Wale und Delfine: Nachrichten im Herbst 2017

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Wale und Delfine: Nachrichten im Herbst 2017

Von Gefahren in den Ozeanen

und Entwicklungen im Kampf gegen den Walfang

Die Wale ziehen wieder an La Palma vorbei – am vergangenen Wochenende wurden gleich fünf der Meeressäuger bei ihrer Wanderung im Westen der Insel gesichtet. Das ist jeden Herbst so und immer eine Freude für Touristen und Einheimische, vor allem wenn die Kolosse zum Greifen nah am Land entlangsschwimmen. Die Unterwasserwelten der Kanaren sind ein Wohn- und Durchzugsort der Cetaceen, und in unseren Wal- und Delfin-Infos berichten wir immer wieder darüber und blicken mit Hilfe der Infos der Whale and Dolphin Conservation (WDC) über den Tellerrand des Archipels hinaus.

 

In Seilen verhedderter Delfin:

In Seilen verhedderter Delfin: 640.000 Tonnen dieser Fallen schwimmen im Meer.

Gefährliche Netze. Laut UN-Angaben treiben mehr als 640.000 Tonnen Netze und Fischereigerät in den Ozeanen. Und sie werden immer wieder zur tödlichen Falle für Meeresbewohner wie Wale und Delfine – vor den Küsten von La Palma und den Kanaren verfangen sich sehr oft auch Wasserschildkröten darin. Laut Whale and Dolphin Conservation (WDC) kämpfen die verhedderten Tiere um ihr Leben, ersticken dabei jedoch fast immer oder verletzen sich schwer, wenn sie aus den Netzen und Leinen entkommen können.

 

Aktion „Weniger Plastik ist Meer“. Im Mai 2016 hat die WDC die Kampagne Weniger Plastik ist Meer gestartet, die bis heute andauert. Jede Minute landet eine Tonne nicht biologisch abbaubare Kunststoff-Abfälle in den Ozeanen dieser Welt. Jetzt hat Benjamin Sterzenbach zu diesem Thema ein Erklärungsvideo auf Youtube eingestellt. 

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Wale sind die Gärtner der Meere: Sie düngen pflanzliches Plankton, was wiederum Kohlendioxid aufnimmt und so dem Klimawandel entgegenwirkt. Grafik: WDC

Wale sind die Gärtner der Meere. Forschungsergebnisse der letzten Jahre belegen die Bedeutung einer Erholung der Walpopulationen sowohl für gesunde Ozeane als auch im Kampf gegen den Klimawandel. Die Wale fungieren als „Gärtner der Meere“, indem sie pflanzliches Plankton düngen. Dieses wiederum produziert über die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre und nimmt dabei große Mengen Kohlendioxid auf (siehe Plakat rechts). „Wir brauchen die Wale mehr als sie uns brauchen. Es ist höchste Zeit für die Menschheit, dies zu erkennen“, sagt Regina Asmutis-Silvia, leitende Biologin bei WDC. „Die Erholung der Bestände und der Schutz der Wale sollten für uns alle Priorität haben.“

 

Walfleisch-Handel in Norwegen: Foto: Ingrid Visser/WDC

Walfleisch-Handel in Norwegen: Dieses Land ist heute laut WDC die größte Walfangnation – kurioserweise essen die Menschen in Norwegen kaum Walfleisch, und so wird versucht, es nach Japan zu exportieren. Foto: Ingrid Visser/WDC

Walfleisch, nein danke! Seit Jahren kämpfen Nichtregierungsorganisationen wie WDC um ein Verbot des Walfleisch-Transits durch EU-Häfen. Ein erster Erfolg war laut WDC, dass am 12. September 2017 eine Mehrheit im Europaparlament eine Resolution zur Unterbindung verabschiedete. Denn trotz strenger EU-Gesetze, die das Töten von Walen sowie den Handel und die Einfuhr von Walfleisch oder Walprodukten verbieten, dürfen damit beladene Schiffe in den Häfen anlegen. „Isländische und norwegische Walfänger haben in der Vergangenheit ihre Walprodukte durch Häfen wie Southampton, Rotterdam und Hamburg verschifft“, so WDC-Kampagnenleiterin Astrid Fuchs. „Wir freuen uns sehr über das Ergebnis der Abstimmung, denn die Resolution gibt der EU-Kommission ein klares Mandat, die Transiterlaubnis und somit die indirekte Unterstützung von Norwegens Walfangaktivitäten zu beenden.“ Die Resolution fordert Norwegen außerdem auf, alle kommerziellen Walfangtätigkeiten einzustellen und das internationale Verbot des Handels anzuerkennen.

