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Es sind immer die Abenteurer, die große Dinge vollbringen
Charles de Montesquieu

Bussarde und Falken bewachen den Airport SPC

Flughafengebäude in aller Welt muten mehr und mehr wie Hochsicherheitstrakte an, und die Außenbereiche werden durch Mauern und Zäune schwer passierbar gemacht. Den gefiederten Bewohnern der Lüfte ist das freilich piepegal, sie flattern wohin sie wollen. Immer wieder kommt es zu Kollisionen mit Jets - dem nicht ungefährlichen Vogelschlag. Dieses mit keinen Schranken zu lösende Problem haben alle Airports dieser Welt, und so setzen viele von ihnen auf tierische Abfangjäger. Auch am Flughafen von Santa Cruz de La Palma (SPC) passen Raubvögel auf, dass die Maschinen sicher starten und landen können.

Die Iberia ist sicher gelandet: Die Luft war "rein", denn Fernando und einer seiner Wüstenbussarde haben geflügelte Störenfriede aus dem Luftraum des Airports SPC zuvor erfolgreich vertrieben. Foto: La Palma 24

Die Iberia Express ist sicher gelandet: Die Luft war "rein", denn Fernando und einer seiner Wüstenbussarde haben geflügelte Störenfriede aus dem Luftraum des Airports SPC zuvor erfolgreich vertrieben. Foto: La Palma 24

Bussarde und Falken verteidigen den Flughafen von La Palma gegen unerwünschte Flugobjekte

Gleich vornweg: Obwohl der Airport der Isla Bonita zwischen Meer und Bergen und somit in der Flugbahn von Möwen, Tauben und anderen Piepmätzen liegt, gab es bisher noch keinen einzigen größeren Unfall durch Vogelschlag. Das sagt Manuel Cantos Sánchez, der am Flughafen für Vieles verantwortlich zeichnet, darunter auch für den nach europäischem Recht vorgeschriebenen Bereich der Control de Fauna:

Im Schnitt registrieren wir ein bis zwei Vorkommnisse mit Tieren pro Jahr – das heißt, manchmal gibt es einen, manchmal zwei, manchmal auch gar keinen Vorfall. Das ist nicht viel, Vergleiche mit anderen Flughäfen sind allerdings nicht möglich, da die Umgebungsbedingungen so stark variieren. Wichtig zu wissen ist, dass im Zuge der Faunakontrolle nicht nur Vögel, sondern auch andere Tiere wie etwa streunende Katzen, Hunde oder wilde Kaninchen von der Start- und Landebahn ferngehalten werden müssen. Aber unsere Falconeros sind seit 2008 im Einsatz, haben entsprechend viel Erfahrung und sehen sich seit vielen Jahren mit den gleichen Problemen konfrontiert. So kann man gut kontrollieren – anderswo werden in der Nähe von Airports manchmal neue Grünbereiche mit Seen oder gar Müllhalden angelegt - die Verantwortlichen müssen sich dann völlig umstellen.

Im Auto der Falconeros sind immer nur einige wenige Falken oder Bussarde: Die anderen ruhen sich zwischen ihren "Luftschichten" in ihrem Zuhause nahe des Airports aus. Foto: La Palma 24

Im Auto der Falconeros warten immer nur einige wenige Falken oder Bussarde auf ihren Einsatz: Die übrigen der insgesamt 15 Sky-Marshalls ruhen sich zwischen ihren Schichten in ihrem Zuhause nahe des Airports aus. Foto: La Palma 24

Die Falconeros sind die Falkner Fernando Castañeda und Jorge García. Die beiden Männer arbeiten für die Firma Fenix Control de Fauna, die wiederum einen Überwachungsvertrag mit der staatlichen Flughafenbetreibergesellschaft AENA hat. Fernando und Jorge sorgen mit insgesamt 15 Raubvögeln für Sicherheit - allerdings sind niemals alle gleichzeitig im Einsatz: Die gefiederten Sky-Marshalls drehen ihre Runden je nach Fitness und Wetterbedingungen immer abwechselnd und dürfen sich zwischendrin in ihrem „Nest“ auf einem Gelände in der Nähe des Airports erholen. Dort sind sie übrigens auch aus dem Ei geschlüpft, und im Alter von vier bis fünf Monaten haben die Falconeros begonnen, sie für ihre verantwortungsvolle Aufgabe auszubilden. Fernando berichtet von einem ganz normalen Arbeitstag:

