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Solarenergie: Wenn nicht auf La Palma – wo dann?

13. September 2019 Vera 2 Kommentare / Jetzt kommentieren!

Schweröl-Kraftwerk in Santa Cruz de La Palma.

Gastbeitrag von Vera Rogowski und Klaus Badstieber

Peng! Sicherung rausgeflogen! Das kennt fast jeder, der mal eine längere Zeit auf La Palma war. Laufen zum Beispiel die Waschmaschine und der Geschirrspüler gleichzeitig, wird plötzlich das Licht schwächer, es flackert oder es knallt gar eine Sicherung raus. Drei Jahre lang hat sich Andreas Rick darüber geärgert – insbesondere, wenn die Wärmepumpe des Pools ansprang, ging im Haus strommäßig nichts mehr.

Seit 18 Jahren gehört ihm das Ferienhaus in Las Manchas und anfangs war die Stromversorgung auch kein Problem: „Wir hatten einen ganz normalen Stromanschluss bei Endesa und wurden aus dem Kraftwerk in Santa Cruz versorgt. Allerdings haben sich im Laufe der Zeit immer mehr Haushalte an diese Leitung angeschlossen und bei uns am Ende der Leitung ist dann einfach nicht mehr genug Strom angekommen.“

Da ein zeitnaher Ausbau der Stromversorgung nicht absehbar war, begab sich Andreas Rick auf die Suche nach alternativen Lösungsansätzen – und einer davon lag relativ nahe: in Deutschland hatte er bereits eine Photovoltaik-Anlage, warum also nicht auch hier auf La Palma auf Solar-Energie setzen?

Pilotprojekt auf den Kanarischen Inseln

Zur Umsetzung dieses Vorhabens haben ihm Freunde die Firma Temes Engineering empfohlen und so kam das Pilotprojekt auf den Kanarischen Inseln in Gang. Ein Jahr hat es gedauert: von der Idee einer teilautarken Energieversorgung des Ferienhauses bis hin zur Vollendung. „Als die Sachen erst einmal hier vor Ort waren, ging alles ganz schnell“, erzählt Rick. „Dann hat es nur noch etwa zehn Tage gedauert, bis alles fertig war.“ Der Transport auf die Insel sei allerdings nicht ohne gewesen. „Die Akkus auf die Insel zu bekommen war schon eine Herausforderung, da sie in diesen Mengen nicht mit dem Flugzeug transportiert werden dürfen. Das komplette Equipment wurde daher per Container verschifft – das hat alles Temes Engineering übernommen.“

Fertigung und Probebetrieb in Deutschland

Es habe eine klare Aufgabenteilung gegeben. Rick: „Temes Engineering war für den Transport und die Inbetriebnahme der Anlage zuständig – wir haben hier alles vor Ort organisiert. Allerdings gab es da auch einige Überraschungen, weil die elektrischen Anforderungen auf La Palma weit unter denen liegen, die in Deutschland üblich sind.“

Um unvorhersehbare Umstände so gering wie möglich zu halten, begann das Projekt im Januar 2018 mit einer ersten technischen Begutachtung der Rahmenbedingungen vor Ort in Las Manchas durch Temes Engineering. Die gesamte Anlage wurde im Anschluss individuell für das Ferienhaus ausgelegt, gefertigt sowie zur Sicherheit in Deutschland bereits ein erstes Mal komplett aufgebaut und getestet. Erst nachdem sie an mehrere Verbrauchsstellen angeschlossen war, um so die Nutzung der Wärmepumpe des Pools nachzuahmen, und alles funktionierte, gab es grünes Licht für den Transport nach La Palma.

50 m2 Solar-Panels und damit eine mögliche Spitzenleistung von über 10 kW sind das beeindruckende Ergebnis dieses Projekts. Flach, knapp über dem Boden angeordnet – nicht auf dem Dach gen Süden ausgerichtet, wie man es öfter in Deutschland sieht. „Die Ausrichtung der Anlage wurde genau für den Aufstellort unterhalb des Ferienhauses optimiert, erklärt Rick. Wichtig sei außerdem die Auswahl der Solar-Panels gewesen, damit nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei diffusem Licht ausreichend Energie produziert wird: „Solar-Panels, die auch an bewölkten Tagen in der Lage sind Strom zu erzeugen – das war für mich faszinierend“, führt Rick weiter aus.

Zur bestmöglichen Nutzung der
Solarerträge und zur Umsetzung des Ziels der Teilautarkie wurde zudem ein
hochmoderner Lithium-Eisen Batteriepack mit einem Energieinhalt von 22,5 kWh im
Haus installiert. Dies entspricht in etwa dem 2-Tagesbedarf eines
durchschnittlichen 3-4 Personenhaushalts in Deutschland. So bleibt genug
Kapazität, um die Solarenergie zu speichern, da eine Stromeinspeisung in das
öffentliche Netz – wie es in Deutschland üblich ist – auf La Palma im Moment
eher ein schwieriges Unterfangen ist: es gibt laut Rick zu viel behördliche Auflagen.

Wichtig ist natürlich auch die
Versorgungssicherheit des Hauses – diese ist auch unter widrigen Umständen
gegeben. Die Anlage ist
vollständig redundant aufgebaut, so dass selbst beim Ausfall eines Bauteils
mindestens die Hälfte der Leistung und Batteriekapazität zur Verfügung steht.

