La Palma im Fokus: Filme von Helmut Schilling

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Helmut Schilling dreht seit fast 40 Jahren Filme über La Palma:

„Mir geht es um Leute und Land –

in der Reihenfolge!“

Im Jahr 1978 eroberte die kleine Kanareninsel La Palma das große Herz von Helmut Schilling im Sturm. Seitdem macht er seiner Schönen regelmäßig Liebeserklärungen der ganz besonderen Art: Der Amateur-Filmer verewigt die Isla Bonita und ihre Menschen in laufenden Bildern, und die so geschaffenen Zeitdokumente haben schon einige Auszeichnungen erhalten.

 

Helmut Schilling-Video zum Día de Los Indianos: Der Filmemacher aus NRW stürzt sich gern ins Getümmel des Karnevals auf La Palma.

Helmut Schilling-Video zum Día de Los Indianos in Santa Cruz de La Palma: Der Filmemacher aus NRW gibt Einblicke in die “guten Stuben” der Insel.

Im Januar 2017 urlaubte Helmut Schilling zum 17. Mal auf La Palma. Wobei er wie immer mit seiner Kamera unterwegs war und in einem Gespräch mit Manolo Villalba die Weichen für seinen nächsten Film stellte, der 2018 erscheinen soll. Manolo fertigt als einer der letzten auf den Kanaren die Stäbe für den Salto del Pastor auf traditionelle Weise, und solche Geschichten liegen ganz auf der Linie des 65jährigen Ruheständlers aus Horn Bad Meinberg in Nordrhein-Westfalen. Denn alle La Palma-Werke von Helmut Schilling sind Fenster in die „guten Stuben“ der Insel:

Ich filme in all meinen Urlauben auf der ganzen Welt, aber für mich stehen Filme über La Palma immer im Vordergrund. Dabei geht es mir um Leute und Land – in der Reihenfolge! Ich habe in meinem früheren Arbeitsleben mit Spaniern zusammengearbeitet und zur besseren Verständigung Spanisch gelernt. So konnte ich auch von Anfang an mit den Menschen auf La Palma kommunizieren, und die Sprache öffnete mir Herzen und Türen. Im Jahr 2003 lernte ich zum Beispiel Domingo kennen, der den Garten unserer Unterkunft pflegte. Ich fragte ihn „tomamos una copita de vino?“, woraufhin der alte Palmero mit mir ein Gläschen Wein schlürfte und mir währenddessen erzählte, dass er Fangreusen für Muränen baut. Natürlich wollte ich das sofort filmen, und Domingo sagte ganz typisch palmerisch „por que no?“ – warum eigentlich nicht…

Ein typisches Stück La Palma: Domingo mit Puro und Rotweinflecken auf dem Hemd beim Tambores-Basteln im Helmut-Schilling-Film.

Ein absolut authentisches Stück La Palma: Domingo mit Puro im Mund und Rotweinflecken auf dem Hemd bei der Herstellung einer Muränen-Falle im Helmut-Schilling-Film.

Der Plausch mit Vino führte zu einem Video über die Trommeln, mit denen die aalartigen Knochenfische an Land geholt werden. Doch es sind die Bilder von Domingo mit Rotweinflecken auf dem Hemd und einem beim Sprechen wippenden Zigarrenstummel im Mund, die die Geschichte so authentisch machen. Damit nicht genug ließ sich Perfektionist Helmut Schilling noch etwas ganz Besonderes einfallen:

Bei der deutschen Vertonung des Films habe ich zwei Schauspieler vom Landestheater Detmold engagiert. Die Frau sprach die technischen Parts des Films ein, und der Mann synchronisierte die Kommentare von Domingo. Die Mühe hat sich gelohnt: „Eine Falle für Muränen“ brachte Bronze beim Bundesfestival für nicht-kommerzielle Filmemacher.

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Ramon und Vina gestern und heute in ihrer Keramik-Werkstatt in Mazo: Die Filme von Helmut Schilling erzählen vom Leben und Schaffen des Kunsthandwerker-Ehepaars.