Jorge und ich wechseln uns während der 365 Tage des Jahres ab. Einer von uns ist immer vor Ort, wobei die Schicht bei Sonnenaufgang beginnt und bis Sonnenuntergang dauert – im Sommer wie im Winter. Es geht hier um die Sicherheit von Menschen, deshalb muss die Arbeit konstant verrichtet werden, das ist zwar hart, aber mir gefällt das. Bevor der erste Flieger morgens um 8 Uhr kommt, machen ich beziehungsweise mein Kollege zusammen mit den anderen Flughafenteams den ersten von mehreren täglichen Kontrollgängen – da sind die Leute dabei, die für Signale und Beleuchtung, für Elektrik und für Sicherheit zuständig sind, sowie die Feuerwehr. Ist alles okay, geben wir grünes Licht an den Tower. Und wir Falkner lassen dann den ersten unserer Raubvögel steigen.

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Hauptsächlich Falcones und Aguilillas de Harris (siehe Foto im Anflug) überwachen den Luftraum des Aeropuerto von Santa Cruz de La Palma. Die verschiedenen Falken und die Wüstenbussarde sind übrigens keine endemischen Arten der Insel, denn die heimischen Raubvögel stehen unter Schutz. Die Falken steigen bei ihrem Job am Flughafen mehrere hundert Meter hoch, und die Aguilillas de Harris kreisen tiefer bis in mittlere Höhen – so verscheuchen die Prädiatoren der Lüfte ihre Beute aus einem breiten Spektrum. Die kritische Zone für startende und landende Flugzeuge liegt Experten zufolge unter 300 Metern, denn nur wenige Vögel sind weiter oben unterwegs, und laut Statistik ereigenen sich hier 98 Prozent aller Vogelschläge. Fernando und sein Geschwader haben diesen Bereich gut im Griff:

Dieser Aguillila de Harris war im Dienst, als die La Palma 24-Redaktion diese Reportage machte: Sein Name ist...

Dieser Aguillila de Harris war im Dienst, als wir diese Reportage machten: Aufmerksam beobachtet er Fernando und wartet darauf, seine Runde zu drehen. Foto: La Palma 24

Die größten Probleme am Flughafen von La Palma sind Möwen und Tauben, die vom Land und vom Meer aus hier durchfliegen. Sie nehmen die Silhouetten der Falken und Wüstenbussarde wahr, selbst wenn sie am Boden sitzen. Dann machen die Gaviotas und die Palomas ganz schnell einen Abflug, denn sie wissen in ihren Genen, dass zu bleiben kein guter Plan wäre. Das heißt, wir töten keine Vögel, es reicht, dass die Greife in der Luft sind und ihr Revier markieren. Übrigens dauert es eine ganze Weile, bis die verscheuchten Vögel wieder zurückkehren. 

Aus diesem Grund orientieren sich die Falkner nicht nur am aktuellen Flugplan, sondern lassen ihre Wächter der Lüfte täglich immer wieder circa eine halbe Stunde lang an verschiedenen Punkten des SPC-Airports patroullieren. Vorbeugung heißt die Devise, aber Fernando und Jorge haben außerdem immer ein Funkgerät dabei, sodass sie schnell reagieren können, falls anfliegende Piloten oder die Mitarbeiter im Tower unerwünschte Tiefflieger sichten. Dann lassen die Falconeros ihre Abfangjäger aufsteigen: Während diese die anderen Flattermänner vertreiben, drehen die Maschinen in der Luft noch eine Runde, und die Flugzeuge am Boden warten mit dem Starten. Aber selbst wenn keine Starts und Landungen anstehen, machen die menschlich-tierischen Teams keine Pause, erzählt Manuel Cantos Sánchez:

Möwen flattern überall an den Küsten von La Palma umher: Einige von ihnen lassen sich auch gerne auf dem Airport-Gelände nieder. Foto: Facundo Cabrera

Möwen flattern überall an den Küsten von La Palma umher: Einige von ihnen lassen sich auch gerne auf dem Airport-Gelände nieder. Foto: Facundo Cabrera

