Fahrrad- und Autofahren auf La Palma

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Rad- und Autofahren auf La Palma: Vorschriften sind das eine, aber:

Auf das Miteinander kommt es an!

Immer mehr Fans des Radelns entdecken die Kanareninsel La Palma als Urlaubsziel. Zum einen strampeln Mountain-BikerInnen teils über öffentliche Straßen zu ihren abenteuerlichen MTB-Trails in der Vulkanlandschaft. Zum anderen sieht man zunehmend ganze Kolonnen von Straßenrädern – und hinter ihnen oft lange Schlangen. Viele Autofahrer sind genervt, zumal die Biker oft nebeneinander fahren, und man auf den kurvigen Strecken der Insel einfach nicht vorbeikommt. Wer ist nun im Recht? Wir führen hier die Verkehrsregeln für Stahlrosskapitäne und Wagenlenker auf, die fürs Fahren auf den Straßen der Isla Bonita von Bedeutung sind.

 

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Radeln und Autofahren auf spanischen Straßen: Achtung La Palma-Gäste: Hier ist so manches anders als zuhause – und zwar für Stahlrosskapitäne ebenso wie für Autofahrer! Foto: DGT

Sechs von zehn Spaniern kennen die überarbeitete Straßenverkehrsordnung Ley de Tráfico im Blick auf Radler und Autofahrer in ihrem Land nicht, obwohl vier von zehn selbst öfter mal mit dem Drahtesel unterwegs sind. Dies erklärte die oberste spanische Verkehrsbehörde Dirección General de Tráfico del Gobierno de España (DGT). Und weil die Gesetze nicht nur für Spanier gelten, fassen wir die wichtigsten Leys de Tráfico mal kurz für interessierte Biker aus dem Ausland zusammen. Denn Unwissenheit schützt auch hierzulande vor Strafe nicht.

 

Radeln nebeneinander – darf man das?

Radeln nebeneinander: Ist in Spanien erlaubt, aber maximal zwei Fahrer dürfen parallel fahren und nur in übersichtlichen Straßenbereichen. Grafik: DGT

Radeln nebeneinander: Ist in Spanien erlaubt, aber maximal zwei Fahrer dürfen parallel fahren und nur in übersichtlichen Straßenbereichen. Grafik: DGT

Allem voran das berühmt-berüchtigte „Nebeneinanderfahren“, das vielen Autofahrern die Galle hochkommen lässt: Die Drahtesel-Reiter dürfen in Spanien tatsächlich parallel fahren, allerdings in einer Kolonne maximal zu zweit und nur dann, wenn es keine Schilder gibt, die das Nebeneinander verbieten. Das Gesetz sagt allerdings auch, dass sie sich in unübersichtlichen oder engen Straßenbereichen hintereinander einreihen müssen. Im Vergleich dazu steht in der deutschen Straßenverkehrsordnung, dass Radler grundsätzlich immer einzeln hintereinander fahren müssen. Doch selbst hier gibt es eine Ausnahme: Parallel-Fahren ist erlaubt, wenn der Verkehr nicht behindert wird.

 

Autofahrer und Radfahrer – wer hat Vorfahrt?

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Achtung Autofahrer an Kreuzungen und bei der Einfahrt in Kreisverkehre in Spanien: Die Radler haben – wie diese Grafik des DGT zeigt – Vorfahrt, die motorisierten Verkehrsteilnehmer müssen warten! Und zwar schon, wenn nur ein Radfahrer an der Kreuzung steht und im Falle einer Kolonne, bis alle Stahlrösser vorbeigezogen sind.

Ganz wichtig zu wissen ist außerdem, dass Radfahrer in Spanien Vorfahrt vor motorisierten Verkehrsteilnehmern haben. Dabei muss der Autofahrer eine Biker-Kolonne laut Gesetz als „einzelne mobile Einheit“ betrachten. Das heißt zum Beispiel, dass der Trupp nur im Ganzen überholt werden darf – und natürlich nur, so das Gesetz, wenn das Manöver die Radler nicht behindert oder in Gefahr bringt. Zu wissen, dass eine Fahrrad-Gruppe als „einzelne mobile Einheit“ gilt, ist auch an Kreuzungen und Kreisverkehren wichtig. Sobald ein Biker sich an der Kreuzung befindet oder in den Kreisverkehr eingebogen ist, müssen die motorisierten Fahrer warten, bis der ganze Verbund mit Pedalantrieb den Bereich passiert hat.

