
Foto: Michael Nguyen
Wie würde die Küste zwischen Puerto Naos und Charco Verde aussehen, wenn dort eines Tages bis zu 2.100 touristische Betten, neue Straßen, Parkflächen und weitere Infrastruktur entstehen?
Genau um diese Frage geht es bei den derzeit öffentlich ausliegenden Planungen für den Küstenbereich des Aridanetals. Am 14. August haben wir bereits über das sogenannte Instrumento de Planificación Singular Turística (IPST) berichtet. Damals stand vor allem die öffentliche Beteiligung im Mittelpunkt.
Inzwischen lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was tatsächlich vorgesehen ist. Denn die Unterlagen zeigen, dass es nicht nur um einzelne touristische Projekte geht. Vielmehr könnte sich ein Küstenabschnitt weitreichend verändern, der heute überwiegend durch Bananenplantagen geprägt ist.

Foto: Inga Christensen
Knapp 28 Hektar und bis zu 2.100 Betten
Das Plangebiet umfasst rund 277.665 Quadratmeter – knapp 28 Hektar zwischen Puerto Naos und Charco Verde. Dort sollen die planerischen Voraussetzungen für touristische Unterkünfte mit insgesamt bis zu rund 2.100 Betten geschaffen werden.
2.100 Betten bedeuten allerdings nicht, dass dort in Kürze entsprechende Anlagen entstehen. Das IPST schafft zunächst die planerischen Voraussetzungen. Einzelne Projekte benötigen anschließend weitere Schritte und Genehmigungen. Eine mögliche Entwicklung des gesamten Gebietes dürfte sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Die Zahl macht dennoch deutlich, über welche Größenordnung gesprochen wird.
Und damit stellt sich eine Frage, die sich mit nüchternen Quadratmeterzahlen allein kaum beantworten lässt: Wie stark würde eine solche Entwicklung das heutige Bild dieser Küste verändern?
Mehr als Hotels und Ferienanlagen
Zu den Planungen gehören nicht nur touristische Unterkünfte. Vorgesehen sind auch Straßen, Kreisverkehre, Parkflächen, gewerbliche Bereiche und technische Infrastruktur.
Auch Einrichtungen zur Wasserver- und -entsorgung spielen eine Rolle. Dazu zählen nach den Planungsunterlagen unter anderem eine Entsalzungsanlage und eine neue Kläranlage.
Das zeigt die Dimension des Vorhabens. Wo heute überwiegend Landwirtschaft das Landschaftsbild bestimmt, könnte langfristig ein deutlich stärker bebauter und touristisch genutzter Bereich entstehen.

Bild: Cabildo de La Palma
Was bleibt von den Bananenplantagen?
Besonders interessant ist deshalb der Umgang mit den heutigen landwirtschaftlichen Flächen.
In den Unterlagen findet sich der Begriff „jardinería agrícola“, also eine Art landwirtschaftlich geprägte Landschaftsgestaltung. Bestehende Kulturen könnten teilweise in Grünflächen und touristische Anlagen integriert werden.
Bananenpflanzen könnten damit auch künftig zum Erscheinungsbild gehören. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass diese Flächen weiterhin als klassische Plantagen bewirtschaftet werden.
Und genau hier beginnt eine der grundsätzlichen Diskussionen um das Projekt: Bleibt der Charakter der heutigen Kulturlandschaft erhalten, oder bleiben am Ende vor allem einzelne Elemente davon zwischen neuen touristischen Anlagen bestehen?

Bild: Cabildo de La Palma
Warum ist vom „Plátano de oro“ die Rede?
In der aktuellen Berichterstattung über die Planungen taucht auch die Bezeichnung „El plátano de oro“ – die goldene Banane auf.
Dahinter steht vor allem die enorme wirtschaftliche Aufwertung, die eine andere Nutzung der Grundstücke mit sich bringen könnte.
Nach einer Auswertung der Planungsunterlagen durch Radio La Palma / Cadena SER beziffert das wirtschaftliche Gutachten zum IPST den geschätzten Marktwert der sogenannten lukrativen Nutzung auf rund 205,5 Millionen Euro. Grundlage der Berechnung sind knapp 135.000 Quadratmeter möglicher touristischer Bebauung und ein angenommener Wert von 1.500 Euro je bebautem Quadratmeter.
Wichtig ist dabei: Die 205,5 Millionen Euro sind keine angekündigte Investitionssumme. Die Zahl beschreibt einen rechnerischen wirtschaftlichen Wert der vorgesehenen touristischen Entwicklung. Mit der Entscheidung über die künftige Nutzung dieser Flächen sind erhebliche wirtschaftliche Interessen verbunden.

Bild: Cabildo de La Palma
Verkehr, Wasser und Licht
Bis zu 2.100 zusätzliche touristische Plätze bleiben nicht ohne Auswirkungen auf ihre Umgebung.
Mehr Unterkünfte können zusätzlichen Verkehr, Wasser- und Energiebedarf, Abwasser und nächtliche Beleuchtung bedeuten. Gleichzeitig verändert neue Bebauung Flächen, die bislang weitgehend landwirtschaftlich genutzt werden.
Auch mögliche Auswirkungen auf die Tierwelt sind Bestandteil der Untersuchungen. Dabei werden unter anderem Fledermäuse und Seevögel berücksichtigt, die durch zusätzliche nächtliche Beleuchtung beeinträchtigt werden könnten.
Gerade auf einer Insel mit begrenzter Fläche und begrenzten Ressourcen bekommen solche Fragen besonderes Gewicht.