Die Originalität und zeitaufwändige Liebe zum audiovisuellen Detail in Helmuts Kreationen wurde schon einige Male von Fachjurys in Deutschland honoriert. So schaffte es die allererste Videofassung „Juwelen aus Ton“ über die Keramik-Manufaktur El Molino von Ramon Barreto Leal und seiner Frau Vina in Mazo bis zu den Deutschen Amateur-Filmfestspielen. Jahre später verband der ambitionierte Kameramann Bilder aus einer Neufassung mit einem Interview der beiden Kunsthandwerker, die Keramik-Repliken aus der Ureinwohnerzeit herstellen. Ebenfalls mit Erfolg: Die Reportage „Hüter einer vergessenen Kultur“ landete auf Platz 2 im NRW-Landeswettbewerb der Amateurfilmer. Eine Spezialvariante des El Molino-Video läuft bis heute im Showroom der Manufaktur zur Information von Touristen in sechs Sprachen und wird von Ramon und Vina hochgeschätzt. Helmut berichtet von einem weiteren Film, der auf La Palma begeisterte Reaktionen ausgelöst und im Internet tausende von Klicks eingesammelt hat:

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Die von Helmut Schilling verfilmte Reise im Jahr 1980 mit dem Guagua von Santa Cruz nach Garafía ist ein Zeitdokument: Damals wurden nicht nur Personen, sondern auch Güter und Medikamente per Bus vom Osten in den Norden der Insel transportiert.

1980 fuhr ich mit meiner Frau in einem alten Reisebus von Santa Cruz nach Garafía und schnitt die fünfeinhalbstündige Reise im „Guagua“ auf achteinhalb Minuten zusammen. Dieses Video wurde schon im kanarischen Fernsehen ausgestrahlt, aber mich freut vor allem, dass mich immer wieder Palmeros darauf ansprechen. Zum Beispiel der Kellner vom Restaurant Chipi-Chipi, der nahm mich in den Arm und sagte: „Der Film ist Spitze – jetzt können endlich die Großeltern ihren Enkeln erklären, wie die Busfahrten früher waren!“ Und ein Mitarbeiter des Tourismusbüros in Los Cancajos, dem ich den Film ebenfalls zur Verfügung gestellt habe, erklärte mir, das sei „sein Schatz zuhause“. So haben sich über meine Arbeit viele herzliche Kontakte und Freundschaften mit Menschen auf La Palma entwickelt, die bis heute anhalten.

Seine Liebe zu Leuten und Land brachte Helmut Schilling außerdem in Kontakt mit Zigarrendreher Fernando und den Streifen „Gepflückt, getrocknet und gerollt“ über den Puro Palmero hervor. Darüber hinaus filmte er die Blumenteppiche zu Fronleichnam in Mazo mit dem Titel „Für den Glauben und die Kunst“ und schuf die Reportage „Eine Stadt im Pulverrausch“ über den Día de Los Indianos in Santa Cruz. Helmut zieht nach fast 40 Jahren Urlaub und Filmen auf La Palma Bilanz:

Das Schilling-Video übers Zigarrendrehen zeigt mehr als die Herstellung der Puros: Helmut zeigt im Film auch die mühevolle Arbeit der Frauen und deren zerstochene Finger, die diev Tabakblätter nach der Ernte einzeln auffädeln.

Das Schilling-Video übers Zigarrendrehen zeigt mehr als die Herstellung der Puros Palmeros: Helmut nimmt auch die zerstochenen Finger der Frauen in den Fokus, die die Tabakblätter nach der Ernte einzeln auffädeln.

Ich kam achtmal unter die Jahresbesten der nicht-kommerziellen Filmemacher in Nordrhein-Westfalen, davon waren sieben Videos aus La Palma. Aber natürlich gab es im Laufe der Jahre auch viele andere Projekte. Bevor ich in Rente ging, finanzierte ich meine Ausrüstung, indem ich zum Beispiel Filme über Firmen oder Hochzeiten gemacht habe. Inzwischen ist alles ein reines Hobby, gerade habe ich einen Film über die Terraktotta-Armee in Xian fertiggestellt, den ich während einer Rundreise von Peking bis Shanghai aufgenommen habe. Aber auch wenn ich jedes Jahr woanders urlaube, ich komme immer wieder nach La Palma zurück.

