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La Palma – Teneriffa: Wale und Delfine

6. Dezember 2011 GUDRUN 10 Kommentare / Jetzt kommentieren!

La Palma - Teneriffa: Wale und Delfine

Wissenschaftler fragen: Darf man "die Menschen des Meeres" gefangenhalten?

Nach dem Artikel von La Palma 24, der das Pro und Kontra von Whale-Watching in den Meereswelten der Kanarischen Inseln unter die Lupe nahm, geht es nun um Delfine in Gefangenschaft. Vorwiegend Große Tümmler und Orcas, die beide zoologisch zur Gruppe der Delfine und die wiederum zu den Zahnwalen gehören, tanzen in den Show-Parks nach der Pfeife des Menschen. Welch unnatürliches und lebensverkürzendes Dasein die Meeressäuger in diesen Einrichtungen fristen, beschreibt eine neue  Studie zweier ehemaliger Seaworld-Trainer. Dabei halten es zuständige Wissenschaftler heute für erwiesen, dass Delfine empfindsame, intelligente Lebewesen mit Selbstbewusstsein sind – die Gegenstücke des Menschen im Wasser.

Große Tümmler in Freiheit. Foto: Millard-Dawe/WDCS

Meeresbiologen und Ärzte, aber inzwischen auch Wissenschaftler anderer Fakultäten, stellen die Delfinarien an den Pranger: „Ist der aktuelle Stand der Interaktion zwischen Mensch und Delfin ethisch akzeptabel?“ hat sich etwa der Philosoph Thomas I. White gefragt. Nach intensivem Studium der Cetaceen zog der Professor in Business Ethics an der Loyola Marymount University Los Angeles, Kalifornien, ein aufsehenerregendes Fazit: „Delfine sollten als nichtmenschliche Personen betrachtet werden“. Dementsprechend sei es falsch, die Meeressäuger zu fangen, zu  verletzen und zu töten. Und so vergleicht White das aktuelle Verhältnis von Mensch zu Delfin mit der„Beziehung zwischen Weißen und Schwarzen vor zwei Jahrhunderten“.

Vor rund 200 Jahren blickte auch der damals als gelehrtester Mann der Welt gehandelte Alexander von Humboldt um rund zwei Jahrhunderte zurück und machte 1799 während seiner Teneriffa-Reise diesen Tagebucheintrag: „Im 15. Jahrhundert holten sich fast alle Handelsvölker Sklaven... zu jener Zeit hatte man noch nicht zu beweisen versucht, dass der Neger ein Mittelding zwischen Mensch und Tier ist“. Das war damals der neueste Stand der Erkenntnis, den wir im Jahr 2011 schlicht als rassistisch betrachten. Könnte es also sein, dass unsere Nachfahren in 200 Jahren unsere heutige Einstellung zu Walen und Delfinen ebenso bewerten und uns für arrogant und borniert halten werden?

Born to be wild: Orcas machen große Sprünge und schwimmen zig Kilometer am Tag - die Delfinarien dagegen sagen, dass ihre begrenzten Becken viel Raum zum Schimmen böten. Foto: Sato/WDCS

Einiges spricht dafür – immerhin liegen unserer Generation Beweise vor, dass Delfine fortgeschrittenes Bewusstsein und Moralverständnis zeigen – Eigenschaften, die traditionell nur dem Menschen zugeschrieben werden. Delfine nehmen ihre Umwelt bewusst war und erkennen sich selbst. Sie zeigen Freude, Trauer und andere Gefühle. Sie lösen komplexe Probleme und lernen durch abstraktes, innovatives und kreatives Denken. Sie gebrauchen Werkzeuge, und sie arbeiten mit Grundelementen der menschlichen Sprache wie beispielsweise Grammatik. „Der beste Beweis ist jedoch ihr hoher Level an sozialer Intelligenz“, so Thomas White. „Delfine kooperieren miteinander, sie vermeiden es, dass Aggressionen außer Kontrolle geraten, und sie wenden viel Zeit und Energie auf, um enge Bindungen zwischen den Gruppenmitgliedern zu schaffen.“

