Gofio: Röstmehl made in Canarias

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Das typisch kanarische Röstmehl namens Gofio ist gesund und gibt Kraft:

 

Popeye dopte sich mit Spinat –

Palmeros schwören auf ihr Power-Pulver

Was ist denn eigentlich Gofio? Das fragen sich Urlauber auf La Palma, wenn sie im Supermarkt die so beschrifteten Tüten im Mehl-Regal sehen. Wir lösen auf: Es handelt sich um ein Grundnahrungsmittel auf den Kanaren, das schon die Ureinwohner der Inseln herstellten. Bis heute steht das gemahlene Röstgetreide auf dem Speiseplan der Palmeros, und inzwischen hat es sogar die gehobene Gastronomie für sich entdeckt.

Gofio: Das Mehl der Kanaren, das aus geröstetem Getreide, manchmal auch durch Hülsenfrüchte ergänzt.

Gofio: Das geröstete Mehl der Kanaren, das sogar auf der Liste der Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichnung steht. Foto: Gofio La Pina, Gofio Taber/Verband Frescal und Fernando Rodríguez

 

Gofio kulinarisch. Gofio kommt in unzähligen Formen auf den Tisch: Als Müsli der Kanaren wird es schon zum Frühstück gerne mit etwas Milch gegessen und je nach Geschmack mit Früchten vitaminisiert. Herzhafte Varianten verbinden das geröstete und gemahlene Getreide mit Gemüse-, Fleisch- oder Fischbrühe, gewürzt mit Knoblauch und Olivenöl in Eintöpfen oder auch in Pürees. Außerdem kann man mit diesem Mehl voller Röstaromen panieren oder Kroketten herstellen.

Zwei Klassiker: Da ist zum einen der Pelota genannte Teig, der aus Gofio mit Salz, Wasser, Chili, Kümmel und Koriander geknetet und in Scheiben geschnitten als Beilage gereicht wird. Zum anderen gibt es einen Snack, der insbesondere bei den Inselfesten auf La Palma sehr beliebt ist, denn er garantiert eine solide Grundlage fürs Feiern: Chicharrones. Dabei handelt es sich um in kleine Stücke geschnittene Schweineschwarten, die in einer Panade aus Gofio fritiert werden. Der Geschmack ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig…

Natürlich haben sich im Laufe der Zeit auch unzählige süße Gofio-Variationen vom einfachen Mix mit Bananen über Gebäck bis hin zur Mousse entwickelt. Und logischerweise lassen sich aus dem etwas anderen Mehl auch Kuchen, Plätzchen und Brot backen oder Crepes brutzlen. Im Internet finden sich zahlreiche Rezepte – hier ein Beispiel.

Gofio geschichtlich. Schon die Ureinwohner auf La Palma und den anderen Kanareninseln stellten das Power-Pulver her: Zuerst rösteten die Benahoariten hauptsächlich Gerste und in geringen Mengen Weizen, außerdem Hülsenfrüchte sowie in Notzeiten schon auch mal Baum- und Farnsamen oder Wurzeln in Tontöpfen. Dann zerrieben sie die Körner zwischen zwei Basaltsteinen zu einem feinen Mehl – dazu gab´s Ziegenmilch. Nach der Eroberung des Kanarenarchipels änderte sich diese wenig wirtschaftliche Art der Produktion: Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Wind- und Wassermühlen gebaut – in einer davon in Las Tricias befindet sich heute das 2016 eröffnete Gofio-Museum von La Palma. Auch die Bestandteile des Gofios änderten sich im Laufe der Jahrhunderte. Heute findet man sowohl Produkte aus nur einem Getreide als auch Mixturen, in denen  hauptsächlich Weizen und Hirse, aber auch Gerste, Roggen Hafer, Hülsenfrüchte oder sogar Nüsse vorkommen.

Gofio ernährungstechnisch. Gofio hat´s in sich, sowohl was die Kalorien anbelangt, als auch im Blick auf seine positiven Auswirkungen auf den Körper: Das Röstmehl ist reich an Nähr-, Ballast- und Mineralstoffen, enthält kaum Fett, dafür aber viel Eiweiß und Vitamine – so kommt es schon auch mal als Ergänzung in die Flasche mit Babymilch oder hochgerühmt als „superalimento“ auf den Speiseplan von Sportlern. Der Sattmacher ist außerdem lange lagerfähig und preisgünstig, wodurch Gofio auf den Kanaren insbesondere in Notzeiten als Über-Lebensmittel galt.

Gofio gastronomisch. Das einstige Arme-Leute-Essen hat sich gemausert: Heute kommt es in allen sozialen Schichten und sogar zunehmend in der gehobenen Gastronomie auf den Tisch. Nicht nur auf den Kanaren: Im März 2017 eröffnete Safe Cruz aus Teneriffa ein Restaurant in Madrid und taufte es Gofio. Der Siegeszug über die Inselgrenzen hinaus dürfte weitergehen: Im Januar 2018 war das ur-kanarische Produkt sogar der Protagonist einer Master-Class im Basque Culinary Center in San Sebastián im Norden Spaniens. Die Schüler dieses Ausbildungszentrums für Sterneköche der Zukunft lernten dabei die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Forever-Young-Produkts kennen und schätzen.

