La Palma: Neues in Sachen Radfahren und Wandern

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Interview mit Philipp Foltz: Transvulcania Bike – MTB-Wegenetz auf La Palma – neuer Shuttle-Service für Wanderer und Radler

 

„Die Transvulcania Bike bietet Schmankerln,

könnte aber noch krasser sein“

 

Auf La Palma hat sich seit unserem letzten Interview mit Philipp Foltz von Atlantic Cycling in Sachen Mountainbiken und Wandern einiges getan: Im September 2017 fällt der Startschuss zu den Rennen der ersten Transvulcania Bike, es gibt einen neuen Shuttle-Service, der insbesondere für Radler, Wanderer und Paraglider interessant sein dürfte, und Philipp kommentiert die Akzeptanz des im Juni 2015 eröffneten MTB-Wegenetzes auf La Palma.

 

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La Palma: Ein Paradies für Wanderer und Mountainbiker. Fotos: Kirsten Sorries, Philipp Foltz

Philipp, fangen wir mit dem Streckennetz für Mountainbiker an, das vor zwei Jahren von der Inselverwaltung eingerichtet wurde. Dieses Pilotprojekt bietet von der gemütlichen Familientour bis zum Downhill alle möglichen Trails. Was hörst Du über dieses Angebot, das ja das Ziel hatte, die Stahlrosskapitäne von den Wanderwegen fernzuhalten, weil´s dort öfter Stress zwischen Radlern und Fußgängern gibt?

Philipp: Das MTB-Wegenetz wird teilweise genutzt, das sehe ich immer wieder. Ich habe erst kürzlich selbst eine Tour mit einer Familie vom Refugio über die Cumbre bis zum Reventón gemacht, die sehr gut ankam. Leider sind die Strecken nicht optimal auf die Bedürfnisse aller Radler zugeschnitten: Das Problem ist, dass insgesamt nur 140 Kilometer zur Verfügung stehen, und es ist schwer, da die ganze Fahrradwelt auf La Palma reinzupacken. Wenn man das mit Wegenetzten in anderen touristischen Zielen für MTBler vergleicht, ist das deutlich zu wenig, vor allem im sportlichen Bereich.

Philipp und seine Lebensgefährtin Acerina in ihrem Office in Puerto Naos: Jede Menge Platz für die Bike-Reparatur und zum Fachsimpeln. Fotos: La Palma 24

Philipp und seine Lebensgefährtin und Fachfrau für Transport-Logistik Acerina in ihrem Office in Puerto Naos (mittlere Straßenreihe, im ehemaligen Maxcoop-Supermarkt von Andrea): Jede Menge Platz für die Bike-Reparatur und zum Fachsimpeln – Leute mit Kids können die Kleinen solange in der Spielecke klettern lassen (siehe oben). Fotos: La Palma 24

Gibt es weitere Projekte für Bike-Strecken?

Philipp: Im Moment gibt es in verschiedenen Gemeinden kleine Projekte, die später im ganzen betrachtet sicher interessant werden. Wir arbeiten darüber hinaus mit allen Reiseveranstaltern zusammen nach wie vor an einer Lösung für die gemeinsame Wegnutzung auf einem Großteil der Wanderwege.

Nach 20 Jahren im MTB-Tourismus bin ich zu 100 Prozent überzeugt, dass Radler und Wanderer friedlich gemeinsam Wege nutzen können, wenn man sich gegenseitig respektiert. Das funktioniert aber nicht über Baumaßnahmen, damit der Radler noch schneller runterdüsen kann. Eher im Gegenteil, man muss die MTBler zwingen, langsamer zu fahren. Generell gilt: Je schwieriger der Weg ist, desto langsamer muss der Radler fahren und desto einfacher ist das Zusammenleben mit den Wanderern. Das Thema des Respekts zwischen Wanderern und Bikern ist übrigens dank einer Initiative in der Schweiz sogar schon beim Playmobil angekommen (siehe Foto oben). Was wir aber auf La Palma definitiv brauchen, sind ein paar exklusive Strecken für die Downhill-Szene, wo sich diese Cracks richtig austoben können, ohne dass sie Wanderer über den Haufen fahren.

