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Die großen Augenblicke sind die, in denen wir getan haben, was wir uns nie zugetraut hätten
Marie von Ebner-Eschenbach

La Palma: Das Zigarrenmuseum von Breña Alta

 

Museo del Puro Palmero in Breña Alta:

Ein Musentempel setzt Rauchzeichen

 

"Auf La Palma trotzen kleine Familienbetriebe dem Gewinnmaximierungs- und Expansionswahn, deren akribische Hingabe bei der Herstellung eher an Künstler, denn an Unternehmer denken lässt." Mit diesen Worten bringt Zigarren-Huppmann Deutschland das Besondere des "Puro Palmero" auf den Punkt. Einige der palmerischen Zigarren können sich mit Premium-Ware aus aller Welt messen. Warum das so ist, beleuchtet auch das "Museo del Puro Palmero" im Breña Alta-Ortsteil San Pedro, indem die Geschichte des Tabakanbaus und der Weiterverarbeitung erzählt wird.

Magischer Saal: Allerhand Infos über Schamanen und Co. Foto: La Palma 24

Das "Museo del Puro Palmero" setzt Rauchzeichen. Weil der heutzutage so umstrittene blaue Dunst in altvorderen Zeiten ein Bestandteil unzähliger Rituale war, widmet ihm das Museum sogar einen eigenen Raum - den "magischen Saal". Hier erfahren die Besucher alles Mögliche zum Thema Rauch, der von Schmanen und Co. bis heute für Vorhersagen, Austreibungen, Regenbeschwörungen und vieles mehr eingesetzt wurde und wird. Und weil die rauchenden Mythen zwar aus der ganzen Welt, hauptsächlich aber aus Amerika stammen, nimmt man an, dass Tabak ursprünglich aus Peru und Equador kam. Allerdings nicht das Wort "Tabak". Dies stammt aus der Karibik, wo ein Y-förmiges Instrument zum Rauchinhalieren ebenso wie eine Blätterzigarre "Tabak" genannt wurden. Diesen Begriff brachten dann die Spanier nach der Entdeckung Amerikas mitsamt den Pflanzen nach Europa. Über den Siegeszug des Rauchens in der alten Welt wird im Zigarenmuseum in Form von Videos, Schautafeln und Exponaten berichtet. Die Videos haben Wahltasten für Deutsch, Englisch und Spanisch. Die Schautafeln informieren nur auf Spanisch, aber deutsch- und englischsprechende Besucher erhalten bei ihrem Rundgang ein Begleitbuch in ihrer Sprache.

Infos per Videos in drei Sprachen. Foto: La Palma 24

 

Darin liest man unter anderem witzige Anekdoten, etwa die von Rodrigo de Jerez. Der Amerika-Pionier kehrte als "Aficionado" - das ist ein begeisterter Raucher - in seine Heimat Spanien zurück - und wurde als Hexer eingesperrt! "Nur der Teufel kann einem Mann die Fähigkeit geben, Rauch aus dem Mund zu spucken", begründetet die Inquisition seine Verurteilung zu 7 Jahren Gefängnis. Besonders fies: Nach der Haftentlassung musste Rodrigo entdecken, dass das Qualmen inzwischen völlig straffrei und obendrein in allen Gesellschaftsschichten schwer in Mode war.

Coole Jungs dereinst bei der Tabakernte. Foto: Museo del Puro Palmero

Paradox ist auch die Geschichte, wie Tabak zu seinem lateinischen Namen "Nicotiana tabacum" kam - zumindest aus heutiger Sicht. Darin ist der Franzose Jean Nicot verewigt, der anno 1560 die berühmt-berüchtigte Katharina von Medici mit blauem Dunst von ihrer Migräne kurierte. Damals waren Raucher noch ganz weit vorn, denn die Medizin entdeckte gerade die Vorteile der Pflanze, die Nachteile des Paffens waren noch nicht erforscht.

