La Palma-Bücher: „Ausgerechnet zum Feiertag“

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Das neueste Buch von Barbara Schlüter : „Ausgerechnet zum Feiertag“

Fünf nicht wirklich romantische

Geschichten aus der „guten alten Zeit“

„Das war mein bisher schwierigstes Buch“, kommentiert Barbara Schlüter ihr neuestes Werk. „Ausgerechnet zum Feiertag“ hat sie es genannt, und ihre Fans ahnen schon, dass da alles mordsmäßig schief läuft. Zurecht: Die Autorin dreier Gesellschaftsromane mit Krimitouch – Gerächter Zorn, Verheimlichte Liebe und Vergiftete Liebe – bleibt ihrer Linie treu: Weihnachten, Silvester, Ostern, Pfingsten und den einst als arbeitsfrei bejubelten offiziellen Kaiserbesuch verarbeitet sie in ihrem neuen Buch in fünf eigenständigen Erzählungen mit überraschendem Ausgang. Natürlich in gewohnter Schlüter-Manier: Die Historikerin hat wie immer akribisch recherchiert und ihre Stories in anspruchsvoller und dem ausgehenden 19. Jahrhundert angepasster Sprache verfasst. „Ausgerechnet zum Feiertag“ ist keine 0815-Bettlektüre, und Freunde seichter Historien-Romankost kommen hier nicht auf ihre Kosten. Dafür aber LiebhaberInnen überraschender Wendungen mit Faible für Tiefgang. Wir haben uns mit der Autorin über ihre nicht wirklich romantischen Geschichten aus der „guten alten Zeit“ unterhalten.

 

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Weihnachten, Silvester, Ostern, Pfingsten und der Kaisertag: Barbara Schlüter schrieb dazu fünf eigenwillige Geschichten.

Barbara, diesmal sind Ihre Protagonisten nicht nur wie in den ersten drei Romanen auf La Palma, Norderney und in Hannover aktiv. In „Ausgerechnet zum Feiertag“ machen Sie einen Ausflug in die große weite Welt und präsentieren neben den alten auch ganz neue HauptdarstellerInnen…

Barbara Schlüter: Ja, nach der Elsa-Trilogie habe ich mir gedacht, das könnte man so in sich abgeschlossen stehen lassen. Und den Rest hat die Recherche ergeben. Zum Beispiel bei der Pfingsgeschichte: Die spielt auf Kuba, Norderney und La Palma, in Braunschweig, Hannover, in Gmünden in Österreich und in St. Blasien im Schwarzwald. Dabei ist die Fuente Santa auf La Palma der Dreh- und Angelpunkt, denn bei diesem Buch stand von Anfang an fest, dass ich über die Heilige Quelle schreibe. Die wurde ja im 17. Jahrhundert durch den Ausbruch des Vulkans San Antonio verschüttet und erst vor gut zehn Jahren wieder entdeckt. Und so habe ich meinen Helden Cristobal erschaffen, der via Kuba und die eingangs genannten Orte schließlich auf La Palma landet und sich im Jahr 1904 fieberhaft auf die Suche nach der Fuente Santa macht.

Aber bis auf die historischen Tatsachen ist in dieser Geschichte alles Fiktion?

Die Heilige Quelle an der Playa Echentive im Süden von La Palma:

Die Heilige Quelle an der Playa Echentive im Süden von La Palma: Der Thermalquell wurde 1677 beim Ausbruch des Vulkans San Antonio verschüttet, von vielen gesucht und erst 2005 wieder entdeckt. Auch in Barbara Schlüters neuestem Buch dreht sich ein Kapitel um diesen Born am Fuße von Fuencaliente, der heute wieder in den Schlagzeilen ist: Das Projekt eines Heilbades an der Fuente Santa läuft – 2019 könnte mit dem Bau begonnen werden. Foto: Cabildo

Barbara Schlüter: Ja, die Fakten stammen aus der „Historie de la Fuente Santa“ von Carlos Soler, der die Quelle wieder entdeckt hat – ich habe auch persönlich mit ihm gesprochen. Daraus ging hervor, dass es im Jahr 1904 tatsächlich einen Versuch gab, die Heilige Quelle wiederzufinden. Beteiligt waren damals ein Kubaner mit palmerischen Wurzeln, die Großherzöge von Baden und ein Konsortium aus Deutschland. Und so habe ich diesen Kubaner Cristobal genannt und ihn auf die Reise geschickt. Er ist ein reicher Haciendero, denn ich finde auch die Geschichte von Kuba interessant, wo es immer Unabhängigkeitsbestrebungen von Spanien gab, stattdessen sind dann damals die Amerikaner gekommen… Cristobal ist natürlich ein Freigeist, der für ein unabhängiges Kuba eintritt.

