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Ernst Ferstl

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Geschichte von Lilly – Heiligabend auf La Palma – Teil Drei

23. Dezember 2019 Gastbeitrag 6 Kommentare / Jetzt kommentieren!

© La Palma 24

Mittlerweile, gefühlt 45 Minuten unterwegs, lande ich buchstäblich orientierungslos in einer kleinen Seitenstraße. Überlege kurz, ob ich mich mit der weißen Hose auf den staubigen Bürgersteig setze, um mir einige Minuten leid zu tun.

Ein Brot essen und Wasser wäre toll, egal wie mein Hinterteil gleich aussieht. Irgendwie sehen die farbigen Häuser aus, wie Marie es beschrieben hat, kleine aneinander gebaute, flache bunte Häuser. Es kann nicht mehr weit sein.

© Mark Kreuzinger

Völlig aus der Puste, mit leichtem Sonnenbrand, stehe ich vor einem Haus mit blauer Tür. Eine Oma mit grauem Haar sitzt auf der Veranda in ihrem Stuhl, als hätte man sie vor Jahren beim Auszug vergessen.

Neben ihr eine kleine Katze die sich in der Sonne streckt. Auf meine Frage ob sie mir sagen kann wo ich Nr. 10 finde reagiert sie nicht, dann mein Zettel mit der Adresse. Eine sehr bizarre Situation, die Straßen in der Mittagssonne leer gefegt und der einzige Mensch den ich treffe schüttelt beim Anblick meiner 10 auf dem Zettel immer verneinend den Kopf.

Gut, offensichtlich ist dies nicht mein Tag, mir ist gerade alles total egal. Bin müde und habe die Faxen dicke. Ok, dann geh ich wieder den Berg hoch und lege im nächst Café eine - Kalorien Flatrate - ein, ist mir jetzt egal. 5 Schritte weiter, stehe ich vor… Hausnummer 10, Angekommen!

Drinnen werde ich dann umgehend gefragt wieso es so lange gedauert hat, es sei schon 13.00. … Kannst du mir erklären warum du mich diesen Umweg machen lässt? Gibt es nicht einen viel kürzeren Weg, hinter der Plaza runter? Sie… Also, ich wohne schon so viele Jahre hier, das ist die kürzeste Strecke. Etwas genervt holt sie einen Ordner aus dem Schrank mit dick La Palma drauf. Das wollen wir mal sehen, ich habe einen Stadtplan. Lilly du irrst!

Wir falten den Plan auseinander und ich zeige ihr meinen Verdacht. Sie ….ist ja irre, wirklich! Da steht sie, völlig perplex.

Macht ja nix, gibt Schlimmeres, sag ich. Erst mal umarmen und ankommen, meinen Wein auspacken und ein Königreich für einen Stuhl im Schatten. Marie, mit langem wallendem Blumen Kleid, steht barfuß vor mir. Platin Blondes Haar mit leichtem Rose Touch. Als sei J. Hendrix gerade erst gegangen. Eine coole Sonnenbrille und ein Lächeln im Gesicht, steht sie mit dem Flaschenöffner in der Tür. Schaue mich in ihrem kleinen Haus etwas um, ein buntes Durcheinander aus Gestern und Heute.

© La Palma 24

Wie das Leben eben manchmal läuft. So bunt, wie die Blumen auf den Kissen im Stuhl, die der Sonne nicht mehr widerstehen konnten, aber noch immer ihre ursprüngliche Schönheit vermitteln. Marie ich bin so froh hier zu sein! Ein Hoch auf die 68 er! Wir lachen.

Am späten Nachmittag machen wir uns dann mit dem Bus auf den Weg in Richtung Tazacorte Beach, Freunde treffen und lecker essen. Diese herrliche Bucht mit dem breiten schwarzem Strand, umgeben von ins Meer ragende Steinmauern wie ein Hufeisen, bietet einen beeindruckenden, malerischen Anblick.

