Der Erfinder Thomas Senkel und seine Projekte

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Thomas Senkel erfindet und konstruiert auch auf La Palma:

Skyrider – Multicopter – Hoverboard:

Abgehobene Projekte mit Zukunftspotenzial

Thomas Senkel auf dem Skyrider One beim Jungfernflug auf der Kanareninsel La Palma:

Thomas Senkel auf dem Prototyp der Elektro-Scooter-Gleitschirm-Kombi Skyrider One beim Jungfernflug auf der Kanareninsel La Palma: “Eine der aufregendsten Geschichten, die ich bisher gemacht habe”.

1969 bretterten Peter Fonda und Dennis Hopper als „Easy Rider“ über die Route 66. Im Jahr 2007 folgte der in Flammen stehende Nicolas Cage als „Ghost Rider“. Und Ende März 2016 hob der „Sky Rider“ mit Thomas Senkel ab. Bei letzterem handelt es sich allerdings nicht um eine fiktive Kinogeschichte, sondern um eine ganz realistische Erfindung mit Zukunftspotenzial. Wir haben mal einen Blick in die Werkstatt des „Daniel Düsentrieb“ geworfen, der im Winter auf der Kanareninsel La Palma und im Sommer im deutschen Kusterdingen tüftelt.

 

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Das schrieb Aeronautic-Geschichte und brachte einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde: Nach circa einem Jahr Entwicklungszeit hob Thomas Senkel zum ersten bemannten Flug in einem elektromotorbetriebenen Volocopter ab. Am 21. Oktober 2011 blieb er eine Minute und 30 Sekunden lang mit dem VC1 in der Luft.

Albert Einstein hatte einen Intelligenzquotienten von 148. Thomas Senkel landete beim IQ-Test bei 140 Punkten. Das reicht allerdings auch schon für abgehobene Ideen, die der Erfinder nicht nur aushirnt, sondern zielstrebig in die Praxis umsetzt: Liegeräder, elektrisch angetriebene Fortbewegungsmittel zu Lande und in der Luft sowie Hoverboards gehören zu seinen Entwicklungen. Als Grundlage für sein Schaffen dient ein Physikstudium mit Schwerpunkt regenerative Energien – der Rest sei einfach „Handwerk“, schmunzelt Thomas wie immer bescheiden und erklärt, wie´s geht:

Meine Arbeit besteht ja zum Großteil aus konzeptionellen Überlegungen, wie man etwas überhaupt baut, und dann fange ich an zu konstruieren. Das geht auch auf La Palma, denn auch hier habe ich einen DSL-Anschluss und eine Werkstatt mit einer Ständer-Bohrmaschine, einer Drehbank und einem Schweißgerät. Viel mehr braucht man nicht. So sehen meine Ideen oft erstmal wie ein Hobby aus  – und später entsteht was draus oder auch nicht.

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Thomas im VC2-Versuchsträger für den Multicopter: “Mit begeisterten Privatleuten ein paar zehntausend Euro in die Hand genommen”. Die mutigen Pioniere waren erfolgreich, inzwischen gibt es eine Firma, die das Projekt in Serie bringt.

Klingt ganz locker, wenn Thomas das erzählt. Dabei hat der 48jährige schon ganz große Treffer gelandet. Etwa mit seiner 2010 entstandenen Idee, die damals noch nicht so populären Drohnen „in groß“ zu bauen. Er startete ein Internet-Diskussionsforum, nahm mit begeisterten Privatleuten „ein paar zehntausend Euro“ in die Hand und begann mit der Konstruktion des sogenannten Multicopter. 2011 hat die Riesendrohne mit Elektroantrieb ihren bemannten Erstflug bestanden, und Thomas schwebte damit direkt Guiness-Buch der Rekorde. Demnächst wird der inzwischen serienreife Volocopter auf der Luftfahrtmesse in Deutschland ausgestellt – beim Crowdfunding fürs Start-up in die kommerzielle Produktion kamen in Rekordzeit 1,2 Millionen Euro zusammen! Die Karlsruher E-volo GmbH wird den Mini-Heli für rund 250.000 Euro pro Stück fertigen. Zielgruppe sind vorerst Hubschrauberpiloten, die es mal mit dem den im Unterhalt wesentlich günstigeren, emissionsfreien Volocopter probieren möchten, der laut Thomas auch noch sicherer und einfacher zu fliegen ist als ein herkömmlicher Helicopter. Der Erfinder glaubt, dass in diesem Gerät ein Mega-Potenzial steckt, obwohl bisher nur eine Maximalflugzeit von 20 Minuten drin ist:

