Facundo Cabrera-Fotos: Blick in den Mikrokosmos

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Hobbyfotograf Facundo Cabrera aus La Palma enthüllt ganz neue Welten

Der Mann mit Faible fürs Klitzekleine

Facundo Cabrera an seiner "Caja de Luz": Bilder von millimeterkleinen Objekten. Foto: La Palma 24

Facundo Cabrera an seiner “Caja de Luz”, die einen großen Teil seines Wohnzimmers einnimmt: Hier entstehen großartige Bilder von millimeterkleinen Objekten. Foto: La Palma 24

Facundo Cabrera geht den Dingen auf den Grund: Seine Fotos sind eine Reise voller Überraschungen in Welten, die dem Auge ansonsten verborgen bleiben. Über die Kunst, das Unsichtbare sichtbar zu machen, haben wir mit dem „Micro-Man“ gesprochen.

 

Der Salon von Facundo Cabrera in seinem Haus in Breña Alta ist äußerst spartanisch eingerichtet: Nur ein Sofa und ein Tisch bilden den wohnlichen Bereich, es gibt noch nicht mal einen Fernseher. Dominiert wird das Zimmer von einer gigantischen Apparatur, mit der Facundo Cabrera den Mikrokosmos ins Bild bannt:

Der Pfeil zeigt auf den kleinen Pflanzensamen: Facundo Cabrera bringt den Winzling mit seiner Technik ganz groß heraus. Foto: La Palma 24

Der Pfeil zeigt auf einen Pflanzensamen: Facundo Cabrera bringt den Winzling mit seiner Technik ganz groß heraus. Wenn man aufs Bild klickt, sieht man es besser. Foto: La Palma 24

Ich bin ein aktiver Mensch und will meine Zeit nicht vorm Fernseher verschwenden. Wenn ich nach meiner Arbeit als technischer Agraringenieur nach Hause komme, widme ich mich ganz meinem Hobby, der Fotografie. Wenn das Wetter schön ist, mache ich mich auf den Weg in alle Himmelsrichtungen der Insel, um schöne Motive von La Palma zu suchen. Einen Großteil meiner Arbeit wende ich jedoch für die Aufnahmen im Mikrobereich auf, denn vor allem die Lichtaussteuerung braucht sehr viel Zeit. Denn ohne Licht gibt es keine Fotografie!

Der 60jährige ist Autodidakt und hat erst vor knapp sechs Jahren begonnen, mit der Kamera zu arbeiten. Anfangs lichtete er Landschaften, Sonnenuntergänge und Tiere ab, aber dann rückte er seinen Fokus immer mehr auf die Details von Flora und Fauna. Schließlich gipfelte die Leidenschaft fürs Klitzekleine im Atlas Digital de Semillas de Canarias. Facundo Cabrera berichtet, wie die Idee für diese inzwischen im Internet eingestellte Bilderdatenbank für Pflanzensamen entstand, die für jedermann kostenlos nutzbar ist:

Pflanzensamen aus der Datenbank: ein echter Hingucker. Fotos: Facundo Cabrera

Pflanzensamen aus dem Atlas Digital de Semillas de Canarias: wahre Schönheiten! Fotos: Facundo Cabrera

Ein Freund von mir, Jaime Gil, ist Botaniker, und ein anderer Freund, Daniel Martín, ist Internet-Experte – und ich fotografiere. So beschlossen wir irgendwann, die einzigartigen Samen der Pflanzenwelt von den Kanaren, Madeira und den Azoren digital zu erfassen und ins Internet zu stellen. Das Cabildo von La Palma hat uns dabei unterstützt, denn auch das inseleigene Centro de Agrodiversidad will die einzigartige Flora der Kanaren aufzeigen und schützen. So gingen 2016 die ersten 100 Beschreibungen online.

Jedes der 100 Blätter zeigt hochwertige Mikroaufnahmen von Samen sowie ein Foto samt Beschreibung der Pflanze auf spanisch und englisch – eine ähnliche Datenbank gibt es übrigens nur noch einmal in Europa, erstellt von der Universität Groningen in Holland. Die Arbeit, die dahintersteckt, ist immens, erzählt Facundo Cabrera:

Pro Blatt musste ich drei Aufnahmen der Samen von verschiedenen Seiten abliefern. Dazu sind jeweils vier bis fünf Stunden Arbeit nötig, denn man kann und darf die millimetergroßen Semillas ja nicht mit der Hand anfassen. Um sie in die korrekte Position zu bringen, muss man die Vorrichtungen der Appartur betätigen, alles geht automatisch. Ich musste sehr vorsichtig sein, schließlich sind einige der Samen einzigartig und jahrhundertealt. Naturkundemuseen von den Kanaren, aber auch aus Deutschland, Österreich und Italien haben sie aus getrockneten Pflanzen in ihren Archiven entnommen und uns zur Verfügung gestellt.

Wassertropfen in Metall mit Hintergrund: Auch solche dekorative Motive fotografiert Facundo Cabrera in seiner Caja de Luz.

Wassertropfen in Metallschienen mit buntem Hintergrund: Auch solche dekorative Motive kann Facundo Cabrera mit Hilfe seiner Caja de Luz ins Bild bannen.

