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Terry Pratchett

Karin Eisenhut und die Finca El Rincón

26. April 2019 Gudrun Jetzt ersten Kommentar schreiben!

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Arbeit ohne Ende auf der Finca El Rincón: Karin ist alleine überfordert. Fotos: La Palma 24

Arbeit ohne Ende auf der Finca El Rincón: Karin ist alleine überfordert. Sie sucht dringend jemanden, der etwas vom Gärtnern und der Landwirtschaft versteht. Fotos: La Palma 24

Nomen est omen: Karin Eisenhut wurde die Liebe zu allem, was wächst, wohl schon in die Wiege gelegt. Die Schweizerin ist bekannt auf La Palma, denn sie bewirtschaftet seit rund 40 Jahren die Finca El Rincón in El Paso und verkauft ihre Erzeugnisse unter anderem auch auf dem Bauernmarkt in Los Llanos. Außerdem weiß sie nach Rose Marie Dähncke wohl am meisten über die Pilze der Insel Bescheid. Doch nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Jahr wächst Karin die Arbeit über den Kopf. Sie braucht Unterstützung. Und diese Reportage ist eigentlich so etwas wie eine Stellenanzeige.

 

„Naturkräfte kann man

nicht chemisch umgehen“

Der erste Eindruck ist trist und grau. Denn eine hohe Mauer zieht sich rings um die Finca El Rincón. Doch wer eintritt, dem öffnet sich ein kleines Paradies: Orangen, Mandarinen, kleine Zitronen, Limequats, Pampelmusen und Wein gedeihen hier zwischen riesigen Säulenkaktussen und Dragos. Beschattete Gewächshäuser ducken sich an den Hang, in denen Karin Gemüse, aber auch Palmen, Ombu-Bäume und Topfpflanzen bis hin zu verschiedenen Sorten von Orchideen zieht. Den Haupterwerbszweig bilden allerdings die Zitrusfrüchte, die auf rund 3.000 Bäumen in leuchtenden Farben reif und saftig werden. Jede Menge Arbeit, und deshalb sucht die Finca-Chefin Hilfe:

Früher, als wir zu zweit waren, kümmerte sich mein Mann um den Obstbau, und ich hatte die Gärtnerei. Das war zwar für jeden ein Full-Time-Job, aber wir konnten gut leben, und es blieb auch Zeit, um hie und da mal zwei Wochen in den Urlaub zu fahren – abwechselnd natürlich. Aber ich allein bin 365 Tage im Jahr und sieben Tage in der Woche beschäftigt. Deshalb suche ich jemanden, der was kann – jemand, der auswandern will oder jemand, der schon auf La Palma ist. Ideal wäre ein Bauer oder ein Gärtner, aber ich muss keine Zeugnisse sehen, Kenntnisse in der Landwirtschaft oder im Gartenbau genügen mir. Und natürlich muss es jemand sein, der kann und will, der mit dem Herzen bei der Arbeit ist und nicht nur große Reden schwingt. Die Form der Zusammenarbeit ist verhandelbar – da bin ich für alle möglichen Modelle offen. Es geht darum, auf dieser schönen Insel zu leben und noch ein bisschen Geld zu verdienen.

Aber machen wir doch einen kleinen Gang durch die Finca, die im unteren Teil von El Paso in der Nähe des Restaurants El Sombrero liegt. Zur Info von potenziellen AnwärterInnen und auch, um unseren LeserInnen einen Einblick zu geben. Denn wer will, kann bei Karin vor Ort einkaufen – die Zitrusfrüchtezeit geht jetzt zu Ende und beginnt wieder im Oktober:

Meine KundInnen schicken mir einfach ein Whatsapp und schreiben mir zum Beispiel, dass sie gerne drei Kilo Orangen, ein Kilo Mandarinen und zwei Kilo Cumquat haben wollen. Dann stelle ich den Korb in die Garage, die Leute holen ihn ab und schieben das Geld unter der Tür durch, wenn ich nicht da bin. Auf dem Bauernmarkt in Los Llanos verkaufe ich außer den Früchten auch mal restliches Gemüse, aber eigentlich ist das wie der Wein für den Eigengebrauch und für Freunde gedacht.