 

Wie und wo darf man die Radler überholen?

Beim Überholen von einzelnen oder als Gruppe reisenden Fahrradfahrern muss ein seitlicher Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden – diese Mindestdistanz zum Bike gilt auch beim Ausscheren und Wiedereinscheren. Übrigens sind die 1,5 Meter auch Pflicht für die Pedalisten, wenn sie etwa langsame landwirtschaftliche Fahrzeuge überholen.

Ausnahme im Überholverbot der durchgezogenen Linie in Spanien: Wenn kein Gegenverkehr ist, dürfen Fahrradfahrer überholt werden, um den vorgeschriebenen seitlichen Mindestabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten. Grafik aus Animation DGT

Ausnahme im Überholverbot der durchgezogenen Linie in Spanien: Wenn kein Gegenverkehr ist, dürfen Fahrradfahrer überholt werden, um den vorgeschriebenen seitlichen Mindestabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten. Grafik aus Animation DGT

Um die 1,5 Meter-Distanz zum Rad einzuhalten, muss man natürlich auf die Gegenfahrbahn ausweichen – und hier wartet das spanische Gesetz mit einer für deutsche Autofahrer großen Überraschung auf: „Unter bestimmten Bedingungen ist es erlaubt, Radfahrer auch auf einer durchgezogenen Linie zu überholen“. Die DGT hat dazu eine Animation ins Internet gestellt. Diese zeigt zuerst, wie ein Wagen den Radler touchiert, weil der Fahrzeuglenker die durchgezogene Linie beachtet und so den Mindestabstand nicht einhalten kann. Anschließend sieht man in der Animation, wie´s geht: Wenn kein Gegenverkehr kommt, darf das Auto die durchgezogene Linie beim Überholen des Bikes überfahren, um die 1,5 Meter Mindestabstand einzuhalten – hier klicken.

 

Welche Pflichten haben die Radfahrer in Spanien?

Pflicht für Fahrradfahrer in Spanien: Falls vorhanden, muss der Randstreifen genutzt werden. Ausnahme: In abschüssigen Bereichen der Straße dürfen sie aus Sicherheitsgründen auf die Fahrbahn einschwenken. Grafik: DGT

Pflicht für Fahrradfahrer in Spanien: Falls vorhanden, muss der Randstreifen genutzt werden. Ausnahme: In abschüssigen Bereichen der Straße dürfen sie aus Sicherheitsgründen auf die Fahrbahn einschwenken. Außerdem gilt auf Landstraßen: Helmpflicht für alle Biker! Grafik: DGT

Natürlich sind Radler in Spanien wie in anderen Ländern grundsätzlich den Regeln für alle Teilnehmer im öffentlichen Straßenverkehr unterworfen. Dazu kommt die Pflicht, dass sie die Randstreifen oder spezielle Fahrrad-Zonen benutzen müssen, sofern diese vorhanden sind. Das ist in Deutschland ebenfalls anders, wo Radwegepflicht nur in Bereichen der blauen Schilder mit weißem Fahrradsymbol herrscht. Ansonsten gilt in Spanien wie auch in Deutschland die Vorschrift, dass sich die Radler so weit rechts wie möglich halten müssen und nur den notwendigen Raum auf der Fahrbahn beanspruchen. Last but not least: Fahrradfahren auf dem Bürgersteig kann in Spanien richtig teuer werden: Mindestbuße: 60 Euro – bei Zusammenstößen mit Fußgängern können Strafen bis zu 10.000 Euro verhängt werden!

Im spanischen Gesetz ist außerdem die Helmpflicht auf Landstraßen festgeschrieben – in der Stadt müssen nur Radler unter 16 Jahren einen Casco tragen, es sei denn, die zuständigen Verkerhsbehörden empfehlen ihn für alle. Noch ein wichtiger Punkt, den viele Biker in Spanien nicht beachten: Das Gesetz verbietet Kopfhörer im Ohr, hier drohen Strafen bis zu 200 Euro! On the road mobil zu telefonieren ist natürlich beim Biken ebenso wie beim Autofahren verboten. Obligatorisch für die Fahrradfahrer in Spanien ist zudem, inner- wie außerorts das Vorderlicht einzuschalten sowie Reflektoren hintem am Rad zu befestigen. Nachts muss reflektierende Kleidung getragen werden.

