La Palma Künstler: Die Malerin Sylvia Catharina Hess

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La Palma Künstler: Die Malerin Sylvia Catharina Hess

„Der Mensch steht im Mittelpunkt

meiner künstlerischen Auseinandersetzung“

Sylvia und Harald: Künstlerehepaar mit Schaffensdrang und viel Sinn für Humor. Foto: La Palma 24

Sylvia und Harald: Künstlerehepaar mit Schaffensdrang und viel Sinn für Humor. Foto: La Palma 24

Sylvia Catharina Hess schreibt Erzählungen, Kurzgeschichten und Gedichte, die oftmals von sagen-haften Begebenheiten handeln. Auch ihre Bilder, Skulpturen und Installationen wirken poetisch, hie und da sogar märchenhaft, sind aber nicht ohne kritischen Biss. Die Autorin und Malerin lebt rund die Hälfte des Jahres in La Punta auf der Kanareninsel La Palma mit ihrem Mann, dem Schriftsteller und Bestseller-Autor Harald Braem. Dort hat sie uns die Tür zu ihrem lichtdurchfluteten Gartenatelier geöffnet.

 

Nein, Sylvia Catharina Hess ist nicht das Frauchen eines erfolgreichen Mannes, das aus Langeweile zum Malkasten greift. Ganz im Gegenteil: Die studierte Germanistin und Politikwissenschaftlerin unterrichtete rund 30 Jahre lang Deutsch und Sozialkunde und arbeitete als Methodentrainerin für Lehrer. 2007 begann die heute 63jährige nach einer schweren Krankheit und Frühpensionierung, sich intensiv mit der Malerei auseinanderzusetzen. Denn bis dahin hatte Sylvia den schönen Künsten nur als Hobby gefrönt:

Sylivas Bild "@nature one": auch zeitkritische Pinselstriche.

Sylivas Bild “@Nature one”: auch zeitkritische Pinselstriche.

Ich dachte mir, das mit dem Malen, das kommt gut – und dann wollte ich es auch richtig lernen. Also habe ich bei einem Künstler in Kaiserslautern einen Privatkurs gemacht, und begann dann mit Seminaren an der Kunstakademie in Bad Reichenhall, wo ich auch ein modulares Intensivstudium bei Ingrid Jureit absolvierte. Die Seminare an der Kunstakademie dauerten immer ein bis zwei Wochen, und da wird man richtig rangenommen. Ingrid Jureit hielt ihre Studenten dazu an, künstlerische Konzepte zu erarbeiten – das hat mich sehr geprägt. Schon 2007 hatte ich meine erste Ausstellung in einer Freizeitgalerie, und meine Bilder verkauften sich sofort überraschend gut. Da dachte ich, da machste mal weiter (lacht).

Die Künstlerin saß allerdings nicht nur an der Staffelei. 2009 wurde sie als Projektleiterin und Kuratorin des Kunst- und Literturpfads Loreley im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz aktiv. Im Rahmen dieses Projekts malte sie ein Bild, das beweist, dass die Politologin ihre kritische Weltsicht auch mit dem Pinsel ausdrücken kann: „Ach Lore“ heißt das Gemälde, das Sylvia in einer Ausstellung im Kreishaus Bad Ems zeigte – das steht auf der Insel Silberau, wo im Mittelalter Frauen als „Hexen“ verbrannt wurden:

Gemälde "Ach Lore":

Gemälde “Ach Lore”: Sylvia lässt sich oft von literarischen Vorlagen inspirieren und setzt diese auch mal mit Biss und Schmunzeln um.

Die Loreley wird in allen bekannten Versionen der Sage als männerverschlingende Femme Fatale beschrieben. Das beruht auf der Ballade „Lore Lay“ von Clemens von Brentano, der sie als Zauberin auf dem Rheinfelsen erfand. Brentanos Loreley liefert sich selbst der Kirche zur Verbrennung als Hexe aus, weil sie nicht mehr damit leben kann, dass sie alle Männer verführt. Aber der Bischof verliebt sich ebenfalls in sie – deshalb habe ich den Teufel auf das Bild gemalt, der den Kirchenmann schon in seiner Kralle hat… (lacht)

Neben der ungebrochen aktuellen Frage, ob tatsächlich die Frauen schuld sind, wenn Männer nicht auf dem angesagten Kurs bleiben, stellt sich Sylvia Catharina Hess in ihren Werken immer wieder ernsten Themen auf der Basis literarischer Vorlagen und eigner Erlebnisse. Darunter finden sich Bilder wie etwa „@Nature One“, in dem es um junge Leute und ihre Flucht in virtuelle Welten und Handy-Dauergebrauch geht oder auch Gemälde, in denen sich die Künstlerin dem Bereich Krankheit und Sterben zuwendet. Aber Sylvia ist äußerst vielseitig – und so fließen ihr auf La Palma derzeit eher heitere Motive aus dem Pinsel:

La Palma-Einfluss: heitere Bilder mit viel Musik zeigt der neue Zyklus "Mein kanarisches Liederbuch" von Sylvia.

La Palma-Einfluss: heitere Bilder mit viel Musik zeigt der neue Zyklus “Mein kanarisches Liederbuch” von Sylvia.

