Die Unterwasser-Bodega der Kellerei Tendal

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Sekt und Wein von Tendal reifen im Atlantik – Verkauf ab Sommer 2018

 

Die Bodega submarina ist kein Schlag ins Wasser

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Nancy und Constancio vor ihrer Kellerei auf den Höhen von Tijarafe: immer wieder frische Ideen. Foto: La Palma 24

Die Kellerei Tendal in Tijarafe zählt zur Avantgarde unter den 18 Bodegas, die das Ursprungssiegel „Denominación Orígen de La Palma“ (DO) tragen dürfen. Gründe dafür gibt es einige: Als erste auf der Insel produzierten Nancy Castro Rodríguez und ihr Mann Constancio Ballesteros Mágan ökologischen Wein. Das Winzerehepaar aus dem Nordwesten bringt den einzigen Sekt auf der Isla Bonita namens „Zorongo“ auf den Markt. 2007 haben sie mit dem Pilotprojekt „Bodega submarina“ begonnen, und im Sommer 2018 können die ersten Flaschen der auf dem Meeresgrund gereiften Rebsäfte erstanden werden. Außerdem gibt es ein neues Kind im Hause Tendal, den Apfelwein namens „Cidra O´Daly“. Wir haben mal bei Nancy und Cosme vorbeigeschaut.

 

Um das Weingut von Tendal zu entdecken, muss man erstmal in den Nordwesten der Isla Bonita nach Tijarafe fahren und dann über eine holprige Straße ins zwischen 800 und 1.500 Meter hoch gelegene Weinbaugebiet Montaña de Bellido kurven. Rund 80 Rebhänge bewirtschaften Nancy und Cosme hier, wobei sie pro Jahr insgesamt bis zu 100.000 Flaschen Weißen, Roten und Rosé abfüllen – auf rund 60.000 davon dürfen sie die Ursprungsbezeichnung Denominación Orígen de La Palma schreiben.

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Die meisten der edlen Tropfen altern in der am Fuße des Roque de Los Muchachos gelegenen Kellerei. Parallel dazu hat das Winzer-Ehepaar 2007 damit begonnen, einen Teil ihrer Produktion in den Tiefen des Atlantiks zu versenken. Die Idee, Vino und Sekt auf dem Meeresgrund altern zu lassen, haben bis heute übrigens nur eine Handvoll Kellereien auf dem spanischen Festland und eine weitere auf den kanarischen Inseln in die Tat umgesetzt.

Vorteile einer Bodega submarina: ökonomisch und ökologisch

Gut behütet: Siegellackverschlüsse über den Korken verhindern, dass Meerwasser in die Flaschen gerät. Fotos: Tendal

Gut behütet: Siegellackverschlüsse über den Korken verhindern, dass Meerwasser in die Flaschen gerät. Fotos: Tendal

„Es ist ein Experiment, aber keinesfalls ein Werbegag“, betonen die palmerischen Pioniere in Sachen Unterwasser-Reifung die Ernsthaftigkeit ihres Pilotprojekts. „Es geht nicht nur um die Erforschung, welche Qualitäts- und Geschmacksvarianten die Alterung im Meer hervorbringt, sondern auch auch darum, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern und verantwortungsvoller mit der Umwelt umzugehen.“ Dabei denken Nancy und Cosme vor allem an die Eichenfässer, in denen der Wein traditionell in ihrer Kellerei reift: „Ein 200-Liter-Fass kostet circa 600 Euro und muss alle zwei Jahre erneuert werden“, erklärt Cosme, wo mit einer Unterwasser-Bodega zum einen gespart und außerdem der Eichenbestand geschont werden kann.

Denn in einer Bodega submarina ruhen die flüssigen Schätze logischerweise nicht im Fass, sondern in Flaschen. Damit kein Wasser eindringen kann, kommt über den Korken noch eine Siegellack-Kappe. Auf den Meeresgrund gebracht wurden die edlen Tropfen in den ersten Versuchsjahren von Ricardo García Castro und Roberto Cáceres Ventura vom Tauchclub Club de Buceo Cueva Bonita; heute sind dafür Mitarbeiter angestellt. Und natürlich schlummern die Rebsäfte in den unterseeischen Lava-Riffen gut versteckt ihrer Reife entgegen – nur die Tendal-Taucher können sie mit Hilfe von GPS-Daten finden.

Gut versteckt:

Gut versteckt: Die Flaschen schlummern in Riffen, nur wer die GPS-Daten kennt, kann sie finden. Fotos: Tendal

In fünf, 15 und 20 Metern Tiefe lagern die Versuchsflaschen an mehreren Stellen vor der Küste von La Palma. Das heißt, die verschiedenen Sorten werden unterschiedlichen Drücken und Temperaturen ausgesetzt. „Positiv an der Alterung im Atlantik ist, dass an den jeweiligen Lagerorten stabile Temperaturen und die richtigen Lichtverhältnisse herrschen“, erläutert Cosme. Je nach der gewählten Tiefe ist der Ozean 16 bis 20 Grad kühl – in der Kellerei im Nordwesten zeigt das Thermometer dagegen um die 13 Grad Celsius an.

