Isla Bonita Musiker: Ödi und seine Bands

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Spaziergang mit Hans Richard Jonitz von Deutschland bis La Palma:

Rock und Blues in allen Lebenslagen

Heute covert Ödi in der Dinos Band zusammen mit

Heute covert Ödi auf La Palma in der Dinos Band zusammen mit Juan Rodríguez und Francisco Ortega rockige Songs aus den 70ern und 80ern: Demnächst soll außerdem das Revival der ProgRock-Formation ForRain folgen…

 

In seinem Pass steht Hans Richard Jonitz, aber auf La Palma rufen ihn alle nur Ödi: Seine Rock-Kollegen in der Dinos-Band und der Formation ForRain, seine Gäste in der Musicasa und Klassik-Fans auf der Insel, die den umtriebigen 59-jährigen als Organisator der Konzerte des Vereins der Opernfreunde ACAPO kennen und schätzen. Ganz recht: Im Leben von Hans Richard Jonitz dreht sich seit jeher alles um Musik. Wir sind auf dieses Karussell aufgesprungen und eine Runde mitgefahren…

 

Geboren wurde Ödi in Nürnberg. Davon übrig geblieben ist nach gerade mal achtwöchiger, postnataler Aufenthaltsdauer in der Franken-Metropole lediglich eine kaum erklärbare Affinität zum 1. FCN. Ansonsten ist Ödi durch und durch Schwabe, weil in Göppingen am Fuße der Schwäbischen Alb aufgewachsen und später in Reutlingen und Balingen zum Erwachsenen gereift. Obwohl er schon seit 1988 auf La Palma lebt, schwingt die süddeutsche Klangfarbe noch immer mit, wenn er erzählt. Und der eloquente Mann weiß viel zu berichten, etwa im Blick auf seine musikalischen Anfänge in Deutschland:

Foto von einem Ödi-Auftritt mit der Gartenweg-Blues-Band anno 1978 in der Julius Kemmler-Halle in Reutlingen-Betzingen: "Bei diesem Doppelkonzert mit der schottischen Folkband Tannahill Weavers hab ich mich in meine erste Frau verliebt..."

Lang, lang ist´s her: Foto von einem Ödi-Auftritt mit der Gartenweg-Blues-Band anno 1978 in der Julius Kemmler-Halle in Reutlingen-Betzingen. “Bei diesem Doppelkonzert mit der schottischen Folkband Tannahill Weavers hab ich mich in meine erste Frau verliebt!” Übrigens hatten alle Bands von Ödi ähnlich ausgeflippte Namen…

Alles begann mit Blockflötenunterricht in der Göppinger Grundschule, dann spielte ich Klarinette und Sax in der dortigen Jugendkapelle und 1972 in meiner ersten Band namens „Gnaub-Oyé“. Nach meinem Umzug nach Reutlingen war ich in der „Gartenweg Blues Band“, bei „Krachmaschine“ und „Kawumm“ aktiv. Wir probten wie auch die Schwoba-Rock-Band „Schwoißfuaß“ in der Alten Wendlerei – vielleicht erinnern sich manche noch an deren größten Hit „Oinr isch emmr dr Arsch“. Anfangs gab es Überschneidungen in unseren Gruppen, aber ich entschloss mich irgenwann gegen diese Dialekt-Geschichte und dafür, die englische Schiene weiterzuverfolgen. Doch Schwoißfuaß-Gründer Alex Köberlein, Gitarrist Didi Holzner und ich stehen bis heute in Kontakt, und Rudolf Diegel  ist einer meiner besten Freunde – der „Riedel“ war schon oft auf La Palma, der fährt hier immer Fahrrad wie ein Großer…

Der "Riedel": Alter Spezl von Ödi fährt gerne mit dem Radl über La Palma "wie ein Großer". Foto: Schwoißfuaß-Archiv

Der “Riedel”: Alter Spezl von Ödi fährt gerne mit dem Radl über La Palma “wie ein Großer”. Foto: Schwoißfuaß-Archiv

Ödi wohnte sogar mit dem „Riedel“ zusammen und absolvierte mit ihm den Zivildienst im Reutlinger Krankenhaus, nachdem er 1976 am Kepler Gymnasium das Abitur gemacht hatte. Anschließend lernte er Industriekaufmann und brachte dann Lastwagen der Firma MAN an den Mann. Allerdings war Hans Richard Jonitz dabei nicht glücklich:

