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La Palma TransVulcania 2013: Rückblick mit Philipp Reiter

TransVulcania 2013:

„Wir versuchen es gemeinsam zu schaffen“

Start am Leuchtturm: erst laute Musik, dann alles was geht. Foto: Cabildo de La Palma

Die TransVulcania auf La Palma spaltet die Gemüter. Im Blick auf die 83 Kilometer lange Ultramarathon-Strecke mit plus-minus 4.000 Meter Höhenunterschied beurteilen die einen die Läufer als „einfach wahnsinnig“. Eine immer größere Fangemeinde dagegen verfolgt das Rennen mit Spannung auf allen möglichen Kanälen und umjubelt die Trailrunner (siehe unseren Sieger-Artikel). Sind die TransVulcanier wirklich so verrückt? Was treibt sie an? Philipp Reiter vom Team Salomon, der am Samstag, 11. Mai 2013, als Zwölfter und bester Deutscher in Los Llanos ankam, erzählt zusammen mit zwei Kollegen schöne und weniger prickelnde Rennerlebnisse.

TransVulcania La Palma: begeisterte Zuschauer im Refugio El Pilar feuern Philipp an. Foto: La Palma 24

La Palma 24: Philipp bist Du mit Deinem zwölften Platz zufrieden?

Philipp Reiter: Leider ging es mir insgesamt nicht so gut, deshalb konnte ich auch meinen Vorsatz, die 8-Stunden-Marke zu knacken, nicht verwirklichen. Warum, weiß ich auch nicht so genau, vielleicht war´s zuviel durcheinanderessen, vielleicht die Aufregung, ich war einfach die ganze Zeit schlecht, und ich musste fünfmal in die Büsche. Ich bin aber froh, dass es mit Platz 12 so einigermaßen gegangen ist. Eigentlich wollte ich unter die Top 10, aber jetzt muss ich halt nächstes Jahr wiederkommen, sozusagen zwangsweise :0)

Vorjahressiegerin Anna Frost und Philipp im Ziel: Zusammenhalt in der Skyrunner-Familie", die alten Hasen" geben dem "jungen Gemüse" Tipps fürs Training und Rennen. Foto: La Palma 24

 

Wie erlebt eigentlich ein Läufer die TransVulcania?

Philipp: Nun, ich bin um viertel nach drei Uhr aufgestanden, dann fährt man an den Leuchtturm nach Fuencaliente, die Spannung steigt. Dort am Start geht´s dann richtig zu: laute Musik, die Stimmung ist toll, alle haben Stirnlampen auf, dann kommt der Countdown, und es heißt: alles was geht.

Zuerst geht´s ja mal über Fuencaliente zum Refugio El Pilar...

Philipp: Ja, ich war ja schon bei der TransVulcania 2012 dabei, und mich wundert´s immer wieder, was in Fuencaliente morgens um 7 Uhr in der Früh los ist. Da ist alles rappelvoll, das spornt einen an. Vielleicht fast zuviel, immerhin hat man noch einen weiten Weg vor sich.

Thomas Wagner, Team Salomon: Trotz Mega-Problemen durchs Ziel. Foto: La Palma 24

83 Kilometer vulkanauf-vulkanab sind wahrlich kein Pappenstiel, aber man hört, dass sich die Skyrunner-Familie auch gegenseitig hilft...

Philipp: Das ist das Tolle bei unserem Sport. Das ist ein Wettkampf, es wird schon um jede Position gefightet, aber Bergrennen sind auch ein Miteinander. Bei dieser unglaublichen Distanz ist das Ankommen nicht immer garantiert – deshalb versuchen wir, es gemeinsam zu schaffen. Man kommt mit allen super aus, man kennt sich, und hier auf La Palma trifft man Gleichgesinnte und alte Bekannte, und man hat auch Spaß unterwegs...

Vom Teamgeist unter den Athleten kann Thomas Wagner aus Graz, 34 Jahre alt und Kollege von Philipp im Team Salomon Deutschland, ein Lied singen...

Thomas: Die ersten drei Stunden waren bei mir sehr schön, es ging nett und zügig voran, dann bekam ich Krämpfe in den Beinen und hatte ja noch viele Kilometer zu kämpfen. Aber dann hat mich Adam vom Team Kanada aufgeklaubt, und wir sind zusammen weiter. Plötzlich ging´s ihm aber auch schlecht, und er ist einfach umgefallen. Dann kam die Ambulanz, aber Adam wollte nicht ins Krankenhaus. Also bin ich mit ihm nach Tazacorte runtermarschiert, und dann hat er gesagt, es gehe ihm wieder gut, und er wolle weitermachen. Ich hatte immer noch Krämpfe, und nun wollte Adam auf mich warten, weil ich ihm oben geholfen hatte. Aber dann bekam ich Hilfe von den Organisatoren und ließ ihn laufen. Ich bin auch weiter bis Los Llanos gegangen, allerdings bin ich kurz vorm Ziel vor einem Cafe umgefallen. Da sind die Zuschauer gekommen und haben mir Wasser über die Füße geschüttet, und so konnte ich die die letzten Meter ins Ziel wanken (lacht, aber erst beim Interview am Sonntag).

