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Johann Wolfgang von Goethe

Wein: Gaby und Hartmut testen den Tagalguén

Titel-Weintour-mit-Schild

Weinreise Teil 1 - die Bodega Juan Jesús Pérez y Adrián:

"Ehrliche Weine mit Charakter"

 

Gaby Koch und Hartmut Berndt urlauben gerne mal auf La Palma. Dabei können es die beiden Experten, die zuhause in Deutschland für den WeinGuide Gault & Millau schreiben, einfach nicht lassen: Auch in den Ferien haben sie verschiedene Vinos de La Palma verkostet sowie ihre Eindrücke zu Papier und mit einem Bewertungssystem von 0 bis 20 Punkten auf den Nenner gebracht. Diese für Weinzähne interessanten Infos veröffentlichen Gaby und Hartmut nun in einer Serie von Gastbeiträgen im La Palma 24-Journal. Der Startschuss zur Tour-de-Bodegas fiel in Garafía bei Jesús Pérez y Adrían und den Kellerschätzen namens Phí und Tagalguén.

 

Juan Jesús Pérez:

Juan Jesús Pérez: Der Weinbauer aus Santo Domingo hat sich dem ökologischen Anbau verschrieben und präsentiert auch Bio-Weine unter der Marke Tagalguén. Foto: Gaby/Hartmut

Im Blick auf den Weinbau auf La Palma gibt es viel zu entdecken: Vorwiegend kleine Bodegas, die in extremem Klima, auf steinigen Vulkanböden oder in Höhen bis zu 1.400 Metern Weinbau betreiben. Zum Vergleich: Der höchste Weinberg Deutschlands liegt auf 526 Metern. Meistens werden auf der Isla Bonita heimische, kanarische Rebsorten angebaut, die mit den besonderen Wachstumsbedingungen zurecht kommen. Dennoch ist der Ertrag der harten Handarbeit oft gering und darüber hinaus von deutlichen Jahrgangsschwankungen betroffen.

Licht und saubere Luft im Norden von La Palma

Die Region um Garafia hat etwas Mystisches. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Licht und die Farben strahlen heller, der Blick reicht weiter als anderswo über das Meer und die wunderschöne Landschaft mit ihrer üppiger Vegetation hinweg. Viele Sonnenstunden soll es hier geben und die steten, kühlenden Elysischen Winde aus Nordost. Dieser Passat strömt frei von Schmutzpartikeln über den Atlantik und ist für die saubere Luft verantwortlich, die den Astrophysikern auf dem Roque de los Muchachos einen klaren Blick ins Universum ermöglicht.

Tagalguén-Vinos: Gaby und Hartmut haben sich ein paar der Schätzchen von Juan Jesús über den Gaumen rinnen lassen. Foto: Gaby/Hartmut

Tagalguén-Vinos: Gaby und Hartmut haben sich ein paar der Schätzchen aus der Nordwest-Bodega Juan Jesús Pérez y Adrián über den Gaumen rinnen lassen und waren sehr angetan: "Die Weine sind charakervoll, authentisch und nicht mainstream-fruchtbetont". Foto: Gaby/Hartmut

Gute Bedingungen auch für den Biowinzer Juan Jesús Pérez. Seine Bodega Juan Jesús Pérez y Adrián liegt versteckt auf dem Weg zum Hafen in Santo Domingo. Die 1.500 Weinstöcke des eigenen Weinbergs stehen gepflegt in Drahtrahmenerziehung in Reih und Glied. Juan Jesús baut hier auf 350 Metern Höhe die Rebsorten Listán Negro und Tintilla de la Palma an. In seiner neuen, größeren Bio-Bodega hat Juan jetzt Listán Negro, Syrah und Tempranillo angepflanzt - 2016 sollen dort die ersten Trauben geerntet werden. Aufgewachsen als Winzersohn in Teneriffa war Juan Jesús früher als beratender Önologe tätig. Dann gründete der studierte Agrarwissenschaftler und Weinbauer ein Weingut auf der bis dahin lange brach gelegenen Finca La Gloria der Großeltern seiner Frau. Juan Jesús hat sich dem ökologischen Anbau und der Nachhaltigkeit verschrieben; er wirkt eins mit der Natur, und diese Harmonie findet sich in seinen Weinen wieder.