Wenn wenig Flugbetrieb und alles ruhig ist, beginnen die Möwen und Tauben zu landen, um zu fressen und sich ausruhen. Damit sie sich das nicht angewöhnen, müssen die Falken und Bussarde oft kreisen. Das ist bis heute die effektivste Art, eine sichere Zone zu schaffen. Vor ihrer Einführung auf dem Airport von La Palma 2008 schickte man ein Auto beim Nahen eines Flugzeugs los, und der Fahrer hat die Vögel verscheucht, oder man benutzte laute Tröten. Die Vögel lernten natürlich schnell, dass das zwar Krach machte, ihnen aber nichts passierte und flogen nicht mehr weg. Aus diesem Grund erhielten wir damals die Genehmigung, Raubvögel zur Vogelschlag-Prävention einzusetzen.

Damit das wirklich funktioniert, müssen der Falkner und seine fliegenden Aufpasser ein eingespieltes Team sein. Im wahrsten Wortsinn, erklärt Ferndando:

Zur Belohnung nach jedem Rundflug gibt es Futter und auch Streicheleinheiten für die Raubvögel: So lernen sie, ihr Revier zu verteidigen und zurückzukehren. Foto: La Palma 24

Belohnungen: Futter und auch Streicheleinheiten. Foto: La Palma 24

Das Spiel geht so: Von klein auf bringen wir den Tieren bei, dass sie eine Belohnung bekommen, wenn sie zurückkommen. Bei diesem ständigen Training lernen sie auch, dass der Airport ihr Revier ist und verteidigen es gegen Eindringlinge. In der Natur fliegen sie nur, um zu jagen, aber hier bekommen sie beigebracht, ihre Runden zu drehen und wieder zurückzukommen.

Atletas profesionales nennt Fernando seine Schützlinge, zu denen er nach jahrelanger Zusammenarbeit eine intensive Beziehung hat. Und wie es sich für Hochleistungssportler gehört, werden sie laut Fernando jeden Morgen gewogen:

Jeder unserer Raubvögel hat ein Fluggewicht, wobei hier eine Differenz von 50 Gramm entscheidend sein kann. Sind meine Athleten zu schwer, weiß ich, dass sie noch satt sind. Dann haben sie keine Lust zurückzukommen, wenn ich sie rufe, denn die Belohnung interessiert sie nicht. Fazit: Wer zuviel wiegt, muss bis nachmittags warten.

Das Original muss sein: Fake-Falken oder Robussarde

Nur die Originale funktionieren als Tauben- oder Möwenschreck: Roboter-Raubvögel werden von anderen Flattermännern schnell als Fake entlarvt. Foto: La Palma 24

Diese nicht exakt steuerbaren Eigenheiten der Natur könnten vermieden werden, wenn sogenannte Roboter-Falken zum Einsatz kämen. Doch Fernando und Manuel halten nichts von diesen High-Tech-Vogelscheuchen:

Die Vögel wissen mit der Zeit, dass ihnen durch diese Maschinen keine Gefahr droht und verschwinden nicht. Die Roboter wurden schon auf vielen Flughäfen eingesetzt, aber es hat nicht funktioniert. Vielleicht wird das in Zukunft ja weiterentwickelt, aber etwas Besseres als die Natur gibt es bisher nicht.

Dennoch forschen Ingenieure am California Institue of Technology (Caltech) an Drohnen, die ganze Vogelschwärme umlenken sollen – wie Hütehunde ihre Schafherden. Das klappt aber noch nicht wirklich, weil das Schwarmverhalten der Piepmätze eine komplexe Angelegenheit ist, und die Drohne die Situation unter Umständen verschlimmert, weil sie die Formation in viele einzelne Tiefflieger aufspaltet. Kein Zweifel, der Arbeitsplatz der "Originale" von Fernando und Jorge am Flughafen von Santa Cruz de La Palma ist bis auf Weiteres absolut gesichert.

Wir bitten, das Copyright von La Palma 24 bei allen Fotos dieses Beitrags zu beachten!

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Keine Angst vor großen Vögeln: Der Wüstenbussard von Fernando lässt den großen Iberia Express-Jet seelenruhig passieren und verzehrt seine Belohung für seinen Überwachungsflug. Foto: La Palma 24

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