Apropos Radler und Wanderer: Diese beiden Gruppen haben sogar ein gemeinsames Problem im Blick auf Strecken, die keinen Rundkurs bilden, sondern an Punkt A beginnen und an Punkt B ganz woanders enden. Deine Freundin hat kürzlich einen Shuttle-Service ins Leben gerufen, der dieses Problem löst…

Acerina und ihre tolle Idee für Wanderer, Biker, Paraglider und viele mehr: Der Aceshuttle bringt sie zum Start oder holt sie am Ziel ab, und auf Wunsch gibt´s auch edle Ergänzungen wie etwa ein Sektchen. Fotos: La Palma 24, Philipp Foltz

Acerina und ihre tolle Idee für Wanderer, Biker, Paraglider und viele mehr: Der Aceshuttle bringt sie zum Start oder holt sie am Ziel ab, und auf Wunsch gibt´s auch edle Extras an Bord wie etwa ein Sektchen. Fotos: La Palma 24, Philipp Foltz

Philipp: Genau, Acerina kennt sich damit aus, denn sie hat schon jahrelang den Transport für meine Atlantic Cycling-Biker organisiert. Außerdem hat sie auf Teneriffa eine Ausbildung zur Transportkauffrau absolviert. Die Idee für ihre Aceshuttle genannte Firma hatte sie schon damals und sogar ihre Abschlussarbeit darüber geschrieben – jetzt hat sie sie realisiert.

Fragen wir sie doch direkt… Wie funktioniert Dein Aceshuttle, Acerina?

Acerina: Die Grundidee ist, dass die Leute überall hinkommen – selbst zu weit abgelegenen Start- und Zielpunkten im Norden der Insel – und die Landschaft auf La Palma genießen können. Man kann unseren Service am besten mit dem Klassiker – der Vulkanroute – erklären, bei der man beim Refugio de El Pilar auf der Cumbre startet und im Süden in Fuencaliente sein Ziel erreicht. Deshalb kommen Wanderer, Mountainbiker und Paraglider in unser Büro in Puerto Naos, das wir im ehemaligen Maxcoop-Supermarkt von Andrea eingerichtet haben, oder setzen sich mit mir per Telefon oder E-Mail in Kontakt. Dann machen wir aus, wo und wann sie hingebracht und/oder abgeholt werden wollen. Alles wird geplant, und wir erarbeiten einen Vertrag, wobei wir auf Wunsch auch Extras wie kühle Getränke an Bord oder zum Beispiel einen Empfang am Ziel mit kleinen Stärkungen oder Sekt bieten. (Anmerkung der Redaktion: Das ist noch lange nicht alles, alle Möglichkeiten des Aceshuttle kann man auf der Website von Acerina studieren).

Das hat also mit dem Service, wie ihn Taxis bieten, gar nichts zu tun?

Acerina: Nein, bei uns ist normalerweise alles geplant, und die Aceshuttle-Lizenz gilt inselweit, wir sind nicht an Gemeinden gebunden und dürfen überall abladen und einladen, sogar am Flughafen. Unsere drei Fahrzeuge bieten eine Kapazität für bis zu 21 Personen – das ist auch eine schnelle und exklusive Alternative zu langwierigen Bustransfers vom Flughafen.

Exklusiv ist wohl das Schlüsselwort: Gehe ich recht in der Annahme, dass Eure Dienstleistungen etwas teurer sind als Busfahren?