Wichtig für Delfine: das Zusammenleben mit der Familie. Foto: Fancy

So leben die Meeressäuger in Freiheit in hochkomplexen sozialen Gemeinschaften – und das ihr ganzes Leben lang. „Nicht zuletzt deshalb ist es grausam sie einzusperren“, kommt der Meeresbiologe Fabian Ritter vom Verein M.E.E.R. Berlin auf das Zusammenpferchen von Delfinen unterschiedlicher Schulen in Tierparks zu sprechen.  „Denjenigen, die nicht in Gefangenschaft geboren wurden, ist die Gruppe unbekannt, ihnen fehlen Familie und soziale Partner, und sie sprechen vielleicht sogar einen anderen Dialekt.“ Sprich: Sie sind mit „Fremden“ zusammengesperrt – und das auf engstem Raum. In freier Wildbahn legen Delfine täglich zig Kilometer zurück und tauchen mehrere 100 Meter tief. Dessen ungeachtet behauptet der Loro-Parque Teneriffa auf seiner Website, das 8 bis 12,5 Meter tiefe und 120 Meter lange Becken böte den Orcas „ein großes Zuhause, damit sie in aller Ruhe so viel sie wollen schwimmen und spielen können“.

Schwertwal Tilikum treibt im Beobachtungsbecken. Foto: TheOrcaProjekt

Wie sich das unnatürliche
Leben in Gefangenschaft auswirkt, zeigt eine neue Studie.  Der Arzt Jeffrey Ventre und der Biolologe und Pharmakologe John S. Jett kombinierten ihre Beobachtungen aus ihrer Trainerzeit bei SeaWorld Florida mit vorhandenen Statistiken ab dem Jahr 1977 und berechneten daraus die durchschnittliche Lebensdauer in Gefangenschaft von Orcas weltweit. Schockierendes Ergebnis ihrer „Mean Duration of Captivity“ (MDC) genannten Erhebung: „Schwertwale haben eine MDC von weniger als neun Jahren, unabhängig ob sie aus dem Meer stammen oder in Gefangenschaft geboren wurden“. Zum Vergleich: Im Ozean können Orca-Bullen bis zu 30 Jahre und Orca-Weibchen deutlich über 50 Jahre alt werden.

Orca Rückenflosse: in Gefangenschaft geknickt. Foto: TheOrcaProject

Mehrere Faktoren dürften dazu beitragen, die Lebenserwartung der eingesperrten Meeressäuger so drastisch zu verkürzen. Etwa die fehlende Bewegung in zu kleinen Becken, in denen die Orcas laut Jeffrey Ventre und John Jett „stundenlang an der Oberfläche treiben“. Tiershow-Befürworter argumentieren, dies würde durch das Trainieren der Kunststücke wieder ausgeglichen. Die beiden SeaWorld-Beobachter dagegen vermuten, dass das stundenlange Dümpeln zu Lasten von Kondition und Gesundheit gehe.  Das Problem sei der Beweis: „Es gibt kaum langfristige Untersuchungen, da nur wenige gefangene Schwertwale alt werden“. Nachgewiesen ist dagegen laut Ventre und Jett, dass die aus dem Film „Free Willy“ bekannte geknickte Rückenflosse der Orcabullen vom Obentreiben kommt. Sie sei bei 100 Prozent der gefangenen Orcas zu sehen, in Freiheit dagegen nur bei circa einem Prozent. Kein Zweifel besteht überdies, dass sich die Meeressäuger in Delfinarien einen Sonnenbrand zuziehen.