Helmut Schilling ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Film Autoren (BDFA) sowie im Filmclub Bad Lippspringe und bezeichnet sich selbst mit dem für ihn typischen Schmunzeln in den Augen als „Hardcore-Amateur“. Denn wenn´s sein muss, dreht er auch schon mal im Hubschrauber bei geöffneter Tür oder auf der Außenstufe einer Dampfeisenbahn. Und natürlich hat der furchtlose und fröhliche Westfale auch noch eine Geschichte zur „Entdeckung“ La Palmas parat. Denn als Helmut Schilling mit seiner Ehefrau 1978 erstmals anlandete, war die Isla Bonita noch weitgehend touristisches Ödland:

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Beim “Vor-die-Tür-Gehen nur Natur vor Augen”: Mit diesen Worten warnte eine Reiseleiterin 1978 vor einem La Palma-Besuch, woraufhin der pfiffige Helmut sofort hellhörig wurde und auf die Isla Bonita jettete. Seitdem hat er seine Liebe zu den Menschen und den Besonderheiten der Insel in vielen Filmen festgehalten und wertvolle Dokumentationen geschaffen. Foto: La Palma 24

Dass wir La Palma für uns entdeckt haben, verdanken wir der negativen Beschreibung einer jung-dynamischen Reiseleiterin während eines Sommerurlaubs auf Gran Canaria. Meine Frau und ich fragten sie, was es mit La Palma auf sich habe, denn wir hatten gehört, dass da noch so eine Insel sei… Da sagte die Fachfrau „Was wollen Sie denn dort? – Da gibt es noch nicht mal eine Discothek!“ Das war für uns der erste Pluspunkt. Und als die Dame weiter erklärte, dass man beim Vor-die-Tür-Gehen nur noch „Natur vor Augen“ habe, war das der zweite Pluspunkt für La Palma. Wir haben dann gleich im Winter 1978 bei Neckermann gebucht und im damaligen Hotel San Miguel in Santa Cruz logiert. Zum Strand musste man damals noch zu Fuß oder per Anhalter, Los Cancajos wie wir es heute kennen, gab es noch nicht. Aber der La Palma-Virus hat uns gebissen und seitdem nicht mehr losgelassen…

Lieber Helmut, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf viele neue Filme! 

Für die Leser des La Palma 24-Journals hat uns Helmut Schilling seine Videos über die Isla Bonita zur Verfügung gestellt:

 

Mit dem Guagua vom Osten in den Norden:

Helmut Schilling zeigt, dass Busfahren auf La Palma anno 1980 noch ein echtes Abenteuer war.

 

Día de Los Indianos:

Helmut Schilling stürzt sich mit seiner Kamera ins weiße Infero am Rosenmontag in Santa Cruz.

 

El Molino-Manufaktur in Mazo:

Helmut Schilling besucht Ramon und Vina, die seit vielen Jahren Repliken der Ureinwohner-Keramik herstellen.

 

El Molino-Manufaktur in Mazo Teil 2:

Helmut Schilling zeigt, wie die Replik eines Tongefäßes der Benahoaritas entsteht.

 

Tabakanbau und Zigarrenherstellung auf La Palma:

Eine filmische Reise mit Helmut Schilling von der Finca bis zum Rollen des Puro Palmero.

 

Corpus Christi-Fiesta in Mazo:

Helmut Schilling filmt die aufwändige Arbeit der Einwohner bei der Anfertigung des berühmten Blumenschmucks.

 

Ein Besuch bei Domingo:

Der Palmero baut Fallen für Muränen, und Helmut Schilling hält diese Handwerkskunst minutiös mit der Kamera fest.

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