Realität gewordene Idee von Thomas: Der VC200 beim Erstflug in der DM-Arena: Die Karlsruher E-volo GmbH baut seinen "Multicopter". Wird er zum VW der Lüfte?

Die Idee von Thomas geht in Serie: Der VC200 beim Erstflug 2013 in der DM-Arena in Karlsruhe: Die E-volo GmbH baut den Volocopter, dessen 18 Rotoren von Elektromotoren angetrieben werden. Laut Thomas ist er “sicherer und einfacher zu fliegen als herkömmliche Hubschrauber”. Wird diese Luftfahrt-Revolution made in Germany in Zukunft zum VW der Lüfte?

Das ist ja nur der Anfang und ein absolutes Novum. Auch die Gebrüder Wright haben am 17. Dezember 1903 mit Flügen zwischen 37 und 260 Metern begonnen… An dem Punkt sind wir jetzt, unser Projekt ist für Leute, die in die Zukunft blicken. Der Multicopter könnte irgendwann mal ein Verkehrsmittel werden, das für die Menschen genauso selbstverständlich ist wie heute das Auto…

Kaum ist das Projekt zum „Volkswagen der Lüfte“ auf der Bahn, hat Thomas schon wieder ein neues entwickelt: Den Skyrider One, mit dem er Ende März 2016 auf der Kanareninsel La Palma einen erfolgreichen Jungfernflug absolvierte. Auch diese Elektro-Kombination aus Motorroller und Gleitschirm stieß sofort auf ein breites Echo nicht nur in der Fachpresse, sondern auch bei an Kooperationen interessierten Firmen, freut sich der Bastler und Denker:

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Der Skyrider One vorm Jungfernflug: Elektroantrieb für den Roller und für den Propeller.

Schon drei Tage, nachdem das Video vom Jungfernflug im Internet stand, hatte ich ein Dutzend Anfragen aus aller Welt im Mail-Ordner. Jetzt muss ich mal abklopfen, inwieweit die für  mich interessant sind. Ich suche ja immer Partner, die zu mir passen. Es geht mir nicht ums Geld, und auch Patente sind für mich uninteressant. Ich bin derjenige, der die Ideen hat und Prototypen baut – die Erfindungen in die breite Masse zu bringen, ist nicht mehr mein Ding, das machen andere. Früher hab ich mal Liegeräder in Kleinserie gebaut, und weiß, was der Aufbau einer Produktion bedeutet. Das möchte ich nicht mehr machen, denn das tötet meine Kreativität.

Und so funktioniert das Forschungsbüro Thomas Senkel heute: Interessenten sehen seine Ideen auf rund 30 Videos im Internet, schreiben ihm eine E-Mail und kaufen ihn und seine Erfahrung speziell im Blick auf umweltfreundliche Elektroantriebe ein. So meldete sich vor ein paar Jahren auch die Firma Hendo in Kalifornien, weil sie Hilfe für ihr Hoverboard-Projekt brauchte. Thomas berichtet, wie er dazu beitrug, dass die Science-Fiction-Einlage des schwebenden Marty Mc Fly im Kultfilm „Zurück in die Zukunft“ Teil 2 Wirklichkeit wurde:

Spaß im Silicon-Valley: Thomas und seine Hoverboard-Mitentwickler.