Es gibt immer wieder neue Zyklen, in denen ich mich einem Thema stelle und es abarbeite, bis ich wirklich ausgequetscht bin – das hat mit Landschaftsmalerei angefangen, ging über eine abstrakte Phase, und seit 2010 habe ich mich der figürlichen Malerei verschrieben. Landschaften mache ich sozusagen nur noch zwischendurch zur Erholung, weil es so schön ist (lacht). Aber prinzipiell steht der Mensch im Mittelpunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung. Seit ich einen guten Teil des Jahres auf La Palma verbringe, habe ich das Projekt „Mein kanarisches Liederbuch“ begonnen. Da mein Spanisch noch nicht gut genug ist, kommen literarische Vorlagen noch nicht in Frage – deshalb suchte ich anderweitig ein Thema, das den Menschen auf der Insel gerecht wird. Und da entdeckte ich, dass hier überall Musik ist: Die Leute veranstalten andauernd Fiestas, es wird auf der Straße getanzt, und selbst auf privaten Festen klampft immer einer rum. Es ist phantastisch, und so kommen in meinen neuen Bildern jede Menge Musiker und Inhalte von kanarischen Volksliedern vor.

Sylvia malt auch Landschaften: Diese hat sie mit "kanarisches Skizzenblatt überschrieben.

Sylvia malt auch Landschaften – viele davon während ihrer Aufenthalte in den Wintermonaten auf La Palma: Diese hat sie mit “kanarisches Skizzenblatt überschrieben.

Anfang 2016 stellte Sylvia Catharina Hess ihre Werke erstmals auf La Palma aus. Der Rückblick auf ihre Künstler-Karriere zeigt allerdings eine lange Liste von Ausstellungen und Beteiligungen an Kunstmessen in Deutschland und Frankreich. 2010 wurde Sylvia mit dem Nassauer Kulturpreis in Silber ausgezeichnet – und sogar in Südkorea beim „Seoul International Art Festival 2009“ waren ihre Werke zusammen mit Arbeiten von Künstlern aus dem Rhein-Lahn-Kreis schon zu sehen. Parallel zur Malerei organisiert die einstige Lehrerin gerne kulturelle Projekte in ihrer Heimatregion und ist Mitbegründerin des Cercle des Artistes Européens im französischen Mulhouse. Neben all diesem Engagement findet sie auch noch Zeit, die Buchskripte ihres Ehemannes in den Computer zu tippen und sie zu lektorieren. Denn Harald Braem – bekannt durch zahlreiche Bücher auch über La Palma – schreibt alles von Hand. Sylvia plaudert aus dem Nähkästchen:

Wenn Harald einen Roman schreibt, bin ich seine erste Kritikerin – ich bin ja Germanistin. Ansonsten halten wir unsere Arbeit bewusst auseinander; ich male nichts zu seinen Themen. Das einzige, was ich mal machen wollte, war eines seiner Bücher über Sagen zu illustrieren, aber das war dem Verlag damals drucktechnisch zu aufwändig…

Installation von Sylvia Catharina Hess: Brunnenplatz und Wassertempel.

Installation von Sylvia Catharina Hess: Brunnenplatz und Wassertempel.

Sylvia ist ganz froh, dass sie in ihrem Gartenatelier ein stilles Refugium hat, das ein paar Meter von der Schreibstube ihres umtriebigen Gatten entfernt liegt. Dort widmet sie sich derzeit ihrem Thema „Kanarisches Liederbuch“ – wie meist in Acryl auf Leinwand und Papier – und bewahrt  eine  Mappe mit Bildern auf, die sie aus Deutschland mitgebracht hat. Nach ihren Skulpturen und Installationen sucht man im Atelier und im Garten des Hauses in La Punta allerdings vergeblich. Doch das werde sich noch ändern, so Sylvia:

Der Transport der großen Werke im Flugzeug ist einfach zu teuer. Und ich hatte noch nicht die Zeit, mir hier das nötige Material zu verschaffen, aber das wird noch kommen… Meine Objekte sind ja aus Materialien wie Holz, Plexiglas oder Metall gefertigt. Ich bin allerdings keine Bildhauerin, sondern lasse mir zum Beispiel das Holz in der Schreinerei vorschneiden. Im Atelier bearbeite ich nur noch Feinheiten an den Rändern. Deshalb bezeichne ich meine Objekte auch als „Malerei auf skulpturalen Bildträgern“. Mein eigentliches künstlerisches Anliegen ist eben die Malerei  – auch bei den Installationen, wo ich sozusagen begehbare Bilder zeige. Träger wie Holz oder Metall schaffen einfach nochmal eine andere Aura um das Bild herum.

Sylvia in ihrem Pavillon-Atelier: demnächst will sie hier auch große Objekte wie ihre Stelen schaffen. Foto: La Palma 24

Sylvia in ihrem Pavillon-Atelier: demnächst will sie hier auch große Objekte wie ihre Stelen schaffen. Foto: La Palma 24

Ihr Atelier auf La Palma hat Sylvia Catharina Hess 2014 eingerichtet, obwohl sie und ihr Mann Harald schon wesentlich länger auf der Insel teilzeitleben. Sylvia erklärt den Grund:

Stele von Sylvia: Malerei auf Holz oder anderen Materialien.

Stelen von Sylvia: Malerei auf Holz oder anderen Materialien.

Harald liebt die Energie der Insel, und ich liebe das Licht. Es ist so unglaublich klar und inspirierend, und man kann phantastisch malen…

Das lässt auf viele neue Werke hoffen, liebe Sylvia – wir wünschen Dir weiterhin viel Inspiration und Erfolg!

Wer sich für die Werke von Sylvia Catharina Hess interessiert, setzt sich am besten per E-Mail mit der Künstlerin in Verbindung, da sie zwischen La Palma und Deutschland pendelt.

E-Mail: mail@art-hess.com

Hier geht es zur neuen Website von Sylvia Catharina Hess.

 

 

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