© Mark Kreuzinger

Dies ist mein Ort. In der Ferne das etwas wild tosende Meer, was sich an den Mauern bricht und eine hohe graue Wand aus winzigen Teilchen Wasser bildet, wie Nebel, durch Sonnenstrahlen leicht durchbrochen. Ein Stück weiter blitzt ein winziges Stück Stoff in pur Rot aus dem dunklen Lavagestein.

Wenn ich genau hinsehe, ist es ein kugelrunder gebräunter Mann, der sich mit einem kleinen gelben Schüppchen eine Mulde baut, um sich vor dem Wind zu schützen.

Weiter Rechts kommt eine Dame aus dem um diese Jahreszeit schon kühlem Wasser. Wir schauen bewundernd, wie sie mit ihrem vor Kälte rotem Körper aus dem Wasser steigt. Ihr Begleiter steht am Wasser und reicht ihr gelassen ein Handtuch. Warm eingepackt, mit Zigarette schief im Mund, zeigt er keinerlei Ambition es ihr gleich zu tun.

Hinter uns die bunten Häuser, Cafés und Restaurants, daneben steil hoch die begrünten Berge mit den alten Höhlen. Wenn ich wieder meditiere, wird dies mein Rückzugsort, zweifellos. Mein Blick gleitet noch einmal über die Bucht um den Anblick nicht zu vergessen, den Wind, die untergehende Sonne, das Wilde Meer und die Ruhe die alles trotzdem ausstrahlt. Schuhe aus, komme was wolle, ich muss ins Wasser, was mir unverzüglich bis zum Knie reicht. Die feinen Steinchen unter mir, spülen mich mit jeder Welle alles tiefer. Schnell raus hier. Es wird Zeit etwas essen zu gehen.

Marie ist noch mit Freunden in einem Fischlokal mit Blick auf den Strand verabredet. Egon etwa 45 und Wilhelm um die 70. Mit Erstaunen höre ich, dass Zugereiste offenbar gerne Verflossene mal einladen um sie zu reaktivieren, mal Probelauf, was so aktuell noch möglich ist .

Es geschieht sicher in guter Absicht . Dieses bunte Völkchen von äußerst netten Einzelgängern auf la Palma tickt einfach anders, dass habe ich bereits vernommen. Stress ist da Teufelswerk und völlig unerwünscht.

© Mark Kreuzinger

Egon, um die 45, erzählte mit gesenktem Kopf, dass er sich wohl in seiner alten Jugendliebe geirrt hat. Er habe sie gerade, nach einer Woche, zum Flieger gebracht. Man stelle sich vor, erzählte er… Noch nicht mal eine Jacke hatte sie abends am Strand dabei, klar, natürlich gefroren! Also wenn jemand auf La Palma nicht bis 3 zählen kann, keine Jacke einpackt, was kann man da erwarten?

Alle am Tisch nicken stumm zustimmend. Einige meinen, die ist für La Palma überhaupt nicht geeignet, das hast du genau richtig entschieden Egon. Ist das ein Witz und gleich lachen alle ? .. Irrtum! Eises – stille. Was ist denn mit der davor fragt jetzt Marie. Also… die hat meinen ganzen Vorrat an Wein verbraucht. Passte auch nicht so richtig, ist abgereist. Marie und Wilhelm schauen bekümmert. Sollten sie zufällig eine dieser Damen sein, machen sie sich keine unnötigen Gedanken, sie haben alles richtig gemacht. Die müssen sie nehmen wie sie sind. Nur Mut!

© Mark Kreuzinger

Nach einem wundervollen Essen stehen wir draußen und schauen noch einmal aufs Meer. Gibt es gerade einen schöneren Ort? Nein !

Bevor wir uns trennen, verabreden wir uns morgen am Heiligabend bei Wilhelm, der ein super schnelles Huhn zubereiten will. Ok sag ich, dann backe ich einen Kuchen zum Abschied. Übermorgen fliege ich. Bitte, Abschied kurz vorm Flug ist nicht mein Ding, besser wir verabschieden uns am Abend bei Wilhelm.