Norwegen ist größte Walfangnation der Welt. „Norwegische Walfänger jagen Zwergwale unter einem Einspruch gegen das weltweit geltende Walfangmoratorium. In den letzten zehn Jahren wurden vor Norwegen pro Jahr zwischen 464 und 736 Wale harpuniert. Das Land ist inzwischen die weltweit größte Walfangnation, vor Island und Japan.“ Diese Fakten legt WDC vor und erklärt weiter, dass der Bedarf paradoxerweise gar nicht in großem Maße vorhanden sei: „Truls Soløy, Vorsitzender der norwegischen Walfängerunion, räumt allerdings ein, dass  die Menschen in Norwegen kaum Wal essen würden, es gebe zu wenig Interesse auf der Käuferseite.“ Trotz staatlicher Subventionen und Marketingkampagnen sei die Nachfrage nach Walfleisch stark rückläufig, vor allem junge Norweger betrachteten das Fleisch als altmodisch, und die verstärkten Bemühungen, das Walfleisch nach Japan zu exportieren, seien „mäßig erfolgreich“. Dennoch habe sich Norwegen Anfang dieses Jahres die Quote erneut weiter erhöht.

 

Blauwale... Foto: Alison Smith/WDC

Blauwale: erholen sich nur schleppend von den Auswirkungen der Jagd. Foto: Alison Smith/WDC

Alarmierende Zahlen zum Walfang. Laut einer aktuellen wissenschaftlichen Studie werden sich die Bestände von Glatt-, Blau- und Finnwalen in der Südhemisphäre bis zum Jahr 2100 höchstens auf die Hälfte der Ausgangsbestände in Zeiten vor dem industriellen Walfang erholen. Die internationale Walschutzorganisation WDC bezeichnet die Ergebnisse als alarmierend. Für die Studie, geleitet von Viv Tulloch, Doktorandin an der Universität Queensland, wurden Datensätze der Internationalen Walfang Kommission (IWC) aus den letzten 122 Jahren analysiert. Grund für die schleppende Erholung sind unter anderem die fatalen Auswirkungen der Waljagd besonders im 20. Jahrhundert. Des Weiteren betonen die Forscher, dass schon die Jagd auf einige hundert Tiere pro Jahr eine Art bedroht, wenn diese über mehrere Jahre hinweg andauert. „Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass eine nachhaltige Waljagd nicht möglich ist, und der kommerzielle Walfang ein für alle Mal gestoppt werden muss“, so WDC-Walfangexpertin Astrid Fuchs.

 

Heißbegehrt und sehr teuer gehandelt:

Heißbegehrt, weil für viel Geld gehandelt: Ambra, die Ausscheidungen des Pottwals. Foto: Ecomare/Wikipedia

Was macht der Wal im Globuli? Seit Jahrhunderten wird Ambra – eine extrem seltene Ausscheidung aus dem Pottwaldarm – zur Herstellung von Parfüms eingesetzt. Verhältnismäßig neu ist im Gegensatz dazu der Einsatz in der Homöopathie. Die Ambra-Globuli sollen gegen Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und eine Reihe anderer Beschwerden helfen. Wissenschaftliche Belege hierfür gibt es laut WDC allerdings nicht. Auch wenn Ambra heutzutage normalerweise nicht mehr aus dem Walfang stammt, sieht die Wal- und Delfinschutzorganisation die Verwendung kritisch: „Der Handel mit Walfleisch oder Nebenprodukten trägt dazu bei, die Sicht auf den Wal als Konsumgut weiterhin aufrecht zu erhalten“, so Astrid Fuchs, Walfangexpertin bei WDC. Sie berichtet, dass das kostbare Gut für viel Geld gehandelt wird und spezielle Ambra-Händler in Frankreich zehntausende Euro pro Kilo für die stark duftende Walausscheidung zahlen. „In EU-Ländern, einschließlich Deutschland, ist es derzeit völlig legal, einen am Strand entdeckten Ambra-Klumpen zu verkaufen“, kommt die Fachfrau auf den Kern des Problems zu sprechen. „Eigentlich sind alle Wal- und Delfinarten nach EU-Recht streng geschützt, und der internationale Handel mit Walprodukten ist verboten – allerdings wird Ambra anders behandelt, da das Washingtoner Artenschutzabkommen es als Ausscheidung und daher als Nebenprodukt einstuft, welches nicht unter die Handelsbeschränkungen fällt.“ Die EU unterstützt diese Definition – andere Länder, beispielsweise Australien, vertreten einen anderen Standpunkt und verbieten die Ein- und Ausfuhr von Ambra zum Schutz der Wale.

