Pegé: die Bildhauerin Pilar Gutiérrez Salamanca

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La Palma: Pegé haucht Holz und Stein Leben ein

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Pegé bei der Renovierung des El Orador am Astronomischen Aussichtspunkt in Mirca: Der “Redner” muss jedes halbe Jahr abgeschliffen und neu eingelassen werden. Das Cabildo stellt ihr dafür auch einen Hubwagen zur Verfügung.

 

Eine starke Frau

macht ihr Ding

Sie heißt Pilar Gutiérrez Salamanca, aber alle rufen sie Pegé. Sie ist eine Künstlerin, will jedoch nicht so genannt werden. Sie gestaltet gerne Hände, ist indessen alles andere als handsam. Und so war der Ausflug mit der charakterstarken Bildhauerin aus Santa Cruz zu ihren riesigen Skulpturen und in ihre Werkstatt im Osten von La Palma ein sehr interessanter Nachmittag.

 

Pegé ist über und über mit Sägemehl bedeckt, als ich am Nachmittag am Astronomischen Aussichtspunkt von Mirca an der LP-1 oberhalb der Hauptstadt Santa Cruz ankomme. Schon seit dem frühen Morgen renoviert sie ihre Skulptur El Orador: Der „Redner“ ist aus Holz und muss alle halbe Jahre akribisch abgeschliffen und neu imprägniert werden. Schließlich soll er noch lange an das erinnern, für das er steht, so Pége:

Diese Skulptur ist eine Hommage an die Menschen dieser Gegend. Früher gingen die Männer in den Barranco und hüteten die Ziegen, und die Frauen begleiteten die Hirten und stickten. Dabei wurde auch viel gereimt und gedichtet, und so hatte ich die Idee für “El Orador”.

Los Ochenta (oben) und La Natura (unten): Hände spielen bei Pegé oft eine große Rolle. Fotos: La Palma 24

Los Ochenta (oben) und La Natura (unten): Hände spielen bei Pegé eine große Rolle. Fotos: La Palma 24

 

Es beginnt zu regnen, Pegé streicht den geschliffenen „Redner“ schnell mit Lasur ein, und dann fahren wir zu einem weiteren ihrer großen Standbilder. Das steht im Santa Cruz-Stadtteil Calcina, heißt La Natura und soll den Menschen Kraft und Lebensmut schenken. Anschließend geht unsere Tour weiter zur El Molino-Kreuzung in Breña Alta-La Grama. Tausende umrunden mit ihren Fahrzeugen jeden Tag das Los Ochenta-Monument an der LP-3, aber wer weiß schon, was die Hände, die Taube und die Kette bedeuten? Pége erklärt es:

Diese Kombination habe ich zur Erinnerung an die 22 Menschen gemacht, die 1957 bei einer Überschwemmung im Barranco de Aduares nach sintflutartigen Regenfällen ums Leben kamen. Die mechanische Hand steht für die Arbeit und die Kontinuität in unserem Leben, die andere ist spirituell und streckt sich in Richtung der Taube aus, die den Geist der Menschen symbolisiert. Die abgerissene Kette davor zeigt, dass alles Materielle und alle unnötigen Sorgen sehr schnell dahingehen können.

Deshalb müsse man das Leben jeden Tag mit Freude und Stärke angehen, so Pegé. Und irgendwann abtreten gehöre eben auch dazu: „Se acabó“ – dann ist es aus und vorbei, sagt sie und lacht. Kein Zweifel: Die in Santa Cruz geborene und in Tazacorte aufgewachsene Bildhauerin hat Power – nicht nur was die schwere Arbeit an ihren Skulpturen anbelangt: Nach ihrer Scheidung zog sie ihre inzwischen 25-jährige Tochter groß und schlägt sich allein durchs Leben. Denn ihre Werke aus Holz und Stein haben sie beileibe nicht steinreich gemacht:

Pége arbeitet auch mit Stein: kleinere Skulpturen wie diese zeigt sie während ihrer Ausstellungen. Foto: La Palma 24

Pége arbeitet auch mit Stein: Kleinere Skulpturen wie diese zeigt sie während ihrer Ausstellungen. Fotos: La Palma 24

Großaufträge wie die des Cabildos für die Skulpturen in Calcina, Mirca und La Grama sind natürlich selten. Ansonsten verkaufe ich kleinere Werke auf Ausstellungen – aber das hat nicht immer zum Leben gereicht. Die meiste Zeit habe ich nebenher noch in irgendwelchen Jobs gearbeitet, es war nicht immer leicht.