Obwohl ich erfolgreich verkaufte, war das nicht mein Dampfer. Das führte sogar dazu, dass mein Alkoholkonsum immer unübersichtlicher wurde. Es musste was Neues her, und da traf ich eine Bekannte, die auf La Gomera war und von den kleinen kanarischen Inseln schwärmte. Da sind meine Ohren immer größer geworden, und ich dachte, bevor Du wieder in Deutschland investierst und dann zehn Jahre oder länger gebunden bist, flieg doch mal eine Woche hin und guck dir´s an.

Gesagt – getan. Damals noch über Teneriffa flog Ödi erstmals auf La Palma ein und landete irgendwann auch im vom Reiseführer als „romantisches Fischerdorf“ angepriesenen Puerto Naos:

Puerto Naos 1980: Ödi fand es grausam und trist als er zum ersten Mal einflog. Aber er erkannte das Potenzial von La Palma und behielt recht. Foto aus 1980: Carlos Lavers/Wilhelm Haas - wir danken für die Bildgabe!

Puerto Naos 1980: Ödi fand es “grausam und trist” als er zum ersten Mal auf La Palma einflog. Aber er erkannte das Potenzial der Insel, ließ sich hier nieder, eröffnete die Musicasa und betreibt seine kleine, gemütliche Pension bis heute. Foto aus 1980: Carlos Lavers/Wilhelm Haas – wir danken für die Bildgabe!

Dort war es Ende der 1980er-Jahre wirklich grausam. Da stand noch das Gerippe vom ersten Hotelbau-Versuch, und in der ersten Reihe an der heutigen Strandpromenade gab es noch jede Menge Zahnlücken. Nichts war bunt und bepflanzt, alles war trist weiß-grau und die Palmen waren erst circa eineinhalb Meter hoch.

Ödi erkannte indessen das Potenzial der Insel und eröffnete 1988 die Musicasa in Las Norias an der Hauptstraße, die in den Badeort Puerto Naos führt. Dort wohnen seine Gäste bis heute in eigenen Schlafzimmern – Bäder, Küche und Wohnzimmer werden gemeinschaftlich genutzt. Jeder verpflegt sich selbst – wer will, kann jedoch ein Frühstück buchen, das der Chef persönlich zubereitet. Das tun viele, berichtet Ödi, und dann sitzen alle am runden Tisch im Garten oder im Wohnzimmer zusammen:

Frühstück bei Ödi: kein Frühstück bei Tiffany, aber ein Juwel, wenn man andere Gäste der Musicasa kennenlernen will.

Breakfast bei Ödi: kein Frühstück bei Tiffany, aber ein Juwel, wenn man andere Gäste der Musicasa kennenlernen will.

Es ist super zu sehen, wie sie sich kennenlernen. Daraus ergeben sich immer wieder tolle Freundschaften. Zum Beispiel die Gruppe, die seit Jahren jeden Januar hierher kommt, wobei sich Leute von Bremen bis Regensburg abstimmen. Nicht selten passiert es auch, dass sich Paare beim Frühstück treffen, und dann stellen die Frauen fest, dass sie eigentlich keine Lust mehr haben, ihren Männern jeden Tag auf einer Mountain-Bike-Tour hinterherzustrampeln. Also tun sich die sportfanatischen Männer zusammen, und die Frauen gehen gemütlich zum Shoppen oder an den Strand…

Zufriedene Gäste liegen dem Hausherrn sehr am Herzen. Und weil er weiß, dass Urlaubsglück auch von Erlebnissen abhängt, nimmt Ödi seine Küken öfter mal unter die Fittiche:

Ödi ist nicht nur Rock-Musiker, sondern auch Fußball-Fan des El PasoTeams, organisiert klassische Konzerte und

Ödi ist nicht nur Rock-Musiker, sondern auch Fan der Atlético-Kicker von El Paso, organisiert klassische Konzerte und taucht: Wenn seine Gäste Lust haben, nimmt er sie auf seine Special-Events mit.