Spaß im Silicon-Valley: Thomas und ein Hoverboard-Mitentwickler bei Hendo.

Mein Part bei der Entwicklung des Hendo-Hoverboards war vor allem der Elektroantrieb. Da sind vier Motoren drin und die bewegen Magnete, die auf der leitfähigen Oberfläche eines Bodens aus Kupfer Wirbelströme erzeugen. Letztere sorgen wiederum für ein entgegengesetztes Magnetfeld, so dass sich das Hoverboard abstößt und in der Luft bleibt.

Na klar, ist ja ganz einfach… Weil dieses Hoverboard aber nur auf Böden aus Kupfer schweben kann, taugt es nicht als Fortbewegungsmittel für die breite Masse auf asphaltierten Straßen und Gehwegen. In Planung sind laut Thomas aber Spaßparks in Kalifornien und vielleicht auch in Neuseeland:

Da gibt es keinen Riesenmarkt, das ist eher eine witzige Idee. Ich war davon begeistert und will gerne mal wieder nach Kalifornien, speziell ins Silicon-Valley mit seinen vielen kreativen Leuten. Außerdem sind die Amerikaner viel unverkrampfter als die Deutschen – dort wird einfach erst mal gemacht. Auch was Vorschriften und Regeln angeht…

Erster Start des Skyrider One: "

Erster Start von Thomas mit seinem Skyrider One auf den Höhen von La Palma: “Habe einkalkuliert, dass ich im nächsten Gebüsch hänge”.

Thomas gefällt das, denn er ist kein Nerd, der sich im Keller verkriecht, sondern ein Mann der Tat. Außerdem fliegt er seit 16 Jahren Gleitschirm und hat den Ultralight-Flugschein. Und so bereitete er im März 2015 ohne lange zu fackeln auf seiner Finca auf La Palma alles für den Jungfernflug seines Skyrider One vor: Er hängte den Motorroller an einen Balken, bestimmte dessen Schwerpunkt und tarierte ihn aus – und dann düste Thomas aufi auf die Höhen der palmerischen Cumbre. Allerdings hatte der Biker schon etwas Herzklopfen, als er mit seiner elektromotor-betriebenen Scooter-Gleitschirm-Kombination zum ersten Mal an den Start ging:

Das war wirklich eine der aufregendsten Geschichten, die ich bisher gemacht habe – aufregender als der Multicopter, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich bin zwar schon mal mit einem Verbrennungsmotor Gleitschirm geflogen, aber ich wusste beim Skyrider One nicht wirklich, wie sich das Teil in der Luft verhält – Fliegen ist halt ein sehr komplexer Vorgang, und ich habe deshalb einkalkuliert, dass ich im beim Start im nächsten Gebüsch hänge. Ich fuhr also mit dem Radnaben-Antrieb mit der rechten Hand am Gasgriff los und zog den Schirm auf. Als der Schirm über mir war, drehte ich den Propeller-Gasgriff mit der linken Hand auf, damit ich Schub bekomme und in die Luft gehe. Der Propellergriff ist so konstruiert, dass er in der Antriebsstellung hängen bleibt, und damit hatte ich die Hände frei,  um den Gleitschirm zu steuern. Das Ganze läuft innerhalb von fünf Sekunden ab, und alles muss im richtigen Moment passieren, sonst wäre ich – mal ganz platt gesagt – auf der Schnauze gelegen.

Alles gut geganen: Thomas und der Skyrider One sind in der Luft.

Alles gut geganen: Thomas und der Skyrider One sind in der Luft.