Nun sprechen wir von einem Mann, dabei spielen in Ihren Werken doch eigentlich immer recht emanzipierte Weibsbilder die Hauptrolle?

Barbara Schlüter: Das ist auch in diesem Buch der Fall. In der Pfingsgeschichte zum Beispiel verliebt sich Cristobal auf Norderney in die uneheliche, von mir ausgedachte Welfentochter Henriette, heiratet sie und gelangt mit ihr über den einstigen Haute Volée-Ort St. Blasien und Gmünden nach La Palma. Sie wohnen übrigens in der Hacienda de Abajo in Tazacorte, die ja einst kein Hotel, sondern der Sitz einer begüterten Familie war. Henriette freundet sich hier mit den Palmeras Rosa und Pepa an – und meine LeserInnen dürfen sich darauf freuen, welchen Plan mit Knalleffekt die drei Damen zu Pfingsten schmieden…

Genau, es geht ja in allen fünf Geschichten in erster Linie um Feiertage. Warum?

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Kaisertag: Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde ein Feiertag ausgerufen, wenn Wilhelm II eine Stadt offiziell besuchte. Barbara Schlüter widmet diesem Event in ihrem Buch ein Kapitel, und Fans von Elsa und den von Elßtorffs treffen die Hannoveraner Familie hier wieder. Foto: Wikipedia

Barbara Schlüter: Weil bekanntlich „ausgerechnet zum Feiertag“ oftmals irgendetwas Unvorhergesehenes passiert – und das muss nicht immer erfreulich sein. Da meine Geschichten Ende des 19. Jahrhunderts spielen, habe ich auch über einen offiziellen Kaiserbesuch geschrieben. Denn wenn der Kaiser kam, gab es frei, um Spalier zu stehen und Fahnen zu schwenken. Meine historische Grundlage war der Besuch von Kaiser Wilhelm II anno 1889 in Hannover. Und da kommen für meine LeserInnen alte Bekannte ins Spiel, denn hier wohnen ja die Familie von Elßtorff und die auf La Palma geborene Waise Elsa.

Auch Ihre bissige Weihnachtsgeschichte spielt in Hannover, zu Ostern machen Sie von der Leine-Stadt aus einen mordsguten Ausflug nach Konstantinopel, und Silvester widmen Sie einer Reise von Berlin nach Norderney, von der nicht alle Teilnehmer zurückkehren. Aber wo auch immer sie spielen, eines haben alle Stories gemeinsam: Die darin agierenden Damen sorgen oft für unliebsame Überraschungen im Blick auf das „starke Geschlecht“. Und obwohl alle Ihre Bücher in der Wilhelminischen Epoche angesiedelt sind, kann man nicht von klassischen Historienromanen sprechen. Was machen Sie anders?

Barbara Schlüter: Ich mache keinen Mainstream. Deshalb bin ich ja auch nicht auf der Spiegel-Beststeller-Liste (lacht). Die Elsa-Trilogie ist ein Genre-Mix aus historischem Gesellschaftsroman und Krimi, und die neuen Geschichten sind ebenfalls eine Kombination aus aufwändiger Recherche und – wie ich meine – eigenständig und originell agierenden Protagonistinnen. Für „Ausgerechnet zum Feiertag“ habe ich wieder gut zwei Jahre gebraucht, es war mein bisher schwierigstes Buch. Es galt ja fünf Geschichten zu recherchieren und bei vieren davon auch die Personen neu zu erfinden. Ein ungeheurer Aufwand war die Pfingstgeschichte, denn ich musste ja das Buch von Carlos Soler zur Heiligen Quelle übersetzen, inklusive der Eintragungen des damaligen Bürgermeisters von Fuencaliente in sein Stadtbuch – und so gut ist mein Spanisch dann auch wieder nicht. Das war schon hart.