Finca El Rincón: Orangenbäume wachsen zwischen Kapuzinerkresse und Kräutern: Das gibt Schatten für die Bume, sonst wären sie im Dauerstress. Foto: La Palma 24

Finca El Rincón: Orangen gedeihen zwischen Kapuzinerkresse und Kräutern: Das gibt Schatten für die Bäume, sonst wären sie im Dauerstress. Foto: La Palma 24

„Integrierte Produktion“ heißt die Anbauweise auf der Finca El Rincón – eine Mischung aus konventioneller und biodynamischer Landwirtschaft, die Karin und ihr Mann seit dem Auswandern nach La Palma kultiviert haben. Da ist nicht alles viereckig: Hie und da ruht Kompost im Gelände seiner Vollendung entgegen, unter den Orangenbäumen wachsen Kapuzinerkresse und Pflanzen, die nur manche Menschen Unkräuter nennen. Karin gehört nicht dazu – aus gutem Grund:

Die sizilianische Spreublume oder der Amor Seco sind wichtige Beipflanzen, denn sie tragen extrem viele Pollen für die Nutzwespen, die ihre Eier in Schadinsekten legen. Das ist ein natürlicher Kreislauf, und deshalb ist es sehr wichtig, dass die Finca in einem waldähnlichen Zustand ist. Nackter Boden versetzt die Bäume in Dauerstress, denn dann haben sie Sonne von oben und Reflektionen von unten. Deshalb lässt man das Unkraut stehen und tritt es nur etwas nach unten, damit der Baum noch genug Luft hat. Auch der Schwarzruß oder Rußtau, den hier viele Leute fälschlicherweise „schwarze Läuse“ nennen, liegt bei circa einem Drittel der befallenen Blätter in der Toleranz. Denn in Wirklichkeit ist das ein Pilz, der sich von dem Zuckersaft ernährt, den Läuse auf den Blättern produzieren. Das schadet dem Baum nicht, das sieht nur blöd aus. Man kann das auch mit ein bisschen Wasser und Spülmittel abspritzen.

Rose Marie Dähncke brachte Karin Eisenhut viel über die Pilze von La Palma bei: Heute hält Karin Vorträge bei den Pilztagen und führt auf Anfrage durchs Pilzzentrum in Mazo. Fotos: La Palma 24

Rose Marie Dähncke brachte Karin Eisenhut viel über die Pilze von La Palma bei: Heute hält Karin Vorträge bei den Pilztagen und führt auf Anfrage durchs Pilzzentrum in Mazo. Fotos: La Palma 24

Karin weiß was sie tut: In der Schweiz machte sie einst das „Berufsabitur als Topfpflanzengärtnerin“, und  die Grundlagen des Weinbaus schaute sie bei ihrem Nachbarn im Weinbaugebiet Nussbaumen am Bodensee ab. Außerdem half sie früher Freunden bei der Waldarbeit, und das Wissen für den erfolgreichen Landbau im subtropischen Gebiet der Kanarischen Inseln hat sie sich autodidaktisch durch Bücher angeeignet. Und was macht die Frau mit dem großen Herzen für die Natur in ihrer knapp bemessenen Freizeit? Die grüne Karin geht in den Wald – was sonst:

Pilze sind mein Hobby! In der Schweiz war ich immer beruflich so eingespannt, und die Kinder vom Nachbarn haben damals so leckere Pilze aus dem Wald mitgebracht, und ich dachte, ach ist das schade, dass ich keine Zeit habe. Und dann kam ich nach La Palma, und Rose Marie gründete gerade einen Verein. Da habe ich aufgehört von Pilzen zu träumen und gedacht, hipp, hipp, jetzt greif ich zu (lacht).