Kaputte Zähne: Gefangene Orcas beißen in Beckenbegrenzungen - unangenehme Behandllungen sind nötig. Foto: TheOrcaProject

Deshalb werden sie von ihren Betreuern mit Sonnencreme eingerieben. Aber die medizinische Vorbeugung und Versorgung,
die oft als Argument pro Delfinarien angeführt wird, nimmt noch ganz andere Ausmaße an. Die beiden ehemaligen SeaWorld-Trainer berichten, dass die Orcas „Pillen im Morgenfutter“ bekommen – zum Beispiel gegen Entzündungen, gegen Pilze und vorsorglich etwas gegen Stress. Ventre und Jett nennen den Grund: „Stressbedingte Magengeschwüre sind bei eingesperrten Säugetieren üblich“.  Wie sich das Füttern von toten Fischen auf Mägen und Lebenserwartung von gefangenen Delfinen auswirkt, sei ebenfalls nicht detailliert erforscht – in der Natur steht lebender Fisch auf dem Speisezettel. Unklar sind auch die Effekte des „Chemie-Cocktails“ im Pool, der Gifte und Bakterien abtöten soll und von den Orcas eingesaugt wird.

Opfer eines Dominanzkampfes: Kandu V verblutete. Foto: TheOrcaProject

Stress, Langeweile und zuwenig Auslauf gipfeln nach Expertenmeinung in Aggressionen. Die äußern sich in verschiedenen Formen.

Stufe 1: Orcas beißen nach Beobachtungen von Ventre und Jett in die Stahltore der Becken, die sie voneinander trennen, wenn sie nicht auftreten. Deshalb haben fast alle gefangenen Orcas kaputte Zähne, die sich entzünden und unangenehme Behandlungen erforderlich machen.

Aggressionsstufe 2: Kommen die Schwertwale miteinander in Kontakt, werden Ventre und Jett zufolge soziale Machtkämpfe ausgetragen – in Form von Beißen, Kratzen und Rammen. Infolge eines solchen Dominanzkampfes sei zum Beispiel das SeaWorld-Orca-Weibchen Kandu V, erst knapp zwölf Jahre alt, vor den Augen des Publikums verblutet.

In Aggressionsstufe 3 greifen gefangene Orcas sogar Menschen an. Die „Whale and Dolphin Conservation Society“ (WDCS) listet auf ihrer Website 40 Zwischenfälle auf. Bekanntestes Beispiel: der Schwertwalbulle Tilikum, der in den Tod von drei Menschen verwickelt ist. 1991 fiel eine Trainerin im amerikanischen Marineland of thePacific ins Wasser und wurde von Tilikum und zwei Orcaweibchen solange unter Wasser gezogen, bis sie starb – 1992 wurde dieser Themenpark geschlossen. Tilikum kam daraufhin nach SeaWorld Florida, wo 1999 ein toter Besucher in seinem Becken gefunden wurde. Der Mann hatte sich dort über Nacht unerlaubt aufgehalten, war dem medizinischen Bericht nach ertrunken und wies Bisswunden auf.

Alexis Martínez und Dawn Brancheau. Foto: TheOrcaProject

Im Februar 2010 tötete Tilikum seine Trainerin Dawn Brancheau in SeaWorld Florida während einer Show. Nur zwei Monate zuvor – im Dezember 2009 - brachte der Orca Keto im Delfinarium des Loro-Parque Teneriffa seinen Trainer Alexis Martínez ums Leben. Dort hatte es schon ein Jahr nach der Eröffnung 2006 einen schweren Zwischenfall gegeben, als der Schwertwal Tekoa mit seiner Trainerin Claudia Vollhardt kollidierte und sie schwer verletzte.