Phi: 15 Punkte.

Phi: 15 Punkte.

Die von uns verkosteten Weine haben wir nach einem 20-Punkte-System bewertet, wobei 0 die schlechteste Note und 20 die beste Note ist. Unsere Notizen sind in aufsteigender Folge sortiert:

 

Der „Phi“, ein traditioneller, junger Tinto aus der Rebsorte Listán Prieto, ist ein guter Einstieg. Ein kirschroter Wein, der mit seinen weichen Gerbstoffen und Aromen nach reifen, roten Beeren nicht nur dem palmerischen Geschmack entspricht. Dazu kommen pfeffrige und kräutrige Noten. Uns erinnert er an Lemberger oder durchaus auch an deutschen Spätburgunder. Wir haben ihn mit 15 Punkten bewertet.

Blanco:

Blanco: 15,5 Punkte.

 

 

Den Tagalguén Blanco 2014 erkennt man an der Seeigelschale auf der Flasche. Aus den Rebsorten Listán Blanco und Albillo gekeltert, zeigt er in der Nase florale Noten und Aromen von Zitrusfrüchten. Am Gaumen ist er kraftvoll bei ausgewogener Frische. Wir schmecken Ananas, Steinobst, mineralische Würze und leichte Salzigkeit im Nachhall. Der Wein bereitet Trinkfreude. Wir benoten ihn mit 15,5 Punkten.

Ecológico:

Ecológico: 15,5 Punkte.

 

Der Bio-Wein Tagalguén Tinto Vino Ecológico 2014 ist aus der regionsspezifischen Rebsorte Listán Negro und aus Tintilla gekeltert. Direkt nach dem Einschenken riecht der Wein nach wilder Hefe und Feuerstein. Diese Aromen verfliegen und werden abgelöst von mineralischer Würze, Fleischsaft und reifen schwarzen Beeren. Am Gaumen wirkt er leicht kühl und im Nachhall feinwürzig und etwas salzig. Er ist nicht schwer, aber komplex und hat eine schöne Spannung. Ein toller Wein! 15,5+ Punkte. Übrigens: Joan Gómez Pallarès hat den Tagalguén 2012 in sein Buch "Natürliche Weine in Spanien“ aufgenommen.

 

100%:

100% weiß: 16 Punkte.

Die Albillo- und Listán Prieto-Trauben der beiden eleganten Höhenweine „100% Tagalguén“ wachsen auf über 1.200 Metern auf gleicher Ebene wie die kanarischen Kiefernwälder. Die bis zu 60 Jahre alten Reben ducken sich nahe am Boden, um sich vor den ständigen Winden zu schützen. Dort oben sind die Bedingungen für ökologisches Arbeiten noch besser: Die Winzer, denen die Weinfelder dort gehören, bearbeiten ihre Reben im Auftrag von Juan Jesús nach dessen umweltschonenden Vorgaben. Das Biosiegel tragen die „Bergtrauben“, wie der Tagalguén-Kellermeister sie nennt, jedoch nicht. Geschmacklich tut ihnen das freilich keinen Abbruch. Der 100% Tagalguén Albillo Criollo (barrica) 2011 ist vier Monate im Barrique-Fass gereift. Das gibt dem körperreichen Weißwein die cremigen Aromen von Vanille, Jasmin und weißer Schokolade. Dazu kommt ein Korb von Fruchtaromen: Feige, tropische Früchte, Zitrus. Ausgewogene Säure und feine kräutrige Fenchelnoten. Schade, dass es hiervon nur 282 Flaschen gibt. Aber nicht zu früh öffnen! Das deutliche Holz braucht ein paar Jahre Lagerung bis es sich harmonisch eingebunden hat. 16 Punkte. Wir konnten auch eine Fassprobe des neuen Jahrgangs 2013 probieren, der ab August 2015 auf den Markt kommt. Der neue Jahrgang scheint noch etwas komplexer und vielschichtiger zu werden, also unbedingt den Termin vormerken: 16,5+ Punkte. Übrigens: Man erkennt die beiden Barrique-Weine an dem roten Siegellack und den Ureinwohner-Spiralen auf dem dreieckigen Etikett.

 

100% rot:

100% rot und limitiert: 16,5 Punkte.