Mehr als zehn Jahre Experimentierzeit

Der Vergleich der „Taucherflaschen“ mit den entsprechenden Sorten, die traditionell in der Kellerei an Land reifen, hat nach rund zehn Jahren Experimentieren und Probieren ergeben, dass die Bodega submarina kein Schlag ins Wasser war: „Beim weißen und Rose-Sekt sowie beim Weißwein haben wir schon nach relativ kurzer Zeit große Unterschiede festgestellt“, berichtet Cosme. „Die im Meer gereiften Sorten schmecken frischer und aromatischer als die aus der Kellerei – am besten sind die von den tiefsten Stellen, das hat wohl mit dem Druck zu tun.“

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Voraussichtlich im Sommer 2018 ist es soweit: die Vinos submarinos gibt es in einer limitierten Ausgabe – allerdings nur auf Vorbestellung. Foto: Tendal

Der submarin gelagerte Rotwein dagegen braucht mehr Zeit, um seinen vollen Geschmack zu entwickeln. Grund: Vor allem die für einen guten Roten wichtige Mikrooxidation, die die harten Gerbstoffe feiner und eleganter rüberkommen lässt, dauert in der versiegelten Flasche wesentlich länger – im Fass gelangt der Sauerstoff durch die Poren des Holzes wesentlich schneller an den Wein, um den Reifeprozess in Gang zu setzen.

Im Sommer 2018, so Nancy, ist es nun endlich soweit: Eine limitierte Auflage der erfolgreichsten Weine und Sekte aus der Unterwasser-Bodega soll erstmals verkauft werden: „Die Flaschen kommen natürlich nicht in den Handel”, erklärt die Tendal-Chefin. “Interessenten müssen sie bei uns bestellen, dann werden sie aus dem Meer geholt – das heißt, aus organisatorischen Gründen muss mit einer Wartezeit zwischen 15 und 30 Tagen gerechnet werden.“

Noch ein paar (W)einblicke und Ausblicke

Die beiden Autoren und Weinkenner Cornelius und Fabian Lange schrieben einmal: „Je höher ein Winzer auf dem Drahtseil balanciert, desto dramatischer werden seine Weine.“ Nancy und Cosme gehören zu diesem Typ Weingärtner – bisher jedenfalls waren ihre avantgardistischen Ideen stets von Erfolg gekrönt.

Zorongo: Den einzigen Sekt auf La Palma gibt es aus weißen und roten Trauben. Fotos: Tendal

Zorongo: Den einzigen Sekt auf La Palma gibt es aus weißen und roten Trauben. Fotos: Tendal

So hat der 2007 kreierte, und bisher einzige palmerische Sekt namens Zorongo, den es in weiß und rosé als Espumoso Blanco Brut Nature und Espumoso Blanco Brut Reserva gibt, heute seinen festen Platz in den Geschäften auf La Palma. Der Weiße verdankt seine Frische und leichte Säure einer Mischung aus Listán- und Albillo-Trauben, der Rosé entwicklet seine lebendige Aromen aus der Negramoll-Rebe.

Die Wein-Palette von Tendal präsentiert beim Weißen den trockenen Blanco Albillo mit seinen eleganten Aromen und leichter Säure. Aus einer Mischung der Albillo-und der Listán-Traube besteht der Blanco Joven, der fruchtig-floral daherkommt. Pur Listán-gekeltert ist der Blanco Tradicion, der vor der eigentlichen Reife vorfermentiert wird und an Kompott und Trockenfrüchte erinnert.

Ist schon eine Weile her: Tandal war auch die erste Kellerei auf La Palma, die ökologisch hergestellten Wein produzierte.

Ist schon eine Weile her: Tendal war auch die erste Kellerei auf La Palma, die ökologisch hergestellten Wein produzierte.

Das Rotwein-Angebot stellt dem Weinzahn ebenfalls drei Sorten zur Wahl: Prieto- und Negramoll-Trauben geben dem Tinto Roble zusammen mit einer mindestens zweijährigen Alterung im Eichenfass seinen rostigen Farbton und ein feines Vanillearoma. Dagegen ist der Tinto Selección ein junger Wein aus ausschließlich Prieto-Trauben mit vollem Geschmack nach Waldfrüchten, denn er wird in einem speziellen Verfahren kaltmazeriert. Dritter im Bunde ist der Tinto Tradición. Gekeltert aus Negramoll-Trauben erinnert er in jungen Jahren an Früchte und Kräuter, im zweiten Jahr entwickelt er Anklänge an geröstetes Brot und Trockenfrüchte. Beim ökologisch angebauten Wein bieten Nancy und Cosme einen roten aus Prieto- und Castellana-Trauben an. Der Weiße besteht aus Albillo und Listán. Dabei betont das Winzerpaar, dass ihre Rebgärten strengen Kontrollen unterliegen und ständig der Nachweis erbracht werden muss, dass keine chemische Dünger beziehungsweise chemische Pflanzen- und Insektenvertilgungsmittel zum Einsatz kommen.

Erster Cidre made in La Palma

Die neueste Idee aus dem Hause Tendal: Seit kurzem produzieren Nancy und Cosme den Cidra O´Daly – einen Apfelwein aus süßen Manzanas, die im Nordwesten von La Palma wachsen. Den gibt´s bereits in einigen Läden – allerdings nur mit provisorischem Etikett. Laut Nancy ist das professionell designte demnächst fertig.

Weinlese im Nordwesten:

Lese der Tendal-Reben: An den Hängen von Tijarafe gedeihen Trauben für die frischen Vinos aus dem Nordwesten von La Palma.

Degustationen bald im neuen Saal von Tendal

Wer sich für die edlen Tropfen von Tendal interessiert, kann mit Nancy und Cosme eine Weinprobe verabreden – ab April 2018 finden die Degustationen im neuen Verkostungssaal statt, der derzeit in der Kellerei in Tijarafe eingerichtet wird. Einfach anrufen unter Telefon: 922.49.00.66. Die Website des Unternehmens, das unter dem Namen Bodega Castro y Mágan S.L. firmiert, wird derzeit renoviert – wir melden, wenn der neue Internetauftritt online geht.

 

Zum guten Schluss kann man virtuell in die Bodega submarina von Tendal eintauchen:

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