John Jett, ehemaliger SeaWorld-Trainer, Biologe und Pharmakologe. Foto: TheOrcaProject

Die Betreiber sprechen von „Unfällen“. So behauptet SeaWorld etwa im Fall von Dawn Brancheau, Tilikum hätte sich in ihrem Pferdeschwanz verhaspelt und sie so ins Wasser gezogen. Zeugenaussagen und Filme belegen dagegen, dass er sie direkt am Arm gepackt hatte. So kommen Ventre und Jett in ihrer Studie aufgrund von Arzt- und Gerichtsmedizinerberichten zu dieser Schlussfolgerung: „Weder der Tod von Dawn Brancheau noch der von Alexis Martínez war ein Unfall, beide wiesen massive Traumas auf.“ Courtney Vail, Expertin für Gefangenhaltung bei der WDCS, war beim Hearing zwischen SeaWorld Florida und der „Occupational Health and Safety Administration“ (OSHA) zum Tode von Dawn Brancheau dabei und berichtet folgendes: „SeaWorld behauptet, Orcas wären berechenbar. Wenn das System versagt, wie es das viele Male getan hat, schiebt SeaWorld das auf Trainerfehler und macht weiter, auf einem Auge blind für die Hauptursache der Katastrophen: Der Stress der Gefangenschaft ...“.

Stress ist für Orcas vor allem die Trennung von der Familie. Darauf nehmen die Betreiber der Delfinarien jedoch wenig Rücksicht, wie der „Lebenslauf“ des Orcabullen Keto zeigt: Nach seiner Geburt in SeaWorld Florida 1995 wurde er nach Angaben der WDCS nach SeaWorld Kalifornien, anschließend nach SeaWorld Texas und 2006 in den Loro-Parque verlegt – 2009 tötete er Alexis Martínez. „So zu tun, als ob das Wohlergehen der Meeressäuger nicht wichtig wäre, ist die Wurzel des Problems“, konstatiert Courtney Vail. Und der Meeresbiologe und Cetaceen-Experte Fabian Ritter ergänzt: „In freier Wildbahn ist kein einziger Fall bekannt, bei dem Orcas einen Menschen angegriffen haben“.

The Show must go on... Foto: WDCS

Warum also geht die Show immer weiter? Warum sind selbst die bereits aggressiv aufgetretenen Schwertwale noch dabei? „Delfinarien sind ein Millionengeschäft“, verweist Meeresbiologe Ritter auf des Pudels Kern. „Über kurz oder lang gehen auch die kritischen Tiere wieder in Nutzung, sie werfen als Showstars einfach zu viel Geld ab, als dass man sie dauerhaft in Quarantäne setzen könnte, was nur Kosten verursachen würde. Delfinarien sind wirtschaftlich agierende Einheiten, und Gewinn ist meist die Handlungsmaxime.“

In dieser Hinsicht war der holländische Gerichtsentscheid vom 21. November 2011 wohl ein wertvolles Geschenk für den Loro-Parque.

Walmädchen Morgan ist jetzt im Loro-Parque. Foto: FreeMorganFoundation

Das Gericht hatte verfügt, das im Juni 2010 vor der niederländischen Küste gestrandete Orca-Mädchen Morgan vom Tierpark Hardewijk nach Teneriffa zu verlegen. Hochrangige internationale Experten, die sich in der „Free-Morgan-Foundation“ zusammengeschlossen hatten, sind entsetzt. Etwa Jean-Michel Cousteau: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass man auch nur in Erwägung zieht, Morgan an eine Einrichtung zu exportieren, ohne deren Größe zu beachten, wenn ganz klar die beste Möglichkeit für Morgan ist, sie mit einem gut gemanagten Plan wieder auszusetzen.“ So hatten die Walforscher dem Gericht einen detaillierten Stufenplan vorgelegt, nach dem Morgan Schritt für Schritt in einem abgesperrten Meeresareal in Norwegen kontrolliert in die Freiheit hätte entlassen werden können. Die vom Delfinarium Harderwijk einberufenen Experten argumentierten, dies sei nicht möglich und bekamen Recht.

„Es enttäuscht uns besonders, dass gerade ein Land wie die Niederlande, das für sein humanes und tierschützerisches Engagement bekannt ist, dies zugelassen hat“, kommentierte die WDCS das Urteil. Dass das Gericht gegen eine Auswilderung entschieden hat, basiert nach Ansicht der neuseeländischen Meeresbiologin und Walforscherin Dr. Ingrid Visser unter anderem auch auf „Einschränkungen im europäischen und nationalen Gesetz“.

