Notfall-Rettung auf den Kanaren: Wer bezahlt?

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Rettung aus Notsituationen auf den Kanaren und La Palma

Leichtsinn und Ignoranz können teuer werden:

Der Helikopter kostet 2.000 Euro pro Stunde

Hier gehen die meisten Hilferufe ein: Notfallzentrum der Kanaren - erreichbar unter der 112!

Hier gehen die meisten Hilferufe ein: Notfallzentrum der Kanaren – erreichbar unter der 112!

Der Sprung eines jungen Deutschen 2014 von der AIDA Stella im Hafen von Santa Cruz de La Palma ist eines der Paradebeispiele dafür, dass unüberlegte Freizeitaktionen ein fettes Loch in die Urlaubkase reißen können. Denn obwohl der Springinsfeld nur eine Wette abgeschlossen hatte, musste er für die von besorgten Augenzeugen sofort alarmierten Rettungskräfte später aus eigener Tasche bezahlen. Grund: Bei falschem Alarm, Leichtsinn, Fahrlässigkeit, Ignoranz oder simulierten Unfällen kassiert die Kanarenregierung für den Einsatz der Hilfstrupps direkt beim Verursacher ab – und das kann schnell in die Tausende gehen. Wir beschreiben die Situationen hier mal im Detail.

Das Notfall-Koordinationszentrum CECOPIN in Brena Alta: Hier werden die Einsatzkräfte auf La Palma aktiviert - Notfallnummer: 922.43.76.50!

Das Notfall-Koordinationszentrum CECOPIN in Breña Alta: Hier werden die Einsatzkräfte auf La Palma aktiviert – Notfallnummer: 922.43.76.50!

Immer wieder müssen die Rettungsteams auf La Palma ausrücken: Wanderer geraten in Not oder werden vermisst, Schwimmer bekommen Probleme im Atlantik, Paraglider landen nicht da, wo sie wollten, und, und, und… Meist werden die Rettungskräfte über die Kanaren-Notfallnummer 112 alarmiert und mit Hilfe des Koordinationszentrums CECOPIN auf La Palma je nach Bedarf aktiviert. Für den Notfall bereit stehen der Helikopter der Grupo de Emergencias y Salvamento (GES) der Kanarenregierung am Flughafen von Santa Cruz de La Palma sowie die Ayuda en Emergencias Anaga (AEA), die Freiwillige Feuerwehr, der Zivilschutz, das Rote Kreuz, Mitarbeiter des Inselumweltamtes und des Nationalparks Caldera de Taburiente sowie Hundestaffeln.

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Der neue GES-Sokol-Helikopter: Ist das ganze Jahr über auf dem Flughafen von Santa Cruz de La Palma stationiert – dieses Foto von Frank Schlüter zeigt, wie er während des Waldbrandes auf La Palma im August 2016 Wasser fasst. Der Sokol ist der Nachfolger des Helikopters von unserem Titelbild – damals fotografiert bei einer Rettungsübung im Atlantik vor Puerto Naos von Montserrat Alejandre.

Diese Manpower und das Vorhalten des Helis, der Fahrzeuge und Gerätschaften kosten Geld. Und das holt sich die Kanarenregierung seit der Verabschiedung eines Gesetzes im Jahr 2012 bei bestimmten Rettungsaktionen wieder zurück. Wann die Verursacher von Notfällen zur Kasse gebeten werden, regelt die Verordnung über „tasas y precios públicos“ in den Artikeln 171 bis 175, die auf einem Merkblatt abgedruckt ist – leider nur auf Spanisch, deshalb übersetzen wir in diesem Artikel mal ein paar wichtige Informationen daraus.

Grundsätzlich gratis sind Rettungseinsätze im Zuge von Naturkatastrophen, die von der obersten kanarischen Sicherheitsbehörde, der Dirección General de Seguridad y Emergencias ausgerufen wurden. Nichts bezahlt werden muss außerdem, wenn „öffentliches Interesse“ am Einsatz besteht, oder wenn die gesuchte Person vorm Alarmieren der Notfallhelfer verstorben ist.

 

Selbst bezahlt werden müssen die Rettungskräfte laut Gesetz, …

Risikosportarten wie etwa Gleitschirmfliegen: Wer mit einem Veranstalter fliegt, ist automatisch versichert. Foto: La Palma 24

Risikosportarten wie etwa Gleitschirmfliegen: Wer mit einem ordentlichen Veranstalter fliegt, ist automatisch versichert. Foto: La Palma 24

… wenn falscher Alarm gegeben wird. Wobei wie im Vorspann dieses Artikels beschrieben, der Fehlalarm auch von Dritten ausgelöst werden kann – trotzdem haftet der Verursacher.

… wenn der Notfall beim Ausüben einer als risikoreich oder gefährlich eingestuften Sportart eintritt – dazu zählen zum Beispiel Motorradfahren, Mountainbiken, Reiten, Klettern, Tauchen, die verschiedenen Surf-Arten, Jet-Skifahren oder Gleitschirmfliegen. Für Sportler, die ihr Hobby privat ausüben, empfiehlt sich, eine entsprechende Versicherung abzuschließen. Sportler, die unter Anleitung von Experten eines Freizeitunternehmens agieren, sind über diese Firmen versichert. Nach Angaben von Palmaclub-Präsident Javier López Redondo müssen auf La Palma alle ordentlichen Anbieter ihre Kunden den Anforderungen der jeweiligen Sportart entsprechend versichern. Die Kanarenregierung nimmt laut Merkblatt die Sportler selbst nur dann in die Pflicht, wenn das Freizeitunternehmen in Konkurs geht.

