken auf. „Dafür wäre Airberlin ein möglicher Partner, und 2011 wird erstmals eine gemeinsame Kampagne mit der Inselregierung lanciert werden.“

Wenn diese Werbung einschlägt, dann könnten die in den mageren Jahren dem Rotstift zum Opfer gefallenen Flieger wieder Kurs auf die Insel nehmen. Grund: „Das Angebot der Airberlin und aller Airlines, die La Palma ansteuern, richtet sich primär nach der Nachfrage“, erläutert Alexandra Bakir, dass die Gesellschaften vor allem wegen der Rückgänge im Veranstalterbereich heute weniger oft nach La Palma fliegen als in den guten Zeiten.

La Palma ist magic...

La Palma ist magic…

Nachtrag: Im Text finden sich nur Statements von Airberlin. Die Pressestelle von Condor lehnte ein Statement mit der folgenden Begründung ab: „Leider unterliegen wir als100prozentige Tochter des aktiennotierten Unternehmens Thomas Cook plc in Hinsicht auf Bewertung und Kommunikation starken Restriktionen. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

zur Webseite von La Palma 24: la palma

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Antwort zu "La Palma – Flughafen: Pro und Kontra Ausbau"

  1. Michael Nguyen  30. Januar 2011 at 13:13

    Wir haben‘s uns fast schon gedacht. Was fehlt, ist Werbung – und zwar von der Pike auf. Denn nach wie vor wird in allen europäischen Ländern die Insel La Palma mit Las Palmas, der Hauptstadt von Gran Canaria, oder mit Palma de Mallorca verwechselt. Der bestehende Werbespot für die kanarischen Inseln, der zudem nur im spanischen Fernsehen läuft, hilft da wenig – um nicht zu sagen, er ist kontraproduktiv. Fazit: La Palma braucht einen eigenen, ganz egoistischen Werbefilm! Botschaft Nummer 1: La Palma ist die westlichste Kanareninsel. Botschaft Nummer 2: La Palma ist die schönste Kanareninsel und trägt den Namen „Isla Bonita“. Botschaft Nummer 3: La Palma ist einfach „magic“. Warum nicht mit den Pfunden wuchern? La Palma ist eine Naturschönheit, es gibt hier keine überfüllten Strände und hässliche Hotelburgen, dafür aber jede Menge Möglichkeiten für Action-Urlaub oder auch Faulenzer-Ferien. Vor allem aber: Hier ist der Gast noch lange keine Nummer, auf La Palma freut man sich über Besucher und pflegt freundlichen Umgang.
    In diesem Sinne geht
    La-Palma-24 schon mal in die Offensive. Auf unsere Website haben wir zahlreiche Infos, Artikel, Fotos und Filme über die „Isla Bonita“ gestellt. Viel Spaß beim Angucken – und willkommen auf La Palma!

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