Man muss den Urlaubern etwas Besonderes bieten – und wenn es nur ein, zwei Highlights sind. Das ging mir früher in meinen Ferien genauso, bei mir im Gedächtnis ganz vorn ist unter anderem ein Heiligabend bei den Tuareg in der Sahara, an dem meine Freunde und ich Gitarre spielten, und die Wüstenbewohner trommelten. Deshalb nehme ich zum Beispiel fußballbegeisterte Gäste der Musicasa mit zu den Spielen von Atlético Paso, wo ich am Wochenende hingehe und auch Vereinsmitglied bin. Musikfans lade ich zu den klassischen Konzerten von ACAPO ein oder gebe ihnen Tipps von Auftritten palmerischer Bands, die in den Medien oft gar nicht beworben werden. Den Flohmarkt in Argual finden kann jeder – aber die Urlauber lieben Events, die andere vielleicht nicht entdecken…

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Dinos Band: 2004 bis heute.

Ganz klar: Wenn es um musikalische Insider-Tipps auf La Palma geht, ist Ödi ein Quell des Wissens. Denn der begeisterte Musiker knüpfte gleich nach seiner Ankunft auf der Insel wieder Kontakte zur Szene, wobei wie immer der Schwerpunkt auf Blues und Rock lag – leichte Muse war nie sein Ding: In den 1990ern ertönte seine Bariton-Stimme bei Rockolate, die mit ihren Songs aus den 60er- und 70er-Jahren oftmals in der heute geschlossenen Alternativ-Kneipe mit Bühne namens „Nautilus“ in Los Llanos einheizten. 2002 bis 2010 musizierte Hans Richard Jonitz bei ForRain und ging mit dieser Formation 2003 sogar zwei Wochen lang auf Deutschlandtournee von Berlin über Marburg und Uelzen bis nach – natürlich – Reutlingen.

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Progressive Rock-Band ForRain: seit 2010 eingefroren, wird jetzt wieder aufgetaut.

Gute Nachrichten: Im Winter 2015/16 nahm diese ProgRock-Band wieder den Probenbetrieb auf und wird demnächst ihr offizielles, sicherlich hochinteressantes Revival bekannt geben. Seit 2004 ist Ödi jedoch hauptsächlich in der Dinos Band aktiv, wo er zusammen mit Juan Rodríguez alias El Kiowa und Francisco Ortega alias El Groucho Songs aus den 6oern und 70ern intoniert. Sein größtes musikalisches Erlebnis auf La Palma war allerdings ein gemeinsamer Auftritt mit Jack Bruce, dem einstigen Sänger und Bassist von Cream – Ödi strahlt bei der Erinnerung:

Ein historischer Moment: Jack Bruce und sein Sohn Corin (Bild hinten am Schlagzeug) beim ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt im Rahmen des Rettet-die-Playa-Nueva-Konzerts 2004. Foto: Archiv Susi

Ein historischer Moment: Jack Bruce und sein Sohn Corin (Bild hinten am Schlagzeug) beim ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt im Rahmen des Rettet-die-Playa-Nueva-Konzerts 2004 im Westen von La Palma. Foto: Archiv Susi

Das war eine schöne Geschichte… Die Familie von Jack hat ja auf La Palma seit langem ein Haus und ist oft zu Gast. Und da kam Jacks Frau Gritli 2004 zu mir und fragte, ob ihr damals zehnjähriger Sohn Corin im Probenraum von „ForRain“ mal ein bisschen Schlagzeug üben dürfe, weil er seines in London vermisse. Ich stimmte natürlich zu, und wir spielten bei der nächsten Probe zusammen mit Corin Lieder vom Papa – natürlich auch „Sunshine of your Love“. Das war klasse und Corin war happy. Weil „ForRain“ damals eine Anfrage für das „Rettet-die-Playa-Nueva-Konzert“ hatte, beschlossen wir, dass Corin bei ein paar Liedern mittrommeln sollte… Und kurz darauf kam die Überraschung: Gritli  rief an und sagte, Jack werde am Konzertwochenende kurzfristig auf La Palma einfliegen. Als er erfuhr, dass sein Sohn hier zum ersten Mal öffentlich auftritt, wollte Jack dabei sein und fragte mich, ob er vielleicht „ein bisschen Bass spielen“ dürfe. Ich bin Cream-Fan und natürlich schier zusammengebrochen… ich habe mich gefühlt wie ein Bub am ersten Schultag!