Darüber hinaus wird das System
ständig erweitert: demnächst soll es eine Software und eine App geben, die
alles protokolliert, zum Beispiel den genauen Zustand der Akkus. Eine weitere
Idee: eine Zapfsäule für ein E-Auto, das Gäste des Ferienhauses gleich
mitmieten können. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Im Moment ist Andreas Rick sehr zufrieden, dass keine Sicherung mehr rausfliegt, wenn die Wärmepumpe für den Pool anspringt, es keine Stromschwankungen mehr gibt und er nicht mehr auf den Endesa-Strom angewiesen ist: „Jede Kilowattstunde, die nicht aus dem Kraftwerk in Santa Cruz kommt, ist wertvoll.“

 

Copyright: Temes Engeneering

Das Herzstück der neuen Energieversorgung bildet ein Lithium-Eisen Batteriepack mit einem nutzbaren Energieinhalt von 22,5 kWh.

Geladen werden die Batterien hauptsächlich durch eine Photovoltaik-Anlage mit einer elektrischen Spitzenleistung von 10 kWp.

Alternativ können die Batterien auch vom öffentlichen Stromnetz gespeist werden, so dass die Versorgungssicherheit auch in Zeiten geringerer Sonneneinstrahlung gewährleistet ist.

Die gesamte Installation wird redundant ausgeführt, so dass die Versorgung des Hauses auch im Fehlerfall gegeben ist.

Da sowohl die Photovoltaik-Module als auch die Batterien auf Basis von Gleichstrom arbeiten, wird ein 20 kVA Wechselrichter verwendet, um den für die Hausversorgung nötigen Wechsel-/Drehstrom zu erzeugen. Die Spitzenleistung des Hauses wird damit mehr als verdoppelt, womit auch der sichere Betrieb der Wärmepumpe garantiert ist.

Eine Option für die spätere Integration einer E-Tankstelle für Elektroautos ist vorgesehen.

Ein übergeordnetes Energiemanagement sorgt dafür, dass die Versorgung vorrangig über die PV-Module erfolgt.

Über Temes Engineering

Temes Engineering mit Sitz in Warngau, südlich von München, beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit innovativen Energiespeicherlösungen. Der Fokus liegt dabei auf einem maximal zuverlässigen und wartungsfreien Betrieb der Produkte sowie einem effizienten Zusammenspiel mit bestehenden Stromnetzen und alternativer Energieerzeugung. Das Unternehmen setzt in seinen Projektierungen auf einen modularen Baukasten, der je nach Kundenwunsch und Gegebenheiten vor Ort individuell zusammengestellt werden kann.

Seit April 2019 ist Mantenimiento de Contacto in Los Llanos offizieller Vertreter von Temes Engineering auf La Palma. Kontakt: Robert Weinrich E-Mail: robert@la-palma.de

Von Vera

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2 Antworten zu “Solarenergie: Wenn nicht auf La Palma – wo dann?”

  1. Gerhard Wetz sagt:

    Ein sehr interessantes Projekt. Aber zu einem Punkt muss ich doch etwas anmerken. Wenn die Sicherung fliegt, dann hat das normalerweise zwei Ursachen. Erstens, dass irgendwo ein Schaden vorliegt, oder, auch wichtig, weil der Spitzenverbrauch über dem Zulässigen der vorliegenden Verkabelung war. Ich nehme mal an, dass hier die Verkabelung an die höheren Ströme angepasst wurde? Sonst kann das irgendwann einmal ziemlich teuer werden, wenn die Kabel durchbrennen. Interessant wäre auch der Gesamtpreis der Anlage. Weil man auf La Palma die Überschuss-Energie nicht in das bestehende Netz einspeisen kann (bzw. nur schwierig) wird sich die Anlage wohl erst in etlichen Jahren amortisieren, nehme ich an.

  2. Nils sagt:

    Meine Fotovoltaikanlage mit 4,8 kWp hier auf La Palma ist mit einer nachgenutzen Batterie eines Citroen Berlingo ausgestattet. Sie hat in der jetzigen Ausbaustufe 9,8 kWh Speicherkapazität, kann aber jederzeit erweitert werden. Somit läuft die Elektroanlage bei mir autark, ich habe lediglich als Notfallreserve einen Anschluss von ENDESA. Die potencia konnte ich allerdings auf einen sehr kleinen Wert herabsenken.
    Da mein Haus komplett mit kanarischen Firmen gebaut wurde, habe ich auch die Fotovoltaik von hier. Somit gab es auch kein Problem mit dem Transport der Batterie! Es erscheint mir wenig sinnvoll, eine Anlage für die Insel in Deutschland zu testen. Schließlich ist das hier kein Entwicklungsland, auf den großen Inseln gibt es schon eine ganze Menge solcher Anlagen.
    Ein Elektroauto gehört bei mir zum Gesamtpaket, damit sich die Investition auch lohnt. Meine kleine Anlage kann den Mitsubishi iMiEV als Kleinstwagen problemlos mit Strom versorgen. Die geringe Reichweite von rund 130 km ist auf unserer kleinen Insel kein Problem.

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