Heute weiß die Eidgenossin derart umfassend über die Setas Bescheid, dass Rose Marie Dähncke, die auf den Kanaren die „Große Dame der Pilze“ heißt, ihr ein Riesenkompliment macht: „Sie kennt sich am besten mit den Pilzen auf der Insel aus!“ Ganz ähnlich entwickelte sich das Weinbau-Know-how der Schweizerin:

Das war ebenfalls ein Kindheitstraum. Mein Papa hatte eine amerikanische Rebe am Eingang stehen, und ich war jung und hatte kein Geld. Also habe ich schnipp-schnipp an Papas Stock gemacht, und dann hatte ich Stecklinge und schließlich 100 Rebstöcke. Außerdem habe ich viele Bücher übers Winzern gelesen.

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Den „Amerikanern“ ist sie treu geblieben. Auf der Finca El Rincón kultiviert Karin Eisenhut Sorten wie New York Muscat, Buffalo oder Constanze. Die sind mehltau-resistent, aber dafür muss sie sie wässern. Gekeltert wird in der „Bodega vom Luis“, ihrem einstigen Nachbarn und Mitbegründer der Bodegas Teneguía. Und wer ganz viel Glück hat, darf die umwerfende Cuvée von Karin probieren:

Den Wein kriegen nur der Besuch und Freunde. Übrigens hab ich damit sogar einmal einen Preis gewonnen, als wir in Los Llanos zu San Martín einen kleinen Wettbewerb veranstalteten. Da hab ich meinen Vino in eine alte Coca-Cola-Flasche abgefüllt, weil ich nichts anderes zur Hand hatte, und später kamen alle an meinen Stand und haben „Felicidades, Felicidades“ gerufen. Und ich habe gesagt, ja spinnt Ihr, ich hab doch keinen Geburtstag, und dann haben sie mir erklärt, dass ich den Preis gewonnen habe (lacht sich schlapp).

Die seltenen Momente: Karin Eisenhut mit Freunden bei einem Gläschen ihres wunderbaren Weines. Foto: La Palma 24

Die seltenen Momente: Karin Eisenhut mit Freunden bei einem Gläschen ihres wunderbaren Weines. Foto: La Palma 24

Karin kann unglaublich viel. Aber sie bildet sich nichts darauf ein, sie ist einfach herzlich und natürlich, und sie lacht so gern. Doch die Winzerin hat auch ein Geheimnis, was ihren Vino angeht, oder eigentlich sogar zwei:

Ich arbeite schon viele Jahre mit dem Mondkalender. Das sind Naturkräfte, die kann man nicht chemisch umgehen (lacht). Und das andere ist das Herzblut. Luag amal: Das ist reine Energie (schwenkt ihr Glas, an dessen Rand sich sofort Kathedralen bilden). Ein Freund von mir, der ein Buch über Kellereien in der Schweiz geschrieben hat, erklärte mir, folgendes: „Ist die Technik noch so toll und alles pico-bello, wenn keine Liebe drin ist, sondern nur die Gier, dann spürst Du das im Endprodukt Wein.“ Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto, und dann beim Studium vieler Bücher herausgefunden, dass die Technik immer einigermaßen gleich ist, aber der eine schwört auf dies und der andere auf das. Und was ist die Essenz? Herzblut, das kannst Du drehen und wenden wie Du willst. Wenn´s mit Liebe und Begeisterung gemacht wird, das gibt schöne gute Weine.

Wie gesagt: Nur für Freunde. Und wer die Stelle bei Karin Eisenhut ergattert, darf ganz sicher auch mal kosten.

Ihre Kontaktadresse: Finca El Rincón, Camino El Rincón 22, 38750 El Paso, Isla de La Palma, Canarias, España. Telefon: 0034-669.420.862, E-Mail: karin.eisenhut@gmail.com

Magisch: Das Orchideenhaus von Karin - kein Zweifel, die gelernte Topf

Magisch: Das Orchideenhaus von Karin! Kein Zweifel, die gelernte Topfpflanzengärtnerin, die den Pflanzennamen Eisenhut trägt, ist mit einem grünen Daumen gesegnet. Foto: La Palma 24

 

 

 

Von Gudrun Bleyhl

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