Reha-Maßnahmen am Ziel: Physiotherapeuten und Rotkreuzler haben alle Hände voll zu tun. Foto: La Palma 24

Am Ziel war ja zum Glück ein Rot-Kreuz-Zelt aufgebaut...

Thomas: Ja, die haben mich an den Tropf gehängt, Massieren hat nicht mehr gereicht. Großes Lob an die Helfer vom Roten Kreuz und an die Physiotherapeuten, die waren einfach super. Auch an den Stationen unterwegs war alles perfekt, die Verpflegung war umfangreich, da geht einem nichts ab, und die Helfer waren sehr freundlich.

Philipp, was sagst Du im Blick auf die Probleme der Athleten zur Ankündigung von La Palmas Tourismusrat Julio Cabrera, dass die Ultramarathonstrecke der TransVulcania 2014 auf 100 Kilometer aufgestockt werden soll?

Philipp: Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht. Und den anderen Läufern geht es genauso. Die bisherige 83-Kilometer-Strecke hat sich doch bewährt, es kommen doch genug Teilnehmer, das Rennen vor schon vor Weihnachten 2012 ausgebucht – das ist doch optimal. Vor allem ist diese Distanz bei der Hitze auf La Palma auch von den relativ vielen normalen Läufern noch zu packen, hier tritt ja nicht nur die Ranking-Elite der International Skyrunner Federation an. Und selbst für die ist es uninteressant, ob sie 100 Kilometer schaffen, dabei steigt doch nur die Verletzungsgefahr – und das beim ersten Rennen der Saison. Es könnte sein, dass dieser Schuss nach hinten los geht, vielleicht überdenken die Zuständigen diese Entscheidung nochmal... (Anmerkung der Redaktion: Offenbar ist die Kritik der Sportler angekommen: Julio Cabrera hat seinen 100-Kilometer-Beschluss nach Publizierung dieses Interviews revidiert. Es bleibt 2014 bei den 83 Kilometern, neu dazu kommt 2014 ein 42-Kilometer Marathon.)

Zieleinlauf Philipp Reiter 2013: "alle winken mit den Flyern". Foto: La Palma 24

Beim Zugspitz-Ultratrail, der demnächst in Deutschland stattfindet, wirst Du aber die 100 Kilometer laufen...

Philipp: Ja, zum ersten Mal. Es ist immer schwierig zu sagen, warum man sich das antut. Es geht um die Herausforderung - auch bei den 83 Kilometern auf La Palma . Man will wissen: schaffe ich das und wie schnell? Auch die Spannung vorm Rennen steigt von Tag zu Tag. Und dann kommt der Trail, und alles tut weh, und jedesmal frag´ ich mich unterwegs: wie kannst Du nur so blöd sein? Aber dann kommt man ins Ziel, sieht die Flyer der kommenen Rennen und denkt schon wieder daran, wo man wieder mitmachen will.

Vom begeistertem Publikum kann aber keiner abbeißen...

Philipp: Reich werden ist nicht das Ziel der Trailrunner. Nur ganz wenige, vielleicht fünf oder sechs der Weltbesten, können von Sponsorengeldern leben. Wenn ich aufs Geldverdienen aus wäre, wäre es g´scheiter, ich arbeite die Stunden, die ich laufe, bei McDonald´s. Beim diesem Sport geht es um Idealismus und um die Ehre, selbst die Preisgelder, die aber nur die Top-Läufer erhalten, decken meist nur die Reisekosten.

Vorbild - nicht nur für Philipp: Kilian Jornet, TransVulcania-Sieger 2013. Foto: La Palma 24

Aprops weltbeste Läufer, hast Du Vorbilder im Zirkus der „Himmelstürmer“?

Philipp: Natürlich, zum Beispiel Kilian Jornet, der jetzt die TransVulcania gewonnen hat. Aber man hat nicht nur ein Vorbild, man pickt sich von jedem alten Hasen was raus. Und die Stars reden auch mit den jungen Läufern, sie machen kein Geheimnis mit dem Training.

Wie trainiert man eigentlich einen Ultramarathon?

Philipp: Kurz vorm Rennen laufe ich eher weniger, aber das händelt jeder Läufer individuell anders. Gar nichts zu machen ist schlecht, der Körper fährt dann total runter. Wenn man vorn mitlaufen will, muss man schon ein paar Stunden am Tag trainieren. Es ist schwierig, die Balance zwischen zu viel und zu wenig zu finden. Die Tage vorm Start hier auf La Palma bin ich dann aber jeden Tag nur noch eine bis eineinhalb Stunden gelaufen.