Als ich wieder in der Wohnung ankomme, ist es bereits dunkel, schnell noch Rückmeldung in meine Heimat und dann schlafen. Heiligabend……. mein letzter Tag auf La Palma, morgen fliege ich zurück in meine Heimat.

Wie immer kaufe ich im Trocadero ein. Vorbei an den netten Angestellten, die mich immer schon freundlich grüßen wenn wir uns sehen. Dann der Morgenkaffee im Eden oder im Don Manuel. Wie werde ich euch vermissen! Diese schöne Morgensonne und all die freundlichen Menschen.

.Marie ruft an, sie fragt, ob sie mich um 15.00 abholen soll. Sehr gerne, will noch vorher meine Tarte mit Pflaumen, zubereiten. Natürlich mit viel Sahne. Koffer schon mal vorpacken und die Wohnung putzen. Es klingelt, vor mir stehen Sybille und Marie, total schick. Schnell noch schauen ob alles aus ist. Tasche, Kuchen, Wein… Los geht es.

Wir fahren in die Berge, zu Wilhelm, Egon ist vermutlich schon da. Wilhelm 70, lebt noch/wieder/etwas/zwischendurch… meistens denke ich, alleine. Ich hatte ihn kurz beim Essen am Strand von Tazacorte kennengelernt.

Auf La Palma, so war mein Eindruck, leben viele Einzelgänger. Vermutlich auch Restbestände aus Partnerschaften, die das Weite suchten. Sein Haus ist mit Blumen geschmückt und duftet nach Kaffee.

Wir beginnen den Heiligabend mit einer Kuchenschlacht und viel Sahne. Gefolgt von Wein, mit lauten Diskussionen, bis es schon dunkelt.

© La Palma 24

Allgemein herrscht muntere Stimmung. Marie möchte noch Freunde besuchen und ist bereits etwas nervös. Wir fragen Wilhelm vorsichtig, was ist mit dem -Flattermann-, den du für uns kochen wolltest? Hat der sich aus dem Staub gemacht?… Wilhelm steht auf, das Huhn müsse auch bald so weit sein meint er. Erst mal probieren. Da fehle doch noch etwas…….

Mit dem Rücken zu uns steht er vorm Herd und rührt und rührt und rührt. Dann holt er sich erst mal in Seelenruhe eine Rotweinflasche und sein Glas. Da steht er nun, es folgt ….1 sehr großer Schuss Rotwein in den Topf…

Offensichtlich bemerkt er gerade, sein Glas ist leer. Geht natürlich überhaupt nicht, also erst mal füllen. Wir schauen uns schon abwechselnd fragend an… Was macht der da nur ? Wilhelm, macht offensichtlich nur noch was er will, festliche Kleidung am heutigen Tag, gehörte eindeutig auch nicht dazu.

Wir hängen schon leicht müde auf unseren Stühlen. Alle sind sich einig, Wilhelm, das Huhn ist nun endlich fertig! Die vollen Teller mit einem wirklich leckeren Inhalt und frisches Brot kommen auf den Tisch. Es ist spät, Marie möchte nicht drängen, sie ist noch verabredet, schnell ein Geschenk beim Nachbarn abgeben. Wir brechen auf.

© Mark Kreuzinger

Der Abschied und die Frage, wann fliegst du morgen? Gegen 17.00. Vorher noch packen und Blumen für meine Gastgeber besorgen, es wird zeitlich eng. Besser schnell noch einmal umarmen, wer kann schon sagen, wann wir uns wieder sehen. Ein schöner Abend.

Am Morgen bin ich gedanklich schon fast wieder in Düsseldorf. Mit meinem kleinen Koffer gehe ich in Richtung Taxen. Schnell noch einen Kaffee vorm Eden. Wieder werde ich von der netten Bedienung mit dem bunten Tuch in den blonden Haaren bedient.

Als ich zahle, bedanke ich mich für den freundlichen guten Service. Sie sieht mich erstaunt an und fragt mit Blick auf den Koffer, wann ich zurück komme. Also, ganz ehrlich, dass ist momentan ganz offen. Offensichtlich sieht sie gerade wie ich mich fühle. Sie nimmt meine Hand ….. Natürlich kommst du zurück! Du gehörst hier hin. Versprich es!