Publikumsclowns in engen Becken: Ist das artgerecht? Foto: TheOrcaProject

Dabei spricht das europäische
Gesetz grundsätzlich Klartext: Zum einen verbietet es den Handel mit Delfinen zu kommerziellen Zwecken, zum anderen verlangt es, sie entsprechend ihrer Bedürfnisse zu halten. Da inzwischen als nachgewiesen gilt, dass Gefangenschaft die Lebenserwartung verkürzt, präsentierten die WDCS und 25 andere Nichtregierungsorganisationen den zuständigen EU-Kommissaren im Juni 2011 eine Petition „Für eine EU ohne Delfinarien“ mitsamt einem Bericht über die Zustände in 18 dieser Einrichtungen. Derzeit leben 289 Wale und Delfine in 35 Anlagen in 15 europäischen Ländern – weltweit zählt man rund 1.500 gefangene Cetaceen. Antwort der Kommissare: „Lizenzen werden von den Ländern vergeben, wir erwarten von den Autoren, dass sie mit den Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten.“

Zwölf EU-Länder haben den Delfinarien bereits die rote Karte gezeigt, darunter England mit einst 30 Einrichtungen. In Deutschland gibt es noch drei Tiergärten mit Delfin-Shows in Nürnberg, Duisburg und Münster, wobei der Allwetterzoo Münster sein Delfinarium bis Ende 2012 schließen will. Seelöwen sollen die Schau übernehmen. Zoodirektor Jörg Adler blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich bin guter Dinge, dass es unterm Strich keinen Attraktivitätsverlust gibt“. Dagegen argumentierte der Direktor des Nürnberger Tiergartens Dag Encke in einem Focus-Interview, dass Artenschutz nur vermittelt werden könne, wenn etwa die beliebten Delfine gezeigt würden: „Mit dieser Tierart gewinnen wir Menschen auch für andere Tiere“. Aber muss das wirklich live und in engen Becken passieren? Thomas White schlägt vor, stattdessen Filme mit Videotechnologien wie IMAX über Wale und Delfine in freier Wildbahn zu zeigen. Durch die Riesenleinwände und den sogenannten Vektions-Effekt fühlen sich die Zuschauer dabei wie Akteure im Film.

Ric O´Barry. Foto: SaveJapanDolpins

Ric O´Barry. Foto: SaveJapanDolpins

„Centro educativo al lado del mar“ – Bildungszentrum am Meer – nennt sich denn auch der Loro-Parque Teneriffa. Im gleichen Atemzug versprechen die Betreiber in ihrer Werbung die „spektakulärste Orca-Show Europas“. SeaWorld wirbt auf seiner Website ebenfalls mit dem sensationslüsternen Begriff „Killerwale“ statt Orcas für seine Shows. „Hier geht es nicht um Bildungsarbeit, sondern nur um Unterhaltung“, sagt die WDCS. Ric O´Barry, der in den 60er Jahren „Flipper“ trainiert hatte, sieht das genauso: „Delfine gehören in die Meere und nicht zu unserer Belustigung als Clowns in eine Show.“  Darüber hinaus erkennt er ein weiteres Problem: „Das Publikum lernt, dass es okay ist, die Natur zu missbrauchen. Jede intelligente Person, die eine Delfin-Show sieht, muss ehrlicherweise zugeben, dass sie ein Spektaktel der Dominanz gesehen hat. Es lehrt uns, dass Herrschaft gut und richtig ist und funktioniert.“