 

Schweinswald

Schweinswalstrandungen im Jahr 2016: erschreckende Zunahme. Grafik: ITWS

Deutschlands einziger heimischer Wal in Gefahr. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC ist „bestürzt“ über aktuelle Forschungsergebnisse zu Schweinswal-Strandungen im Jahr 2016. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITWS) untersuchte 318 Schweinswal-Totfunde aus Schleswig-Holstein und kam zu erschreckenden Ergebnissen. Viele Tiere starben als Beifang in Fischernetzen, darauf weisen Netzmarken bei den untersuchten Schweinswalen hin. Der Tod durch Beifang ist noch immer eine der größten Gefahren für Deutschlands einzigen heimischen Wal. Ost- und Nordsee sind für ihn keine sicheren Lebensräume – doch die Bundesregierung setzt noch immer keine effektiven Schutzmechanismen ein.

Fabian Ritter: Der Meeresbiologe aus Berlin ist einer der engagiertesten Cetaceen-Forscher und -schützer.

Fabian Ritter: Der Meeresbiologe aus Berlin ist einer der weltweit engagiertesten Schützer und Forscher in Sachen Cetaceen.

„Wir wissen heute, dass der Beifang von nur einem Tier pro Jahr in der zentralen Ostsee für die dortige kleine Population zu viel ist. Außerdem darf ‚Nachhaltigkeit’ nicht als eine Beifangquote gemessen werden, die eine Population ‚aushält’. Bei langlebigen und fühlenden Säugetieren wie Walen geht es stets um jedes Individuum“, so der Meeresbiologe Fabian Ritter. Die vielen Gefahren wirken ihmzufolge vereint auf die Schweinswale ein, kumulative Auswirkungen müssten in Betracht bezogen werden. Speziell in Schutzgebieten – wie zum Beispiel dem vor Sylt – sollten menschliche Aktivitäten reguliert werden, wobei Ritter strengere Kontrollen von Fischerei, dem Vekehr von Booten, Schiffen oder Unterwasserlärm erzeugenden Sportgeräten fordert.

Fabian Ritter ist neben seiner Mitarbeit bei WDC auch Mitglied in der Internationalen Walschutzkonferenz und einer der führenden Experten für Cetaceen auf den Kanarischen Inseln; seit 1995 erforscht und dokumentiert sein Verein M.E.E.R. ortsansässige und durchwandernde Meeressäuger und hat mit seinem Projekt zur sanften Wal- und Delfinbeobachtung auf La Gomera internationale Anerkennung erhalten. Darüber hinaus gab er das erste Buch zur Bestimmung von Walen und Delfinen auf den Kanaren heraus – wir haben ihn dazu interviewt, hier klicken.

 

Wussten Sie,

In den Meereswelten der Kanaren haben viele Meeressäuger ihren “festen Wohnsitz”: Fabian Ritter hat dazu ein Buch herausgegeben.

Hier noch ein paar interessante Links für alle, die ein Herz für die „Menschen des Meeres“ haben:

Die Website der Whale and Dolphin Conservation (WDC) erzählt viele Geschichten über Flipper und Willy und von Einsätzen, um sie zu schützen…

Blog von zwei Weltreisenden in Sachen Wale.

Die Website canariasconservacion.org widmet ein Kapitel den Walen und Delfinen auf den Kanarischen Inseln – allerdings nur auf Spanisch.

 

Auf La Palma hat man die Chance, bei der Fahrt mit Ausflugsbooten auch Wale und Delfine zu sehen, mehr darüber auf diesen Internetseiten:

Whale und Dolphin-Watching auf La Palma auf der Bussard, Inia oder Flipper. 

Wal- und Delfinsichtungen auf La Palma mit der Fancy II.

Wale und Delfine: Wer die Meeressäuger auch in Zukunft beobachten will, muss sich schon heute um ihren Schutz Gedanken machen. Foto: Airoldi/WDC

Flipper und Willy toll zu finden, reicht nicht aus: Die “Menschen des Meeres” sind in Gefahr und brauchen Schutz. Foto: Airoldi/WDC

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