Salvamos-La-Playa-Concierto 2004: Ödi und seine Band. Foto: Archiv Susi

Salvamos-La-Playa-Concierto 2004: Ödi und seine Band ForRain traten zusammen und drei Lieder lang auch mit Jack Bruce und Sohn Corin auf. Foto: Archiv Susi

Schätzungsweise 500 Leute kamen damals zum Konzert gegen den Abriss der Casetas an der Playa Nueva, auch Playa de Los Guirres genannt. Ödi berichtet, dass man vorsichtshalber keine Werbung für den Gig mit Jack Bruce gemacht habe, weil man befürchtete, dass tausende Fans herbeiströmen und den Veranstaltungrahmen sprengen würden. Bekanntlich hat der musikalische Protest nichts genützt – heute ist das Hüttchendorf verschwunden. Übriggeblieben ist dagegen ein Video-Mitschnitt vom Rettet-die-Playa-Konzert – allerdings soll dieser auf Wunsch der Familie von Jack niemals an die Öffentlichkeit kommen. Ödi versteht, warum:

Album für Jack Bruce Fans: Erinnerung an den großen Bassist und Komponist.

Album für Jack Bruce-Fans: Erinnerung an den großen Bassist und Komponist.

Professionelle Musiker legen größten Wert darauf, ihr Image aufrechtzuerhalten – das kenne ich auch aus meiner Erfahrung mit den Interpreten klassischer Musik, die auf La Palma gastieren. Private Nebenher-Geschichten wie die an der Playa dürfen nie ohne ausdrückliche Genehmigung veröffentlicht werden, das könnte der Karriere schaden. Aber auch ohne diese Dokumentation des Playa-Konzerts ist dieses Erlebnis unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich weiß noch, ein halbes Jahr darauf bin ich nach London zum 38 Jahre verspäteten Abschiedkonzert von „Cream“ in der Royal-Albert-Hall geflogen. Und das war schon phänomenal: Da lief Jack Bruce neben Eric Clapton und Ginger Baker ein, und ich dachte, Mensch, vor kurzem bist Du noch mit ihm auf der Bühne gestanden… (Anmerkung der Redaktion: Jack Bruce starb im Oktober 2014 im Alter von 71 Jahren. Seine Fans und auch seine Freunde auf La Palma vermissen den großen Komponisten, Musiker – und Mensch.)

Ödi Jonitz und seine Liebe zur Musik: der Hans-Dampf-in-allen-Gassen spielt verschiedene Instrumente und textet - aber hauptsächlich lässt er seinen rockigen Bariton ertönen.

Ödi Jonitz und seine Liebe zur Musik: Der Hans-Dampf-in-allen-Gassen spielt verschiedene Instrumente und textet – aber hauptsächlich lässt er seinen rockigen Bariton ertönen.

Wer Ödi zuhört, kommt nicht umhin, seine Liebe zur Musik zu spüren – und die will der Künstler auch gar nicht verleugnen:

Ich habe nie in wirklich berühmten Bands gespielt. Doch Musik bedeutet mir – ich möchte jetzt nicht sagen alles  – , aber ohne sie würde ich wahrscheinlich depressiv werden. Musik ist ein essentieller Bestandteil meines Lebens, das war schon als Kind so. Ich bin in einem von der Klassik geprägten Elternhaus aufgewachsen, und mein Vater hat immer, wenn er zuhause war, seine wenigen Langspielplatten aufgelegt. Die kann ich heute noch auswendig…

Ödi, wir wünschen Dir, ForRain und der Dinos Band noch viele schöne Auftritte, die wir natürlich im La Palma 24-Journal ankündigen.

Aktuelle Infos stellt Ödi auf seiner Facebook-Seite ein.

Wer mehr über die Musicasa wissen will, klickt hier.

Details zum 1. Festival de Música La Palma, das Ödi als Vorstand im Verein der Opernfreunde ACAPO mit Spitzeninterpreten der internationalen Klassikszene im Sommer 2016 mitorganisiert, finden sich über diesen Link.

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