Barbara Schlüter: Die Autorin schreibt ihre Bücher abwechselnd in Hannover und auf der Isla Bonita. Foto: La Palma 24

Barbara Schlüter: Die Autorin schreibt ihre Bücher abwechselnd in Hannover und auf der Isla Bonita, wo sie einige Monate im Jahr verbringt. Foto: La Palma 24

Brauchen Sie jetzt eine kreative Pause, oder glüht die Schreibmaschine schon wieder?

Barbara Schlüter: Obwohl ich die Elsa-Trilogie eigentlich so stehen lassen wollte, geht es jetzt doch weiter mit der eigenwilligen jungen Frau, die in der damaligen verkrusteten Gesellschaft ihr alleiniges Glück nicht in einer lukrativen und standesgemäßen Ehe sucht.

Beim Lesen all Ihrer Bücher beschleicht einen die Ahnung, dass sich nicht wirklich soooo viel geändert hat zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und den Anfängen des 21. Jahrhunderts. Barbara, wie sehen Sie die Mann-Frau-Beziehung heute – insbesondere im Blick auf die chauvinistischen Kräfte, die sich dank dem wildwuchernden Populismus wieder ganz unverblümt und teils schamlos zeigen?

Barbara Schlüter: Es entwickelt sich gerade so etwas wie eine Renaissance des Feminismus, nicht zuletzt durch die me too-Bewegung. Da haben Frauen Mut gefasst und nicht länger als Opfer geschwiegen. Das finde ich sehr mutig und sehr erfreulich. Auch dadurch wird das Thema Feminismus neu diskutiert – lange Jahre war es tot. Es ist wichtig, dass Frauen aller Generationen bewusster wird, welch ein langer Kampf es war um Wahlrecht und Gleichberechtigung. Wie wir zum Beispiel am sinkenden Anteil von Frauen in den Parlamenten sehen, geht es keineswegs immer bergauf. Es gilt wachsam zu sein, sich zu informieren und aktiv zu sein.

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Barbara Schlüter war und ist eine Verfechterin der Rechte von Frauen. Im Blick auf die aktuellen Entwicklungen warnt sie: “Es gilt wachsam zu sein, sich zu informieren und aktiv zu sein!” Foto: La Palma 24

Wie ich bei einigen Tagungen bemerkte, sind aber immer noch einige Dauerbrenner aktueller, als ich dachte. Eine Revision von Schulbüchern bezüglich Geschlechterklischees und der Rolle von Frauen in der Geschichte ist zum Beispiel nach 30 Jahren immer noch nicht erledigt. Gleiches gilt für Sexismus in der Werbung. Und die ganze Gender-Diskussion wird, auch im Blick auf die Sprache, gern lächerlich gemacht. Frauenrechte sind weder unantastbar noch selbstverständlich – da reicht ein Blick über die Tellerränder. Die ganze Thematik ist stets mit der Frage nach Macht verknüpft. Und von gleicher Teilhabe an Macht, Geld, Bildung und politischem Einfluss kann immer noch keine Rede sei. Auch deshalb beschreibe ich, wie wenig Perspektiven Frauen vor circa 130 Jahren hatten. Denn wenn ich als Frau nicht weiß, wo ich historisch herkomme, kann ich nicht analysieren, was aktuell passiert – und wo ich mich positionieren muss.

Vielen Dank, Barbara, für das Gespräch! Wer mehr über die kritische und engangierte Autorin und ihre historischen Gesellschaftsromane mit Krimi-Touch wissen will, kann diese Beiträge im La Palma 24-Journal lesen:

2015 haben wir mit Barbara Schlüter über ihre ersten beiden Elsa-Werke „Vergiftete Liebe“ und „Verheimlichte Liebe“ geesprochen.

2016 erschien ihr drittes Buch der Elsa-Trilogie “Gerächter Zorn” – zur Reporatge hier klicken.

Auf La Palma gibt es die Werke von Barbara Schlüter in den La Sorpresa-Filialen in El Paso (Hauptstraße schräg gegenüber dem Hiperdino-Supermarkt) und in Los Llanos direkt an der Plaza de España. Außerdem sind sie auf Amazon im Papierformat oder als E-Book bestellenbar.

Die vier jüngsten Werke von Barbara Schlüter: Alle sind im Schardt-Verlag erschienen und auch auf La Palma erhältlich.

Die vier jüngsten Werke von Barbara Schlüter: Alle sind im Schardt-Verlag erschienen und auch auf La Palma erhältlich.

 

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