Der einstige Flipper-Trainer gründete 1970 das „Dolphin Project“, kämpft seitdem gegen Delfinarien und rüttelte mit seinem Oskar-prämierten Film „The Cove“ – „Die Bucht“ - eine breite Öffentichkeit für die blutige Treibjagd im japanischen Taiji wach. Bis heute scheuchen dort Kutter ganze Schulen in eine abgesperrte Bucht und schlachten die meisten Delfine ab, um ihr Fleisch zu verkaufen. Nur die schönsten Exemplare  werden verschont: „Taiji ist der weltweit größte Umschlagplatz für lebende Delfine“, berichtet der Schweizer Journalist Hans Peter Roth. Ein Bombengeschäft: „Für Große Tümmler in gutem Zustand geht man von Preisen bis zu 100.000 US-Dollar aus“, weiß Meeresbiologe Fabian Ritter. Das „Save-Japan-Dolphins-Projekt“ hat unter der Federführung von Ric O´Barry inzwischen rund zwei Millionen Unterschriften gesammelt, die US-Präsident Barack Obama und Japans Botschaft in den USA vorgelegt werden sollen, um das Massaker zu beenden.

Ric O´Barry mit "lächelndem" Delfin.

Neben diesem Projekt ist das erklärte Ziel des ehemaligen Flipper-Trainers Ric O´Barry nach wie vor, alle Delfine und Orcas aus der Gefangenschaft zu befreien, die in freier Wildbahn als überlebensfähig gelten. Grund: Er fühlt sich mitverantwortlich für die „Liebe“ der Menschen, die den Nachfahren von Flipper zum Verhängnis wurde. Schuld daran ist nicht zuletzt deren Gesichtsausdruck, der uns glauben macht, sie lächelten. Aber Delfine “lächeln“ immer, selbst dann noch, wenn sie in Taiji geschlachtet werden. Im Blick auf gefangene Meeressäuger ist Ric O´Barry sicher, „dass sie niemals Frieden finden, solange sie nicht in Freiheit leben.“

Thomas I. White schrieb das Buch "In Defense of Dolphíns".

Das mit der Freiheit ist freilich nicht so einfach. Thomas White: „Es gibt keine perfekte Lösung für die Delfine, die aktuell in Gefangenschaft leben. Für bestimmte Individuen ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie darauf trainiert werden können, wieder wild zu leben, und man sollte sie realistischerweise dort lassen, wo sie sind.“ Genehmige man jedoch keine neuen Delfinarien, erledige sich die Sache in 40 bis 50 Jahren quasi von selbst – der internationale Genpool sterbe aus. Schon jetzt haben die Delfinarien Probleme mit „frischen“ Genen, zumal aufgrund der immer kritischeren Öffentlichkeit seit langer Zeit kein Orca mehr für Show-Zwecke gefangen werden konnte. So kommt´s, dass Tilikum der Vater jeder Menge „Showstars“ ist. Auch in Teneriffa hat er zwei Söhne und eine Tochter: Keto, Tekoa und Skyla. Alle gehören übrigens SeaWorld, auch die Loro-Parque-Orcadame Kohana und das von ihr 2010 geborene und sofort verstoßene Orcababy Adán.

Der Mensch entwickelte Werkzeuge - Cetaceen emotionale Intelligenz. Foto: M.E.E.R. e.V.

Da dürften die „unverbrauchten“ Gene des erst drei Jahre alten Orca-Mädchens Morgan nicht unwillkommen sein. Delfine einzusperren, die ausgewildert werden könnten, erinnert den Arzt Jeffrey Ventre an den Film „Planet der Affen“: „Außer, dass wir diesmal die Affen sind“. Der Philosoph Thomas White regt ebenfalls zum Nachdenken an: „Andere Lebewesen verdienen nicht nur besondere Beachtung, wenn sie uns ähnlich sind – aus diesem Grund müssen wir Anthroprozentrismus vermeiden“. Dieses schöne Fremdwort sagt nichts anderes, als dass der Mensch dazu neigt, sich als das zentrale und bedeutendste Wesen im Universum zu betrachten.