Familienbetrieb von einst: Wissen um den Tabakanbau aus Kuba mitgebracht. Foto: Museo del Puro Palmero

Das Museum erklärt freilich nicht nur, wie das Nikotin in den Pflanzennamen gelangte. Ausführlich beschrieben wird natürlich auch, warum es heute so begnadete "Pureros" auf La Palma gibt. Schuld daran ist die Armut auf der Insel, die die Palmeros im 17. und 18. Jahrhundert scharenweise ins Exil nach Kuba und Venezuela trieb. Dort machten die "Canarios" vor allem in der Züchtung von Tabakpflanzen ihre Hausaufgaben - und hatten so bei ihrer Rückkehr allerhand nützliches Wissen im Gepäck. 1881 schrieb der kanarische Emigrant Bello: "Tabak wird auf unseren Inseln wachsen, weil das Klima dem auf Kuba ähnelt."

Trockung des "Hoja Breña": In jeden "Puro Palmero" eingewickelt. Foto: La Palma 24

Er sollte recht behalten. Mitte des 19. Jahrhunderts mauserten sich  Breña Alta, Mazo, Santa Cruz und El Paso aus zu Hochburgen der Tabakwirtschaft, die sich bis 1967 prächtig entwickelte. Dann kam die Blauschimmelplage und machte dem Spaß ein Ende. Erst in den 80ern begann sich die Branche zu erholen. Heute gibt es auf La Palma viele kleine Privatfincas, wobei die Zigarrenroller den Dreh raushaben. Klein aber fein lautet die Devise der "Chinchales", kleine Familienbetriebe, von denen jeder seine eigene Rezeptur ausgetüftelt hat. Sie kombinieren Tabak von La Palma mit importierten Pflanyen in verschiedenen Mischungsverhältnissen.

Fingerfertigkeit und Geschwindigkeit: "Chinchaleros" produzieren bis zu 200 Puros pro Tag. Foto: La Palma 24

Und so wird´s gemacht: Zuerst baut der "Chinchalero" den Zigarrenrohling oder "Tirulo". Dabei mischt er Tabaksorten nach seinem ganz speziellen Rezept und drückt diese "Einlage" mit der Hand zusammen. Enthalten sind das palmerische "Hoja de Breña" und Tabake, die meist aus Kuba, Brasilien, Honduras, der Dominikanischen Republik und Sumatra stammen. Seltsam aber wahr: Für ihre Zigarren weltberühmte Länder wie Kuba, Mexiko oder Spanien gehören nicht zu den Haupt-Tabakproduzenten - die Weltmarkführerschaft beansprucht unter anderen China mit einem Anteil von 35 Prozent für sich.

Doch zurück zum Zigarrendrehen: Der "Purero" schneidet im zweiten Arbeitsgang das "Umblatt" zu und wickelt es um die Einlage. Anschließend wird´s eng für die "Puppen", denn der Zigarrenroller presst sie in 2 Durchgängen in die typisch zigarrische Zylinderform. Nun kommt die Kür - auf La Palma "Torcido" genannt: Der Zigarrendreher schneidet das Deckblatt mit der "Chaveta" zu und rollt es spiralförmig um den gepressten Rohling. Fixiert wird diese "Capa", die dem Aroma den ultimativen Schliff gibt, mit einem Kleber aus Naturstoffen, dem "Poleada". Nun muss der Puro bis zu 2 Monaten ruhen - in sogenannten "Humidoren" bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 72 Grad und einer Temperatur von 16 bis 18 Grad Celsius. Dem "Aficionado" bleibt nun nur noch wenig zu tun übrig: Kappe abschneiden, anzünden und - wie Zigarren-Huppmann sagt - "ein Stück Kultur, einen kleinen Teil heile Welt und eine kleine Dosis Zeit genießen".

 

Das Zigarrenmuseum in San Pedro: Leicht zu finden, denn es liegt direkt auf dem Gelände des Parque de Los Alamos. Foto: La Palma 24

Öffnungszeiten in der Wintersaison: Dienstag bis Samstag von 10 bis 13 Uhr. Sonntag und Montag geschlossen. Angaben der Inselregierung für die Sommersaison 2016 liegen noch nicht vor. Im Zweifelsfall anrufen - Telefon: 922 42 95 67

Das "Museo del Puro Palmero" befindet sich auf der neuen "Plaza de Los Alamos" am nördlichen Ortseingang von San Pedro in der Gemeinde Breña Alta.

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