Gofio ist nicht gleich Gofio: Beim Einkauf genau schauen, welche Mischung sich in der Verpackung befindet. Im Handel gibt es vom puren Weizen-Gofio über Mischungen mit anderen Getreidesorten bis hin zum Hülsenfrüchte-Mix eine bunte Palette. Foto: Fernando Rodríguez/Palmeros en el Mundo

Gofio ist nicht gleich Gofio: Beim Einkauf genau schauen, welche Mischung sich in der Verpackung befindet. Im Handel gibt es Sorten mit nur einem Getreide und viele Mischungen . Foto: Fernando Rodríguez/Palmeros en el Mundo

Gofio in Zahlen. Studien zeigen den Trend: Auf den Kanarischen Inseln arbeiten heute 34 Mühlen, die pro Jahr rund 4.500 Tonnen verschiedene Gofio-Sorten herstellen – darunter sogar glutenfreie für Zöliatiker! Mehr als 70 Prozent der Gesamtproduktion werden auf dem Archipel konsumiert, der Rest auf dem nationalen spanischen Markt und zunehmend im Ausland: Etwa im Senegal und Mauretanien, in den USA und Osteuropa ist das vielseitige Produkt auf Expansionskurs. Das Instituto Canario de Calidad Agroalimentaria (ICCA) ermittelte in einer Umfrage, dass Gofio in mehr als 80 Prozent der kanarischen Haushalte zu den Vorräten gehört. 98,8 Prozent der Konsumenten gaben an, dass sie das Röstmehl für gesund halten, und mehr als die Hälfte versicherte, es so gut wie jeden Tag mit Milch oder im Eintopf zu sich nehmen. Last but not least: Gofio steht seit 2014 sogar auf der Liste der Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichung (gU) der Europäischen Kommission – kanarischer geht´s also nimmer.

 

Gofio-Tipps für Inselgäste auf La Palma

Tour-de-Gofio in Santa Cruz. Immer um den Februaranfang herum findet in Santa Cruz die Ruta del Gofio statt. Daran beteiligen sich Lokale rings um die Markthalle und servieren Speisen aus dem Ureinwohner-Mehl. Wer um diese Zeit auf der Insel ist, kann dabei alle möglichen Rezepturen entdecken.

Diese drei Marken dürfen das Siegel des Weltbiosphärenreservats La Palma tragen. Fotos: Biosfera/La Palma 24

Diese drei Marken dürfen das Siegel des Weltbiosphärenreservats La Palma tragen. Fotos: Biosfera/La Palma 24

 

Gofios made in La Palma. Auch auf der Isla Bonita wird Gofio produziert. Unter den Herstellern sind drei, über die das Weltbiosphärenreservates La Palma auf seiner Website informiert,  weil sie das Biosfera-Gütesiegel auf ihre Tüten drucken dürfen. Zum einen Gofio Taber, weil nur nachweislich auf La Palma angebautes Getreide ins Paket kommt. Mehr darüber im Blog des Bauernverbandes El Frescal. Zum Zweiten prangt das Biosfera-Logo auf den Beuteln von Molinos del Valle, einem Verband von traditionellen Mühlen im Aridane-Tal. Und zum Dritten ist das Weltbiosphärenreservat-Emblem auf den Paketen von Molino NayPE zu sehen, weil die Herstellerfamilie seit mehr als 70 Jahren Gofio wie einst mahlt. Alle diese Produkte finden sich in Supermärkten auf der Insel.

 

Gofio-Museum in Las Tricias. Ein schönes Ausflugsziel im Nordwesten von La Palma ist das Museo de Interpretación del Gofio im Garafía-Ortsteil Las Tricias. Diese alte Windmühle war bis 1953 in Betrieb, im Jahr 2000 kaufte sie die Gemeinde, restaurierte die Anlage und eröffnete hier im April 2016 das MIGO genannte Gofio-Museum. Öffnungszeiten: montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 10 bis 16 Uhr und feiertags von 10.30 bis 14.30 Uhr. Diese Angaben stammen von der Internetseite der Gemeinde Garafía im Juni 2018, wo auch die aktuellen Eintrittspreise sowie eine Anfahrtskarte gecheckt werden können.

Das MIGO in Las Tricias: Hier erfährt man alles über Gofio. Fotos: Fernando Rodríguez/Palmeros en el Mundo

Das MIGO in Las Tricias: Hier erfährt man alles über Gofio. Fotos: Fernando Rodríguez/Palmeros en el Mundo

 

 

 

 

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