
La Palma steht für Natur, Wälder, Vulkanlandschaften und einen vergleichsweise kleinen Lebensraum mitten im Atlantik. Doch zur Isla Bonita gehört auch eine weniger sichtbare Seite des täglichen Lebens: Jeden Tag entstehen Abfälle – in Haushalten, Geschäften, Restaurants, Ferienunterkünften und Betrieben. Und die müssen irgendwohin.
Eine aktuelle Entscheidung des Cabildo rückt genau dieses Thema in den Mittelpunkt. Villa de Mazo soll künftig jährlich 600.000 Euro als Ausgleich für den Standort des Complejo Ambiental de Los Morenos erhalten, der zentralen Abfallbehandlungsanlage La Palmas. Bislang lag die vereinbarte Ausgleichszahlung bei 390.000 Euro.
Doch was geschieht eigentlich in Los Morenos – und warum benötigt die Anlage immer wieder zusätzlichen Platz?
Der Müll einer ganzen Insel
Los Morenos liegt im Gemeindegebiet von Villa de Mazo und übernimmt eine Aufgabe, die alle Gemeinden La Palmas betrifft. Hier kommen große Teile der auf der Insel anfallenden Abfälle zusammen.
Die Anlage ist dabei weit mehr als eine einfache Müllkippe. Die angelieferten Abfälle werden sortiert, behandelt und je nach Material für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Anschließend verlassen sie La Palma und werden zu spezialisierten Recyclingbetrieben transportiert. Je nach Material erfolgt die weitere Verarbeitung außerhalb der Insel.
Gerade auf einer Insel ist dieser letzte Schritt entscheidend. Fläche ist begrenzt – und eine gefüllte Deponie lässt sich nicht beliebig erweitern.
Rund 28.000 Tonnen Abfall im Jahr
Nach Angaben des zuständigen Inselressorts entstehen auf La Palma jährlich rund 28.000 Tonnen Abfälle. Ein erheblicher Teil davon besteht aus organischem Material.
Allein rund 12.000 Tonnen sollen auf Bioabfälle entfallen. Über den braunen Biomüllcontainer wurden zuletzt jedoch lediglich etwa 900 bis 1.000 Tonnen getrennt erfasst.
Das verdeutlicht, warum die Mülltrennung bereits zu Hause eine wichtige Rolle spielt. Papier, Glas, Verpackungen oder organische Abfälle, die korrekt getrennt werden, müssen nicht gemeinsam mit dem übrigen Restmüll behandelt werden. Je weniger Material am Ende deponiert werden muss, desto länger reicht der vorhandene Platz in Los Morenos.

Der Platz wird erneut knapp
Genau dieser Platz ist inzwischen wieder ein Thema.
2025 ging in Los Morenos ein zusätzlich geschaffener Deponiebereich in Betrieb. Diese Zwischenlösung nimmt die nicht verwertbaren Reststoffe auf, bis die geplante dritte Deponiezelle zur Verfügung steht. Nach den Planungen könnte jedoch auch dieser zusätzliche Platz bereits im Laufe des Jahres 2026 ausgeschöpft sein.
Deshalb befindet sich bereits die nächste Erweiterung im Verfahren. Geplant ist eine dritte Deponiezelle für die Abfälle, die nach der Behandlung nicht weiter verwertet werden können. Das entsprechende Verfahren zur Änderung der Umweltgenehmigung wurde bereits im August 2025 eingeleitet und Anfang 2026 öffentlich bekannt gemacht.
La Palma steht damit vor einem einfachen, aber grundlegenden Problem: Solange mehr Restmüll anfällt, als anderweitig verwertet werden kann, benötigt die Insel immer wieder neuen Deponieraum.
Was die Müllentsorgung kostet
Auch finanziell ist die Abfallwirtschaft inzwischen ein bedeutender Posten.
Für 2026 stellt das Cabildo rund 7,3 Millionen Euro für Abfallmanagement und Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft bereit. Davon sind allein vier Millionen Euro für den Betrieb von Los Morenos vorgesehen.
Weitere Mittel fließen unter anderem in die getrennte Sammlung von Papier und Karton, Infrastruktur, Grundstücke sowie eine Transferanlage, mit der die Logistik zwischen den Gemeinden verbessert werden soll.
Hinzu kommen nun die 600.000 Euro für Villa de Mazo.

Die Gemeinde trägt schließlich die unmittelbaren Auswirkungen einer Einrichtung, die für die gesamte Insel arbeitet. Flächen werden dauerhaft für die Abfallwirtschaft genutzt, hinzu kommen Verkehr und weitere mit dem Betrieb verbundene Belastungen. Vor diesem Hintergrund betrachtet das Cabildo die Zahlung als Ausgleich für eine inselweit notwendige Infrastruktur.
600.000 Euro – gerechtfertigt oder zu viel?
Darüber lässt sich durchaus diskutieren.
Einerseits profitieren sämtliche Gemeinden davon, dass La Palma über eine zentrale Anlage zur Behandlung und Entsorgung seiner Abfälle verfügt. Es erscheint daher nachvollziehbar, dass die Gemeinde, auf deren Gebiet sich diese Infrastruktur befindet, einen finanziellen Ausgleich erhält.
Andererseits handelt es sich um öffentliche Gelder. Die Erhöhung von 390.000 auf 600.000 Euro entspricht einem Plus von rund 54 Prozent. Zusammen mit den Millionenbeträgen für Betrieb und Erweiterung zeigt sich, welche Kosten mit der Entsorgung unseres täglichen Mülls verbunden sind.
Die interessantere Frage reicht deshalb über die aktuelle Zahlung hinaus.
Wie lange können wir so weitermachen?
Eine genaue Antwort darauf gibt es nicht. Klar ist jedoch: Der Platz in Los Morenos ist begrenzt. Jede neue Deponiezelle schafft nur vorübergehend zusätzliche Kapazität. Solange weiterhin große Mengen Restmüll anfallen, wird sich die Frage nach neuem Deponieraum immer wieder stellen.
Glas, Papier und Karton, Verpackungen oder Bioabfälle lassen sich getrennt erfassen und weiterverarbeiten. Was nicht im Restmüll landet, benötigt später auch keinen Platz in einer Deponiezelle.
Die aktuelle Erhöhung der Ausgleichszahlung an Villa de Mazo lenkt damit den Blick auf ein Thema, das die gesamte Insel betrifft. Denn auch auf der Isla Bonita verschwindet Müll nicht, nachdem wir ihn in die Tonne geworfen haben.
Von La Palma 24