Benutzen Sie beim Wandern die offiziellen Wege und beachten Sie unbedingt mögliche Sperrungen: Sonst haftet Wanderer selbst für mögliche Rettungskosten.

Benutzen Sie die offiziellen Wege auf La Palma und beachten Sie unbedingt mögliche Sperrungen: Sonst haftet Wanderer selbst für mögliche Rettungskosten.

… wenn die Notsituation entsteht, weil Warnhinweise, Verbote oder Vorschriften in einem bestimmten Gebiet missachtet werden. Das können zum Beispiel gesperrte Wege sein, deshalb sind von diesem Gesetz auch Wanderer betroffen, die ansonsten ja nicht als Risikosportler eingestuft sind und für Such- oder Rettungseinsätze nicht automatisch selbst bezahlen müssen. Bei der Einstufung, ob eine Rettungsgebühr anfällt, wird übrigens auch berücksichtigt, ob die Wanderer entsprechend der gewählten Strecke adequat ausgerüstet sind – insbesondere im Blick aufs Schuhwerk.

Rollen solche Wellen auf La Palma an, wird schon mit gelben und roten Flaggen vorm Schwimmen im Atlantik gewarnt: Selbst erfahrene Surfer wie auf unserem Foto haben sich dabei schon überschätzt und sind in Seenot geraten. Foto: Michael Kreikenbom

Rollen solche Wellen auf La Palma an, wird mit gelben und roten Flaggen vorm Schwimmen im Atlantik gewarnt: Selbst erfahrene Surfer wie auf unserem Foto haben sich dabei schon überschätzt und sind in Seenot geraten. Foto: Michael Kreikenbom

… wenn die Rettungsaktion in einem Gebiet nötig wird, für das die Dirección General de Seguridad y Emergencias der Kanarenregierung oder andere offizielle Stellen einen Alarm ausgerufen haben. Es gibt drei Alarmstufen im Blick auf Wind, Regen und Wellengang: gelb, organge und rot. Besonders wichtig ist deren Beachtung bei Unternehmungen in den Bergen von La Palma – das Wanderwegenetz der Insel wird bei Wetteralarmen automatisch gesperrt! Natürlich ist dann auch jede Art von Aktivität an den Küsten und im Atlantik gefährlich – an den Stränden warnen zudem Flaggen in gelb und rot bei Gefahr, und den Anweisungen des Baywatch-Personals sollte unbedingt Folge geleistet werden. Rot bedeutet in allen Fällen nichts anderes als Lebensgefahr.

 

Was kostet eine Notfallrettung auf den Kanaren?

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Rote Flagge: Wenn sie an den Stränden gehisst ist, bedeutet das nichts anderes als Lebensgefahr! Foto: La Palma 24

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern hängt von der Zahl der Verunglückten und benötigten Rettungskräfte, Fluggeräte und Fahrzeuge sowie der Dauer des Einsatzes ab. Auf dem Merkblatt der Kanarenregierung werden die Kosten für den Einsatz der Grupo de Emergencias y Salvamento (GES) wie folgt erklärt:

Fliegt der GES-Heli los, schlägt die Rettung pro Stunde mit 2.000 Euro zu Buche, das Rettungsboot der GES agiert für 300 Euro stündlich auf dem Atlantik. Weitere Kosten pro Stunde: 26 Euro fallen pro beteiligtem Retter und 40 Euro pro Fahrzeug an.

GES-Rettungsboot: ständig einsatzbereit im Hafen von Santa Cruz de La Palma. Foto: La Palma 24

GES-Rettungsboot: ständig einsatzbereit im Hafen von Santa Cruz de La Palma. Foto: La Palma 24

Damit die Rechnung nicht total ausufert, hat die Kanarenregierung Obergrenzen für die Gebühren festgelegt. Im Bereich von einer bis zu vier Personen müssen maximal 6.000 Euro für die Rettungsmaßnahmen bezahlt werden, bei fünf bis acht Personen wurde das Limit auf 8.000 Euro, bei 9 bis 16 Personen auf 10.000 Euro und bei mehr als 16 Personen auf 12.000 Euro festgelegt. Die Rechnung wird auf die Beteiligten entsprechend der in Anspruch genommenen Leistungen umgelegt.

Das La Palma 24-Journal veröffentlicht die Alarmstufen der Kanarenregierung im Blick auf Wind, Welle und Regen stets sobald sie eintreffen. Wir empfehlen allen Inselgästen, diese Warnungen nicht in den Wind zu schlagen. Denn wer sich nicht leichtsinnig in Gefahr begibt, schont Gesundheit und Geldbeutel.

Alarmmeldung im La Palma 24-Journal: Wer unsere Nachrichten liest, ist gut informiert.

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