Foto: Inga Christensen
Chance für die Westküste oder zu viel Bebauung?
Entsprechend unterschiedlich fällt die Bewertung des Vorhabens aus.
Befürworter verbinden damit neue Investitionen, eine Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektiven für die Westseite der Insel. Gerade Puerto Naos hat durch die Folgen des Tajogaite-Ausbruchs schwierige Jahre hinter sich.
Kritiker sehen dagegen die mögliche Größenordnung mit Sorge. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bebauung bislang landwirtschaftlich geprägter Flächen, Veränderungen des Landschaftsbildes sowie zusätzliche Belastungen durch Verkehr und Ressourcenverbrauch.
Dabei geht es nicht zwangsläufig um die Frage „Tourismus ja oder nein“. Entscheidend ist vielmehr, welche Form und welche Größenordnung zu diesem Teil La Palmas passen.
Zwischen einem behutsam entwickelten touristischen Angebot und einer starken baulichen Verdichtung liegen erhebliche Unterschiede.

Foto: Michael Nguyen
Wie soll diese Küste in Zukunft aussehen?
Vielleicht ist genau das die wichtigste Frage hinter den zahlreichen Seiten der Planungsunterlagen.
Puerto Naos gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten touristischen Orten La Palmas. Gleichzeitig prägen Bananenplantagen große Teile der Küste des Aridanetals. Mit dem IPST treffen beide Nutzungen auf engem Raum unmittelbar aufeinander.
Wie viel touristische Entwicklung ist sinnvoll? Welche Flächen sollten erhalten bleiben? Wie stark darf sich das Landschaftsbild verändern? Und welchen Charakter soll die Westküste langfristig haben?
Darüber können Befürworter und Kritiker zu sehr unterschiedlichen Antworten kommen.
Noch ist die Planung nicht endgültig abgeschlossen. Das IPST befindet sich derzeit im öffentlichen Beteiligungsverfahren.
Bis zum 9. Oktober 2026 können die Unterlagen eingesehen sowie Stellungnahmen und Einwände eingereicht werden.
Quelle: Cabildo de La Palma / Cadena SER – Radio La Palma
Offizielle Informationen des Cabildo zum IPST
Recherche von Javi Rodríguez bei Radio La Palma / Cadena SER
Von La Palma 24
















Ich möchte an die Frage von Uakari (‘Cui bono?’) anknüpfen. Die schöne Vorstellung einer ‘jardinería agrícola’, einer landwirtschaftlich geprägten Landschaftsgestaltung, blendet meines Erachtens die harte Realität vor Ort weitgehend aus.
Bananenplantagen direkt neben oder gar integriert in Hotelanlagen sind in der Praxis kaum mit der romantischen Vorstellung einer grünen Kulisse gleichzusetzen. Konventioneller Bananenanbau ist auf Pflanzenschutz und entsprechende landwirtschaftliche Bewirtschaftung angewiesen. Wie soll das mit Hotelgästen am Pool, auf Terrassen oder in unmittelbarer Nähe der Anbauflächen dauerhaft funktionieren? Entweder wird die Landwirtschaft zur unproduktiven Alibi-Kulisse, oder der Konflikt zwischen touristischer Nutzung und tatsächlicher landwirtschaftlicher Praxis ist vorprogrammiert.
Auch die geplante eigene Entsalzungsanlage ist keineswegs automatisch eine ökologische Erfolgsgeschichte. Meerwasserentsalzung benötigt erhebliche Mengen Energie und hinterlässt hochkonzentrierte Salzlake, die anschließend wieder ins Meer eingeleitet werden muss. Angesichts der sensiblen Küstenregion sollte man deshalb sehr genau fragen, welche ökologischen Folgen diese zusätzliche Infrastruktur tatsächlich haben wird.
Und schließlich lohnt sich der Blick auf Puerto Naos selbst. Das ehemalige Sol La Palma heißt heute Meliá La Palma. Eigentümer der Immobilie ist allerdings nicht Meliá, sondern die Hotelsocimi ATOM; Meliá ist der Betreiber. ATOM übernahm das Hotel bereits 2018 und investierte vor der Umwandlung in die Marke Meliá nochmals fast vier Millionen Euro in die Renovierung.
Das ist ein durchaus aufschlussreiches Beispiel dafür, wie sich Eigentum, Hotelbetrieb und lokale Landwirtschaft voneinander entkoppeln können. Genau deshalb sollte bei einem Projekt dieser Größenordnung die Frage ‘Cui bono?’ nicht als Nebensache abgetan werden.
Denn wenn aus landwirtschaftlicher Fläche durch ein neues touristisches Planungsinstrument Bauland mit einem erheblich höheren wirtschaftlichen Wert wird, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer trägt die Kosten dieser Entwicklung, und wer profitiert vor allem davon?
Unter dem Deckmantel von ‘Traditionspflege’ und ‘jardinería agrícola’ sollte jedenfalls nicht aus einer gewachsenen Kulturlandschaft eine touristische Kulisse werden, deren eigentliche landwirtschaftliche Funktion am Ende nur noch Dekoration ist.
Cui bono?
Wer das wohl vorantreibt, wer letztlich dahinter steckt und am meisten profitiert? Nicht dass das Wissen etwas ändern würde – es wäre aber wahrscheinlich lehrreich.