Tropenstürme auf den Kanaren: Meteorologen informieren

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Tropenstürme auf den Kanaren:  Meteorologen warnen vor Falschmeldungen –

Hurrikan Ophelia zieht an Kanaren vorbei

 

Fakenews beschwören Hurrikan-Gefahr:

Experten sprechen von Sensationshascherei

Anfang Oktober 2017 wirbelte eine Meldung durch Medien und soziale Netzwerke, laut der die Kanarenregierung die Befürchtung geäußert hätte, dass Tropenstürme wie der Hurrikan namens Delta im Jahr 2005 in diesem Herbst erneut über den Archipel fegen könnten. Die Asociación Canaria de Meteorología (ACANMET) weist darauf hin, dass dies eine „sensationshaschende Fakenews“ sei, die Jahr für Jahr um diese Zeit in „immer denselben“ Medien erscheine. Auch der Hurrikan Ophelia zieht nach Angaben der staatlichen Wetteragentur an den Kanaren vorbei.

 

Der Verlauf von Hurrikan Delta im Jahr 2005:

Der Verlauf von Hurrikan Delta im Jahr 2005, der auf den Kanaren schwere Verwüstungen anrichtete: Die ACANMET informiert, dass Tropenstürme dieser Art weder kurz, noch mittelfristig vorhergesagt werden können und weist Medienberichte dieser Art als “Sensationshascherei” zurück. Foto: Wikipedia

Die Falschmeldung besagte, dass die Kanarenregierung angeblich die Rathäuser aufgefordert hätte, die Barrancos auf ihren Gemeindegebieten säubern, Bäume im öffentlichen Bereich sowie Straßenlaternen und Verkehrsschilder auf Stabilität zu überprüfen und Regenwassersysteme verstärken. Anlass zu der Warnung gäbe der beträchtliche Anstieg der Wassertemperaturen im Atlantik im Sommer 2017 auf teils mehr als 26 Grad Celsius. Dies, so die Fakenews-Verbreiter, entspreche nicht den üblichen Durchschnittswerten und könne Wirbelstürme wie Delta verursachen, der im November 2005 auf den Kanarischen Inseln schwere Verwüstungen angerichtet sowie  Todesopfer und Verletzte gefordert hatte.

Die ACANMET berichtigt diese Fakenews: „Es gibt keine kurz- oder mittelfristigen Vorhersagen für Tropenstürme oder ähnliche Wettersysteme aufgrund meteorologischer Modelle. Auf sehr lange Sicht kann nur vorhergesagt werden, und selbst das ist niemals sicher, ob eine Jahreszeit mehr oder weniger regenreich, eher kalt oder eher warm ausfallen wird.“ Außerdem seien diese Art von Prognosen im Blick auf die Besonderheiten des kanarischen Klimas stets wenig zuverlässig.

Sturmschäden auf La Palma: Jedes Jahr gibt es starke Winde, die Verwüstungen anrichten. Fotos: Cabildo/Tazacorte

Nach Stürmen auf La Palma: Vor allem in den Bananenfincas und in der Landwirtschaft sind oft schlimme Schäden zu beklagen. Fotos: Cabildo/Tazacorte

Richtig, so die ACANMET weiter, sei, dass die tropischen Wettersysteme in den vergangenen Jahren deutlich näher an die Kanaren gerückt seien: „Allerdings lässt sich nicht sagen, ob das ein Trend, ein Zyklus oder ein vorübergehendes Phänomen ist.“ Grund: Diese meteorologischen Daten würden erst seit relativ kurzer Zeit erfasst, und die Studien ließen noch keine klaren Schlüsse zu.

Absolute Entwarnung kann allerdings auch die ACANMET nicht geben: „Wir wollen damit nicht ausschließen, dass uns in den nächsten Monaten oder Jahren ein Tropensturm trifft, aber es ist unmöglich ein solches Ereignis für diesen Herbst vorauszusagen. Wir bitten die Medien, keine Informationen weiterzugeben, die jeglicher wissenschaftlicher Exaktheit entbehren.“

Anmerkung der Redaktion: Der  Atlantik um die Kanaren kühlt im Herbst wieder ab – im Mittel liegen die Wassertemperaturen im Oktober bei 22 Grad und im November bei 21 Grad – es gibt also keinen Anlass zur Panik. Allerdings tun Grundstücksbesitzer auf allen Kanarischen Inseln immer gut daran, auf ihrem Gelände alles aufzuräumen, abzusägen und abzusichern, was potenziell umherfliegen könnte. Denn selbst “normale” Herbst- und Winterstürme, die nicht mit der Wirbel-Gewalt eines Delta-Hurrikans einhergehen, blasen alles durch die Gegend, was nicht niet- und nagelfest ist.

Wetter auf La Palma: Im Herbst und Winter windet und regnet es schon mal - aber schnell zeigt sich immer wieder die Sonne. Foto: La Palma 24

Wetter auf La Palma: Im Herbst und Winter windet und regnet es schon mal – aber schnell zeigt sich immer wieder die Sonne. Foto: La Palma 24

Als Hurrikan eingestuft werden tropische Wirbelstürme im Atlantik, in der Karibik sowie im Nord- und Südpazifik mit mehr als 118 Stundenkilometer starken Winden. Sie entstehen bei Meerwassertemperaturen zwischen 24 und 28 Grad Celsius: Das Wasser verdampft, die feuchtwarme Luft steigt auf und erzeugt einen Unterdruck. So bildet sich ein „Kamin“, durch den immer mehr Luft nach oben gesaugt wird. Die sogenannte Corioliskraft, die durch die Drehbewegung der Erde um ihre eigene Achse verursacht wird, bringt das System zum Routieren – der Hurrikan ist perfekt.

Last but not least: Heute morgen, Mittwoch, 11. Oktober 2017, hat die staatliche Wetteragentur AEMET auf ihrer Facebookseite mit den Gerüchten aufgeräumt, dass der Tropensturm Ophelia die Kanaren streifen könnte. Vorhergesagt wird, dass sein Verlauf im Norden von Madeira vorbeiführt und das spanische Festland und Galizien in abgeschwächter Form, allerdings mit starken Winden, erreichen wird.

Verlauf des Tropensturms Ophelia: zieht an den Kanaren vorbei. Grafiken: AEMET

Verlauf des Tropensturms Ophelia: zieht an den Kanaren vorbei. Grafiken: AEMET

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