Der rote 100% Tagalguén 2011 wird aus Listán Prieto gekeltert, einer Variante des Listán Négro, die weniger fruchtige, dafür aber stärker strukturierte, mineralische Weine hervorbringt. Der Vino ist wohl balanciert und ruht in sich. Dieser Tinto reifte fünf Monate in demselben französischen Barrique-Fass wie der Albillo barrica nach dessen Abfüllung. Dabei verbleibt die Feinhefe vom Albillo „als Starthilfe“ der Gärung im Fass. Der Wein ist elegant und hat eine feine Struktur. Die ausgewogene Säure der Höhenlage macht ihn frisch am Gaumen. Sein Aroma nach Wildkirschen und roten Beeren, die pfeffrig-würzigen sowie mineralischen Noten schmecken noch lange nach. Für uns einer der schönsten Rotweine der Insel. Leider bei diesem Jahrgang auf 699 Flaschen sehr limitiert. Wir geben der von uns verkosteten Flasche Nr. 150 sehr beachtliche 16,5+ Punkte.

 

Tagalguén-Praxis:

Tagalguén-Praxis: 17 Punkte.

Seinen Malvasía dulce nennt Juan Jesús „Praxis“. Denn das Keltern dieses Süßweins erfordert aufwändige Hand- und Fußarbeit: Zuerst rosinieren Malvasía-, Listán Blanco-, Bujariego Blanco-, Marmajuelo- und Sabro-Trauben in der Sonne. Dann werden die Rosinen mit den Füßen gepresst und zu einer bernsteinfarbenen Weinessenz mit 100 Gramm Restzucker pro Liter vergoren. Der Ertrag ist gering, aber auch dadurch ist das Aroma nach getrockneten Feigen, Nüssen und Rosinen so intensiv und wunderbar. 17 Punkte.

 

Fazit: Unser zweiter Besuch der Bodega in diesem Jahr bestätigt unseren sehr guten ersten Eindruck von vor zwei Jahren. Die Weine sind charaktervoll, authentisch – nicht „mainstream“-fruchtbetont. Sie sind ehrlich, wollen nicht um jeden Preis gefallen, was uns wiederum an ihnen gefällt. Die Weine der Bodega Juan Jesús Perez y Adrian stehen ganz weit oben auf unserer La Palma Favoriten-Liste.

Nachtrag der Redaktion:

Die Bodega Juan Jesús Pérez y Adrián ist dem Consejo Regulador für Vinos de La Palma mit dem Ursprungssiegel Denominación Orígen (DO) angeschlossen. Die Weine werden unter den Marken Phí und Tagalguén verkauft. Zur Website der Kellerei - hier klicken.

Wer mehr über Gaby Koch und Hartmut Berndt erfahren will, liest unser Interview mit den Weinzähnen aus Frankfurt - hier klicken. Der nächste Bericht ihrer Tour-de-Bodegas auf La Palma erscheint voraussichtlich im Herbst 2015.

 

 

Von Gudrun -

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3 Antworten zu “Wein: Gaby und Hartmut testen den Tagalguén”

  1. Ja, das kann ich als “offizieller” Weintester (catador) nur bestätigen; wir haben bei der alljährlich einmal zu San Antonio del Monte in Garafía stattfinden großen Weinprobe (XV Concurso Insular con Vinos D.O. de La Palma – hier geht’s zu den offiziellen Fotos: https://www.facebook.com/vinoslapalma/photos/pb.136620384167.-2207520000.1434638745./10153402442539168/?type=1&theater) dem Tagalguén auch alle einstimmig den 1. Platz bei den Rotweinen zuerkannt.

    Neil Spindler

  2. Karin Reinhardt, Todoque sagt:

    Na da ist ja ein biologisch arbeitender Winzer, den ich bislang vergeblich gesucht hatte. Gern fahre ich in den Norden, um ein paar Fläschchen zur privaten Weinverkostung zu kaufen!

  3. Gaby sagt:

    Hallo Karin,
    die beiden 100% Tagalguén habe ich vor zwei Jahren in der Bodega gekauft. Wir haben sie jetzt zur Vergleichsverkostung geöffnet. Der aktuelle Jahrgang war Mitte Mai noch nicht gefüllt. Am besten vorher anrufen und fragen, was da ist.

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