Mein Taxi wartet. Auf dem Weg zum Flughafen denke ich…was für ein schöner Aufenthalt. Mein Blick streift Obstbäume und Bananenplantagen, schmale Wegen, die zu höher gelegenen Grundstücken führen, den Obstgärten mit Avocado Zitronen Apfelsinen und vielem mehr. Wie schade, dass ich nicht mehr Spanier kennen lernte.

Mit einem Spanier unter einem alten Baum auf einem Holzstuhl im Abendlicht, das wäre es gewesen! Dann hätte ich ihn gefragt, was ihm im Leben wichtig ist. Wofür er sich begeistert und was ihn ängstigt. Was seinem Leben Sinn gibt und es für ihn konkret bedeutet in der EU zu sein. Was er sich für seine Familie wünscht. Ich hätte im Stärke gewünscht, damit er Spekulanten widersteht um seinen Kindern die Heimat zu erhalten, damit La Palma bleibt was es ist.

Das Taxi hält, ich bin bereits eingecheckt und kann direkt durchgehen. Im Flieger sitze ich neben einer Dame aus Düsseldorf, die, wie sie mir erzählt, auf La Palma lebt. Wo haben sie gewohnt?. Ach, sagt sie, los Llanos kenne ich. Wissen sie, sage ich….

Bei leichtem Wind, ging ich morgens, durch eine Gasse, vorbei an einer hohen weißen Mauer, dort roch es dann nach wildem Jasmin, den ich mal im Garten hatte. Vermutlich nur Einbildung. Nein sagt sie, dort steht wirklich wilder Jasmin.

© Mark Kreuzinger

Dann nennt sie mir genau die Straße und erzählt von der älteren Dame, mit ihrem herrlichen Garten und ihren leckeren Backwaren. Wenn sie wieder auf der Insel sind, rufen sie mich bitte an, dann besuchen sie mich. Mach ich gerne.

Mein Blick geht durchs Fenster. Hinter uns sehe ich einen Abendhimmel, purpur Rot. Welch ein Anblick! Gleich wird es dunkel, über Paris werden wir die Lichter der Stadt sehen. Meine Gedanken sind noch bei allen, die meinen Aufenthalt so unvergesslich machten, Marie, Hilde, Sybille, Wilhelm, Egon und Justus. Nicht zu vergessen, die Menschen im Service, die mir immer und überall so freundlich und aufmerksam begegneten. Danke!

Hier endet meine kleine Reisegeschichte, mit der Bitte, schaut sie euch genau an, dieses Juwel auf dem 27/29 Breitengrad im Atlantik, mit der bunten Mischung der etwas eigenwilligen, aber überaus liebenswerten zugereisten Bewohner und den Palermos, die für immer in meinem Herz sind, mit ihrem Stolz, der Gastfreundschaft und ihrer Lebensfreude. Eure Lilly PS: Wer mein Rezept für die Pflaumen-Tarte möchte, die Redaktion leitet sicher die Mail weiter.

Zum ersten Teil von Lilly's Weihnachtsgeschichte geht es hier, den zweiten Teil können Sie hier lesen.

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6 Antworten zu “Geschichte von Lilly – Heiligabend auf La Palma – Teil Drei”

  1. micha sagt:

    was für ein rühriges Geschichtlein – braucht aber niemand, oder?…

  2. Horst Müller sagt:

    Sehr gute Kommentare , ich bin ab morgen für 3 Wochen auf La Palma , da wir schon seit 25 Jahren ein Haus dort haben.

  3. Sabine sagt:

    Schöne Erzählungen.
    Hätte gerne das Rezept von der Pflaumen Tarte . Danke

  4. Sabine sagt:

    Wunderschöne Geschichte, die Wehmut weckt nach der schönsten Insel, die ich kenne.
    Danke.
    @micha: Was braucht niemand?

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