Thomas Bohne, 30 Jahre alt, Münchner aus dem Team Patagonia, weiß ebenfalls um die speziellen Probleme der Vorbereitung:

TransVulcania Finisher Thomas Bohne aus München: "Landschaft genossen". Foto: Gine

Thomas: Die TransVulcania ist halt das erste große Rennen im Jahr. So früh im Jahr ist man die anspruchsvollen Strecken noch nicht gewohnt. Ich habe es aber trotzdem genossen, vor allem die Landschaft und den Sonnenaufgang: da dampft der Nebel im Wald golden zwischen den Bäumen. Das Besondere ist hier aber das starke Feld. Bei kleinen Läufen in Deutschland ist man vorn dabei, aber hier ist es richtig schwer, unter 1.648 Teilnehmern an die Spitze zu laufen. Ich hatte ja gehofft, dass der eine oder andere einbricht, aber bei der TransVulcania geht das nicht so schnell. Hier gibt es so viele erfahrene Athleten, die wissen wie sie sich verpflegen, die laufen entspannt.

Stichwort Entspannung: Wie sieht es denn im privaten Leben der Ultrasportler aus? Bleibt da Zeit für Beziehungen?

Thomas: Ja, meine Freundin läuft auch, wenngleich keinen Ultramarathon. Sie hat Verständnis.

Philipp always on the trail: wenig Privatleben. Foto: La Palma 24

Philipp: Ich habe keine Freundin, dafür bleibt neben Sport und Studium kein Spielraum, um es ernsthaft zu betreiben. Ich kann mir auch schlecht vorstellen, dass ich zu meiner Freundin sagen würde: Ich hätte gerade mal zwei Stunden Zeit für Dich, wie schaut´s aus? :0) Dafür hat meine Familie viel Verständnis für meinen Sport. Wenn es nicht zu weit weg ist, fahren sie sogar mit zu den Rennen und unterstützen mich, wo es nur geht. Mein Freundeskreis ist natürlich auch eingeschränkt auf Leute, die ähnliche Sportarten betreiben. Mit denen trainiere ich dann ab und zu, denn immer allein laufen ist langweilig.

Philipp, eine Frage zum Schluss: Was sind die Unterschiede von der TransVulcania zu anderen Bergrennen?  

Philipp: Das sind die Zuschauer. So eine Begeisterung findest Du nur noch in Italien. Die Fans auf La Palma holen sich das Rennmagazin, suchen sich die Nummern der Läufer und schreien dann beim Zieleinlauf die Namen oder schütten Wasser über dich drüber. Auch die Organisation und Verpflegung ist topp – bis auf die wenigen Toilettenhäuschen am Start. In Amerika dagegen musst Du Dein Essen und Trinken mitnehmen. Dort sind an der Startlinie einfach ein paar Sägespäne aufgeschüttet und irgendwann schreit einer „zehn, neun, acht, los“ – und da machen auch 400 bis 500 Leute mit.

La Palma 24-Interview nach dem Rennen am Sonntag in Tazacorte: auf der Mauer von links nach rechts Thomas Bohne, Philipp Reiter, La Palma 24-Chef Miki und Sohn Dani, Thomas Wagner. Foto: La Palma 24

La Palma 24 dankt den drei Ultra-Trailern für die Einblicke und Tipps.

Philipp Reiter ist 21 Jahre alt, läuft im deutschen und internationalen Team von Salomon, und wurde 2012 dritter in der Ultramarathon-Wertung der International Skyrunning Federation (ISF). Der oftmals „Zauberlehrling“ genannte Youngster wohnt in Bad Reichenhall bei seinen Eltern und studiert an der Uni Salzburg. Bei der TransVulcania 2013 wurde Philipp Reiter von seinen Landsleluten von La Palma 24 gesponsort. Rennzeit von Philipp bei der TransVulcania 2013: 8:03.52.

Von Gudrun -

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2 Antworten zu “La Palma TransVulcania 2013: Rückblick mit Philipp Reiter”

  1. Ebon Talifarro sagt:

    Hey, I’m Ebon Talifarro, my class (8th grade) wants to interview you, would you have time to answer a few questions?

    • admin sagt:

      Dear Mr. Tailfarro,

      we received your comment in the La Palma 24-Journal concerning an interview with the German trailrunner Philipp Reiter. Instead of only publishing this comment I send you the E-Mail-adress of Philipp, so that you are able to contact him directly:info@philipp-reiter.de

      Philipp is very nice guy and I am sure that he will answer your questions.

      Kind regards
      Gudrun Bleyhl
      Editorial La Palma 24-Journal

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