Alkohol- und Drogenkontrollen: In Spanien warten die auch auf Fahrradfahrer... Grafik: DGT

Alkohol- und Drogenkontrollen: In Spanien warten die auch auf Fahrradfahrer… Grafik: DGT

Im Blick auf Alkohol und Drogen haben sich Fahrradfahrer in Spanien den gleichen Kontrollen zu unterziehen wie die Autofahrer und werden gleich bestraft. Für beide Gruppen gelten folgende Grenzwerte: Die Alkoholkonzentration in der Atemluft darf 0,25 Milligramm pro Liter nicht überschreiten: liegt sie höher bis 0,5 Milligramm, kostet das 500 Euro, über 0,5 Milligramm pro Liter sind 1.000 Euro Strafe fällig – gleiches gilt, wenn Drogen nachgewiesen werden. Fahranfänger im motorisierten Bereich dürfen in Spanien maximal 0,15 Milligramm pro Liter Alkohol ins Röhrchen pusten – also 0,3 Promille im Blut haben. Autofahrer erhalten zusätzlich zu den Geldstrafen auch Punkte, die von einem Guthaben abgezogen werden – da es kein Punktekonto für Radler gibt, werden sie lediglich zur Kasse gebeten. Ab 1,2 Promille ist Trunkenheit im Vekehr in Spanien eine Straftat – es drohen gemeinnützige Arbeit oder sogar Gefängnis und Fahrverbote. Die DGT hat ein PDF ins Internet gestellt, das eine Übersicht gibt, wieviel Promille bei welchen Getränken resultieren – die Tabelle versteht man auch, wenn man nicht spanisch spricht.

 

Was tun bei einem spanischen Bußgeldbescheid?

Alkohol am Fahrradlenker in Spanien: kann ein Loch in die Reisekasse reißen.

Alkohol am Fahrradlenker in Spanien: kann ein Loch in die Reisekasse reißen.

Wer einen spanischen Bußgeldbescheid wegen eines Verstoßes gegen die Verkehrssicherheit erhält, muss ihn laut dem spanischen Fremdenverkehrsamt grundsätzlich immer bezahlen. Welche Möglichkeiten man hat, zeigt diese Internetseite der DGT in deutscher Sprache.

Auf der Website des Verbandes für bürgernahe Informationspolitik finden sich viele Details zum Thema Bußgeld in Deutschland, in Spanien und in anderen Ländern Europas.

 

Safe Bike La Palma: Ein voller Erfolg

Zum Schluss ein kleiner Rückblick, der zeigt, wie groß das Thema Radeln auf der Isla Bonita geschrieben wird: Im Dezember 2015 fand der erste Safe Bike La Palma statt, 2016 und 2017 gab es Wiederholungen, wobei die Zahl der Biker, die von Santa Cruz über den Süden der Insel nach El Paso strampelten, von 300 im ersten Jahr auf 1.000 im dritten Jahr des Events gestiegen ist. Ziel dieser Fahrrad-Demo ist, auf die Verletzlichkeit der Drahtesel-Piloten im Straßenverkehr und die gesetzlichen Regelungen aufmerksam zu machen. Wie wichtig das ist, zeigt der tragische Unfall am 8. November 2018, bei dem ein Autofahrer auf der Straße bei Las Manchas die Kontrolle über seinen Wagen verlor und zwei Radler aus Österreich umfuhr. Einer der Biker starb, der andere wurde verletzt. Sobald der Termin des nächsten Safe Bike La Palma feststeht, informieren wir unsere LeserInnen.

Safe Bike La Palma im Dezember 2015: Hier radeln zwei und mehr Stahlross-Kapitäne nebeneinander - das ging allerdings nur bei dieser Extra-Tour. Ansonsten gilt: maximal zwei Radler dürfen parallel fahren, und in unübersichtlichen Straßenbereichen müssen sie sich wieder hintereinander einreihen. Foto: Safe Bike La Palma

Safe Bike La Palma: Seit drei Jahren radeln im Dezember Stahlross-Kapitäne für mehr Rücksicht im Verkehr. Foto: Safe Bike La Palma

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Antwort zu "Fahrrad- und Autofahren auf La Palma"

  1. Holidayinn  9. diciembre 2018 at 18:44

    Bin seit Jahren dabei und bin sehr begeistert. Im Dezember ist optimal und macht immer Spass. Safe Bike La Palma ist mein Favorit zurzeit.

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