Die Stärke, die aus der Herausforderung erwuchs, zeigte sich unter anderem, wie es Pegé gelang, an die drei Großaufträge der Inselverwaltung zu kommen. Und das, obwohl sie keine Zeugnisse von einer Kunstakadamie oder ähnliche Ausbildungsnachweise vorzeigen konnte. Die Autodidaktin hat einfach Talent und bastelte von Kindesbeinen an in der Werkstatt ihres Mechaniker-Vaters aus Kupferresten ihre ersten Werke. Pegé:

Ich ging zum Cabildo und präsentierte ein Projekt, aber keine Zeichnung. Ich wollte nur einen toten Baum haben und sagte, dass ich daraus eine Skulptur machen wolle. Das muss man sich vorstellen… Aber sie waren einverstanden und gaben mir einen Baum! Das war wirklich außergewöhnlich! Und als sie in die Werkstatt kamen und die erste Skulptur gesehen haben, erklärten sie mir, dass sie mir noch einen Baum für ein weiteres Projekt geben. Und so lief das bis jetzt dreimal.

Dabei hat das Cabildo Pegé auch niemals vorgeschrieben, wie die georderten Monumente aussehen sollen. Und darauf legt sie großen Wert – übrigens auch bei Aufträgen von Privatleuten. Pége-Kunstwerke sind stets Überraschungspakete:

Ich möchte machen, was ich will und wann ich will, nur dann habe ich Spaß an der Arbeit. Ich bin sehr rebellisch und habe einen freien Geist.

Eigenwillige Ansichten hat Pilar Gutiérrez Salamanca zudem im Blick auf das Wort Künstlerin. Sie will nicht so genannt werden, denn sie hält diese Bezeichnung für abgedroschen und sieht sich als trabajadora de esculturas. Und so wundert auch nicht weiter, dass die Werke von Pegé mal so und mal so ausfallen:

Manchmal gibt es Etappen, in denen ich etwas über Frauen erzähle, dann sind es wieder die Männer. Hände kommen immer wieder vor, denn sie repräsentieren eine Person und sagen sehr viel über sie aus: Ob sie arbeitet, was sie arbeitet, ob sie ein starker oder schwacher Typ ist. Mich inspiriert, was ich sehe: Ich nehme wahr, wie die Menschen sich fühlen, wie sie sich bewegen, ob sie müde, besorgt oder glücklich sind. Diese Gefühle interessieren mich.

Pegé: rebellisch und witzig. Foto: La Palma 24

Pegé: rebellisch und witzig. Foto: La Palma 24

Und die setzt sie um – wobei wiederum Lust und Laune das Material bestimmen. Mal ist es Stein, wobei Pegé Basalt oder andere Wacker von La Palma im Steinbruch kauft. Mal hat sie „Appetit“ auf Holz, das niemals von lebenden Bäumen stammen darf – meist sind es abgestorbene Eukalyptus- oder Feigenstämme vom Straßenrand. In Form von großen, mittleren und kleinen Skulpturen haucht ihnen die Frau, die keine Künstlerin sein will, neues Leben ein. So künstlerisch, dass Pegé nicht nur auf La Palma und den Kanaren, sondern auch im Ausland bekannt ist:

Ich gehe fast jedes Jahr auf Bildhauer-Symposien in andere Länder, denn ich muss Luft schnappen und das Glück suchen.

So stehen zum Beispiel in Frankreich und Belgien Skulpturen von Pegé – und wer auf La Palma eines ihrer großen oder kleinen Kunstwerke erwerben will, kann sie einfach anrufen oder ihr ein WhatsApp schicken: 660.919.348! Wenn Pegé wieder auf der Insel ausstellt, kündigen wir das im La Palma 24-Journal an.

Pegé in ihrer Werkstatt: Eine starke Frau arbeitet hart und macht ihr Ding. Foto: La Palma 24

Pegé in ihrer Werkstatt: Eine starke Frau arbeitet hart und macht ihr Ding. Foto: La Palma 24

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