Caja de Luz – Lichtkiste – nennt Facundo Cabrera seine Apparatur. Zwei Jahre lang hat er getüftelt und gebaut, bis die Mikroaufnahmen in der für die Samendatenbank nötigen Qualität möglich waren – nur minimale Nachbearbeitungen am Computer sind anschließend noch erforderlich. Außerdem hat ihn der Spaß rund 10.000 Euro gekostet. Aber Facundo schmunzelt nur und sagt:

Ein schönes Resultat ist mir das wert, denn wenn Du eine schlechte Traube hast, kannst Du keinen guten Wein machen. Und es gibt ja noch tausende von Samen in Makronesien, mit denen wir die Datenbank ergänzen wollen. Außerdem experimentiere ich mit der Caja de Luz zum Beispiel mit Wassertropfen und Hintergründen, wobei tolle Effekte entstehen. Und natürlich benutze ich sie, um Piroclastos zu fotografieren.

Lava vom neuen submarinen Vulkan vor El Hierro (oben) und Lava von La Palma im Mikrobereich von Facundo Cabrera fotografiert: Einblicke in neue Welten...

Lava vom jungen, submarinen Vulkan vor El Hierro (oben) und Lava von La Palma (Bild unten) von Facundo Cabrera fotografiert: faszinierende Mikrowelten…

Wenn Facundo von Piroclastos spricht, meint er kleine Lavastücke. Von den Teilchen der Feuerspucker auf La Palma hat er natürlich eine ganze Sammlung, aber auch vom 2011 im Meer vor El Hierro ausgebrochenen Vulkan besitzt er Proben. Und wenn er seine Caja de Luz-Kamera auf nur einen kleinen Winkel der Lavapartikel richtet, werden Miniaturwelten sichtbar, die an Science Fiction-Filmkulissen erinnern. Selbst versierte Wissenschaftler sind vom Blick in den Mikrokosmos der einstigen pyroklastischen Ströme tief beeindruckt, weiß Facundo:

Bei meinen Ausstellungen traf ich die renommierten Vulkanologen und Geologen Juan Carlos Carracedo und Robert Tilling. Sie sagten, sie hätten solche Fotos noch nie gesehen. Denn meine Bilder sind farbig mit 3-D-Effekt, und die Aufnahmen der Rasterelektronenmikroskope an den Universitäten sind eindimensional und schwarz-weiß. Offensichtlich fehlen Wissenschaftler, die meine Leidenschaft fürs Fotografieren teilen…

Schade eigentlich. Schließlich hält diese mit viel Wandern verbundene Passion auch noch jung. Facundo Cabrera ist der Beweis: Bei seinen Fotosafaries hat der 60jährige Kamera-Artist immer eine Lanze dabei, um flott durchs oft unwegsame Gelände auf La Palma zu springen. Den Salto del Pastor hat er übrigens – wie das Fotografieren – ebenfalls erst vor etwas mehr als fünf Jahren gelernt. Hut ab! Immer wieder neue Bilder von Facundo Cabrera sind auf seiner Facebook-Seite zu sehen.

 

Hier noch ein paar außergewöhnliche Facundo Cabrera-Fotos von La Palma

Wir bitten, das Copyright zu beachten- wer auf die Bilder klickt, kann sie im Großformat sehen.

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Hätten Sie erraten, was das ist? Wir verraten es: Der Harztropfen einer Kanarenkiefer. In schwierigen Landstrichen versteckte Motive erreicht Facundo Cabrera oft mit Hilfe seiner Lanzen – er hat eine große und eine kleine.
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Bei schönem Wetter ist Facundo Cabrera fast immer mit der Kamera unterwegs: Und so gelingen ihm Aufnahmen wie diese vom GTC auf dem Roque de los Muchachos mit Sonnenuntergang überm Wolkenmeer. Noch mal ein Mar de Nubes: Erkennen Sie, dass Facundo Cabrera hier die Cascada, also den berühmten Wolkenfasserfall über der Cumbre von La Palma, zur Abwechslung mal von oben fotografiert hat?
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Auf die Plätze, fertig los: Facundo Cabrera erwischte eine Graja, den Symbolvogel von La Palma, kurz vorm Start. Naturliebhaber Facundo Cabrera hat auch schon viele sensationelle Bilder von Bienen geschossen: Und natürlich ging er mal wieder ganz nah ran.
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Die Piratenbucht in Tijarafe: Facundo Cabrera hat sie mal aus einer anderen Perspektive bei Nacht fotografiert. Der Leuchtturm im Süden vo La Palma mit Blick auf die Milchstraße am Nachthimmel: Der weiße Streifen unten entstand bei dieser Langzeitbelichtung durch einen Spaziergänger mit Taschenlampe.
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Sonnenuntergang am Strand: Auch Motive dieser Art gehören zum Repertoire von Facundo Cabrera. Blick von La Palma nach Teneriffa: Manchmal erscheint der Teide zum Greifen nah, aber nur selten gelingt ein Foto mit Yacht im Vordergrund.
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Noch ein Bild mit Schnee: Diesmal hat Facundo Cabrera den Gipfel des Roque de los Muchachos mit weißem Häubchen abgelichtet. Wasser in der Caldera de Taburiente: Facundo Cabrera fotografiert es gern mal im tröpfelnden Detail.
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Das La Palma 24-Journal dankt Facundo Cabrera für die Fotos, die er uns für diese Reportage zur Verfügung gestellt hat!  

Kontaktdaten von Facundo Cabrera: Telefon 609.163.161. E-Mail: gamacabrera@gmail.com

 

 

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