Plastik im Meer – Gefahr für Wale und Delfine

Pottwal-Titel
Gastbeitrag von Michaela Harfst von der WDC:

 

“Weniger Plastik ist Meer!”

Michaela Harfst arbeitet seit vielen Jahren in der Presseabteilung der Whale and Dolphin Conservation (WDC – früher WDCS). Heute informiert sie als Gastautorin im La Palma 24-Journal über ihre aktuelle Kampagne “Plastik – tödliche Gefahr für Wale und Delfine”. Ein nicht gerade neues, aber leider immer akuteres Thema. Denn das Problem mit Kunststoffabfällen in den Ozeanen existiert rings um den Globus und nimmt trotz aller Warnungen nicht ab – und am Ende des Tages sind auch die submarinen Bewohner der Kanaren und letztendlich selbst die eigentlich heilen Meereswelten von La Palma betroffen – auch indirekt durch die Strömungen in den Weltmeeren. Auf La Palma sind zahlreiche Wal- und Delfinarten beheimatet oder ziehen durch – sehr zur Freude von Residenten und Touristen. Und letzterte können im Kleinen dazu beitragen, dass das so bleibt. Unser ganz konkreter praktischer Tipp: In den Supermärkten keine Plastiktüten kaufen, sondern die vielfach wiederverwendbaren Taschen für einen Euro verlangen.
Michaela Harfst vom WDC.

Michaela Harfst vom WDC.

 

Jede Minute landet eine Tonne Plastik im Meer – eine lebensbedrohende Gefahr für Wale und Delfine. Plastik ist im Meer nicht biologisch abbaubar, es zersetzt sich allerdings im Laufe der Jahre in immer kleinere Teile – Mikroplastik genannt – und gelangt so noch leichter ins Nahrungsnetz der Meeresbewohner. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC hat deshalb eine Kampagne gestartet, um über Plastikmüll im Meer aufzuklären.
Plakat von Jasmin Becela

Plakat von Jasmin Becela: WDC-Kampagne zum Schutz von Walen und Delfinen.


Etwa 80 Prozent des Mülls im Meer stammen vom Land – und circa 80 Prozent davon sind aus Plastik. Eine erschreckende Zahl, die uns zeigt, welche unmittelbaren Auswirkungen unser Plastikkonsum auf die Ökosysteme hat. Im Jahr 2050 wird es mehr Plastik als Fische im Meer geben, wenn wir unser Verhalten nicht schleunigst ändern!

Aktuell ist das Überleben von etwa 700 Arten von Meeresbewohnern durch Plastik bedroht, darunter auch Wale und Delfine. Sie verfangen sich in Geisternetzen, verwechseln Plastikteile mit Nahrung oder nehmen beispielsweise bei der Aufnahme von Plankton Mikroplastik zu sich. Die giftigen Inhaltsstoffe im Plastik können unter anderem Immunschwächen hervorrufen, außerdem beeinträchtigen sie die Fruchtbarkeit der Meeressäuger.
Verendeter Schnabelwal: Manchmal verhungern die Meeressäuger, weil Plastikmüll den Magen blockiert. Foto Jesus Contreras/WDC

Verendeter Schnabelwal: Manchmal verhungern die Meeressäuger, weil Plastikmüll den Magen blockiert. Foto Jesus Contreras/WDC

Ich zähle hier drei dramatische Beispiele aus den letzten Jahren auf, die die Gefahr veranschaulichen: Im Dezember 2015 strandete ein totes Orca-Weibchen in Südafrika. Die Obduktion ergab, dass ihr Magen voller Plastikabfall war, und sie wohl deshalb verhungerte. Im April 2002 wurde ein Zwergwal in Frankreich ans Ufer gespült. In seinem Magen wurden 80 Kilogramm Plastik gefunden, darunter zwei Plastiktüten aus einem englischen Supermarkt. Im Magen eines Pottwals, der in Südspanien angeschwemmt wurde, entdeckten Wissenschaftler 17 Kilogramm Plastikmüll – insgesamt 59 verschiedene Teile. Darunter waren neben Plastiktüten beispielsweise auch ein Gartenschlauch, Kleiderbügel oder Teile einer Matratze.

Deshalb müssen wir dringend etwas gegen die dramatischen Ausmaße der Meeresverschmutzung unternehmen. Der Verzicht auf unnötiges Plastik und eine sachgemäße Entsorgung kann einem Wal oder Delfin das Leben retten! Jeder Mensch kann durch sein Verhalten direkt Einfluss auf unser Ökosystem nehmen – im positiven oder negativen Sinn.
fff

Plakate, Unterrichtsmaterialien, Medieninfos und mehr: Die WDC-Kampagne zielt in alle Richtungen.



Der WDC hat inzwischen eine Kampagne gestartet, um dem Thema eine breite Öffentlichkeit zu verschaffen:

  • Workshop mit Bloggern und Journalisten in München zum Thema Plastik – für mehr Infos hier klicken.
  • Die Erstellung eines Bildungspaketes für Kinder – wir stellen Unterrichtsmaterialien zum Download zur Verfügung.
  • Animierte GIFs mit interessanten Fakten, die auf Facebook und Twitter geteilt werden – hier geht es zu den Beispielen auf unserer Facebook-Seite.
  • Newsletter an unsere Unterstützer.
  • Druck von Postkarten, die in ganz Deutschland in Unverpackt-Supermärkten ausgelegt werden.
  • Eine Infografik zum Thema „Wie gelangt das Plastik ins Meer?“ in Zusammenarbeit mit den Künstlern Nele Prinz und Steffen Kraft.
  • Gastbeiträge von Experten auf der WDC-Website whales.org.
  • Wir stellen eine Liste plastikfreier Supermärkte in Deutschland und Österreich zur Verfügung – hier kann man sie herunterladen.

Ich hoffe, dass unsere Kampagne auf das Interesse vieler Menschen stößt und weitergetragen wird – auch auf La Palma!

Ihre Michaela Harfst

Tipp für La Palma Touristen: Den Einkaufskorb bringt keiner im Flieger mit - aber an den Kassen der Supermärkte kann man statt Plastiktüten auch die praktischen Taschen für einen Euro kaufen. Foto: La Palma 24

Tipp für La Palma-Touristen: Den Einkaufskorb bringt keiner im Flieger mit – aber an den Kassen der Supermärkte kann man statt Plastiktüten auch die praktischen und stabilen Taschen für einen Euro kaufen  – im Apartment stehen lassen, und der nächste Bewohner verwendet die Tasche weiter ohne die stets löchrigen und für Meeresbewohner gefährlichen Plastiktüten für unnötige Cents zu erwerben. “Protejamos el medio ambiente” – “Schützen wir die Umwelt” hat passenderweise zum Beispiel die SPAR-Gruppe auf ihre Taschen geschrieben. Diese “Bolsas” gibt es aber auch in anderem Design bei allen Supermärkten auf La Palma. Foto: La Palma 24

 

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