Delfine: Tiere oder "Menschen des Meeres"? Foto: WDCS

Dabei überleben Wale und Delfine seit rund 50 Millionen Jahren. Die „Vormenschen“ dagegen lernten erst vor sieben Millionen Jahren aufrecht zu gehen, und der „Homo sapiens“ hat gerade mal 130.000 Jahre auf dem Buckel. Die Cetaceen haben nach Ansicht von Thomas White vor allem durch ihre emotionale Intelligenz so lange durchgehalten. Menschliche Gehirne dagegen seien mehr auf Detailwissen und Werkzeuge spezialisiert. „Wir können nicht länger behaupten, dass Delfine nur Tiere sind“, zieht Mark Simmonds von der WDCS ein Resümee. „Sie sind weit mehr als das – sie sind die Menschen des Meeres!“

Diesen Artikel haben wir im Jahr 2011 geschrieben - aber er ist immer noch aktuell. Ein Beispiel dafür ist der 2013 in die Kinos gekommene Film "Blackfish" - außerdem haben die Bikers-4-Orcas im Juni 2014 ihre Motoren rings um den Globus angeheizt, um gegen die Gefangenschaft der Cetaceen zu protstieren - auch auf La Palma.

Von Gudrun -

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10 Antworten zu “La Palma – Teneriffa: Wale und Delfine”

  1. Adrienne Bienasch sagt:

    Hallo,

    großartiger Artikel! Hoffentlich regt er auch die Menschen zum Nachdenken und Handeln an, die noch Sea World und Co besuchen!

    Viele Grüße
    Adrienne

  2. Ralf sagt:

    Freeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee Morgan!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. jenni sagt:

    Dieser Artikel ist super. Die Menschen sollten endlich Morgan frei lassen Sie hätte jetzt bestimmt noch eine reale chance in freier Wildbahn zu leben.
    -FREE MORGAN!!!!!!!

  4. sabine Halbig sagt:

    ..mann..das sollten sich alle durchlesen..die bereits in einem Delfinarium gewesen sind..bzw.die, die noch in eins gehen möchten…!!!!

  5. Yasar sagt:

    I just got back from SeaWorld San Diego 3 hours ago. We saw the One Ocean Shamu Show twice! It doesn’t have the trainers in the water but it was amnizag! After doing some research it turns out that the stopped the trainers riding on whales routine because of the danger and accidents happening to the trainers. Then with a new routine that doesn’t involve trainers in the water, we no longer have the Believe Shamu Show but One Ocean Shamu instead. It still rocks!

  6. victorianoir sagt:

    schönes artikel und endlich wird mal das geschrieben wie es wirklich ist und nichts verschönert… diese tiere tun mri einfach nur leid. wenn man sie hinter der scheibe sieht würde man am liebsten rein springen und ihnen sagen das alles Gut wird.

  7. martina stamm sagt:

    Ein hervorragender und ganzheitlich zum Thema verfasster Artikel den jeder lesen sollte! Es ist gut zu wissen, das es Menschen wie Thomas I. White, Ric O’Barry, Jean Michell Cousteau, Fabian Ritter etc. gibt.

  8. Ein super Artikel. Habe leider auch schon solche Orca oder Delphin Shows besucht ( Loro Parque ).
    Was ich nach diesen Zeilen sicher nicht mehr tun werde.

    Leider wird man in solchen Parks geblendet und sogar vorgegaukelt das man auch noch eine gute Tat
    damit vollbringt.

    Ich hoffe das dieses Thema noch mehr in die Öffentlichkeit gerückt wird.
    und werde dieses auch unterstützen. Dieser Artikel öffnet einen die Augen.
    p.s Free Morgan

  9. Eric sagt:

    Im Prinzip sollte man die Verantwortlich der Parks das ganze Leben lang in eine Unterwasser Tauchglocke sperren. Und wenn sie sich vermehren ist der Beweis erbracht das sie sich fort wohl fühlen.

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