Philipp: Richtig, Aceshuttle ist kein Billigservice und auch nicht wirklich als Konkurrenz zu den Taxis zu sehen. Bei uns genießt man die Fahrt und individuell vereinbarten Zusatzkomfort, wobei die Preise grundsätzlilch von der Strecke oder von den Stunden abhängen. Interessant ist der Shuttle natürlich für Radler und Wanderer, denn die schönsten Touren auf La Palma sind alles One-Way-Strecken. Da geht es Radlern, Wandern und natürlich auch Paraglidern gleich. Insbesondere beim Radfahren gibt es nichts Schöneres als erst mal eine Ausgangshöhe zu haben, noch ein paar Höhenmeter zu machen und dann bis Puerto Naos ans Meer runterzufahren.

Apropos schöne Mountainbike-Strecken: Das Cabildo von La Palma hat nach dem Erfolg der Transvulcania für Trailrunner nun eine Transvulcania für Biker ins Leben gerufen. Die Premiere findet am 30. September 2017 statt und bietet der MTB-Szene einen Königstrail K75, eine 30-Kilometer-Route, ein Rennen für Kids und einen Downhill. Philipp, wie beurteilst Du diese Idee der Transvulcania Bike als Insider?

Transvulcania Bike: Premiere des MTB-Rides über die Vulkane von La Palma ist im September 2017. Fotos: TRV Bike

Transvulcania Bike: Premiere des MTB-Rides über die Vulkane von La Palma ist im September 2017. Fotos: TRV Bike

Philipp: Das ist eine großartige Initiative und ich hoffe, dass die Premiere ein Erfolg und die Transvulcania Bike ein fester Bestandteil der Sportevents auf La Palma werden. Auf der Website habe ich einige Schmankerln entdeckt, rein vom Fahrtechnischen sind die Strecken nicht einfach. Der 75-K-Ultratrail dürfte meiner Meinung nach sogar noch länger sein, die TRV-Bike-Organisatoren könnten sich ruhig über die 100-Kilometer-Marke trauen, wenn sie sich mit den traditionellen Großveranstaltungen auf dem Festland messen möchten. Ich denke da an den Gardasee-Marathon mit 120 Kilometern oder an die Salzkammergut-Trophy, deren A-Strecke über 210 Kilometer geht… Diese Veranstalter trauen sich, alles durch sehr alpines Gelände zu führen, denn die Cracks suchen die Herausforderung weit oben auf dem Berg. Absolut mithalten kann in diesem Sinne der bei der Transvulcania Bike organisierte Downhill: Da geht es 1.896 Tiefmeter vom Pico de La Nieve hinunter nach Santa Cruz de La Palma. Das ist tatsächlich eine der anspruchsvollsten Rennstrecken in Europa und dürfte mit Sicherheit international Beachtung finden.

Gibt´s denn gar nichts zu meckern?

Philipp: Nun, man kann immer Fehler suchen und sagen, das kann man besser machen. Aber die Transvulcania Bike startet ja jetzt erst mal durch… Problematisch könnte nur der Termin am 30. September 2017 sein, denn da ist die Bike-Saison in Mitteleuropa noch voll im Gange, und der Wettkampfkalender auf dem Festland geht bis Ende September. Die Strecken der Transvulcania Bike sind zwar für den Anfang gut gewählt, aber ob Mountainbiker aus Deutschland oder Österreich zu diesem Termin extra dafür nach La Palma fliegen, wage ich noch zu bezweifeln. Um gegen die mitteleuropäische Konkurrenz der MTB-Veranstalter zu bestehen, müssten die Renntrails der TRV Bike insgesamt noch krasser sein. Ich hoffe, dass sich da in Zukunft etwas bewegt, denn La Palma braucht solche Veranstaltungen. Ach ja, fast vergessen: Dass die Website der Transvulcania Bike bisher nur auf Spanisch vorliegt, macht den internationalen Start auch nicht einfacher. Ich persönlich muss dauernd interessierten Leuten alles erklären, was mich viel Zeit kostet. Den Internet-Auftritt wenigstens auf Englisch zu bringen, wäre schon sehr hilfreich – für mich und Mountainbiker in aller Welt (lacht).

Danke Philipp für das aufschlussreiche Gespräch – bis zum nächsten Mal bei der Transvulcania Bike am 30. September 2o17!

 

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