Dennoch sagt Thomas, er sei alles andere als ein Adrenalinjunkie. Ihm gehe es um die Ruhe und Naturnähe beim Gleitschirmfliegen, pulsbeschleunigende Sportarten wie Fallschirmspringen oder Basejumping seien nicht seine Sache. Und so war er mehr als froh, dass nach dem gelungenen Start auch der Flug und die Landung am Strand von Tazacorte reibungslos glückten. 30 Minuten maximale Flugzeit mit zwei Akkus packt der Prototyp des Skyrider One derzeit mit der 108 Kilo schweren Maschine. Und wo soll es mit dem Bike am Himmel hingehen, Thomaso?

Das ist per Definition ein Luftsportgerät – aber eigentlich für Gleitschirmfliegen unter Bedingungen wie auf La Palma gar nicht gedacht. Ich hatte bei der Entwicklung eher Gegenden ohne Berge im Sinn! Denn auch dort gibt es Thermik, wo die Luft zu den Wolken hochsteigt. Wenn man dort hinkommt, kann man gut Fliegen. Und da sehe ich den Markt für den Skyrider, mit dem man auch von der Ebene weg mit ganz kurzer Startbahn aufsteigen kann. Noch ein Vorteil ist natürlich, dass man auf dem Skyrider zum Startpunkt fahren kann und nach dem Flug wieder nach Hause kommt. Aufladen kann man ihn an jeder Steckdose. So habe ich das beim Jungfernflug auch gemacht.

Happy Landing in Tazacorte: Thomas kriegt das Grinsen nicht mehr von der Backe.

Happy Landing am Strand von Tazacorte: Thomas kriegt das Grinsen nicht mehr von der Backe.

Ökonomie und Ökologie im Einklang: Das ist das Markenzeichen des Daniel Düsentrieb aus Tijarafe. Selbst auf seiner Finca im Ortsteil Tinizara, wo er im Garten eine Permakultur angelegt und ein wohnklima-freundliches Lehmhaus gebaut hat. Und auch die Entwicklung des spritfreien Skyrider One war eine wirklich wirtschaftliche Angelegenheit, lacht der Erfinder:

Der Motorroller ist eigentlich ein fliegender Blumenkübel. Denn der Scooter stand bei meinem Nachbarn im Garten als florales Dekorationselement, und ich sagte, verkauft mir den, ist doch schade, wenn er so vergammelt. Ich habe dann den Motor auseinandergenommen und repariert und alles andere flott und schick gemacht. So gesehen, musste ich nicht viel Geld reinstecken, den Gleitschirm und das Wesentliche  – den Akku – hatte ich schon, dann musste ich nur noch den Propeller samt Motor besorgen. Wenn ich alles hätte neu kaufen müssen, käme der Prototyp auf rund 10.000 Euro – aber so waren´s gerade mal circa 2.000 Euro.

Heute ist es fertig und Thomas wohnt immer im Winterhalbjahr darin: sein selbstgebautes Lehmhaus in Tijarafe auf La Palma.

Dabei rechnet der Mann mit dem green Spirit seine Arbeitszeit nicht mit ein. Seit Weihnachten 2015 habe er an seinem flying E-Scooter „nur so nebenbei gebastelt“. Wenn er sich rangehalten hätte, wäre das Projekt in zwei Wochen gestanden. Und natürlich legt Thomas die Hände noch lange nicht in den Schoß:

Ideen habe ich noch viele (lacht) – im Blick auf alles, was irgendwie fahren, schwimmen oder fliegen kann. Ein großer Traum von mir ist ein Ultraleicht-Campingmobil zu bauen, mit dem man energie-autark durch die Welt gondeln kann. Es soll einen Tretantrieb, einen Elektromotor, Solarzellen auf dem Dach und Platz für zwei Personen haben, aber deutlich kleiner als ein VW-Bus und nur ein Zehntel so schwer sein. Die Träume gehen ja nicht aus…

Green-Tec

Ein Foto mit Seltenheitswert: Thomas Senkel im Smoking bei der Preisverleihung der Green Tec-Awards für umweltfreundliche Technologien 2013 in Berlin. Außerdem wurde er schon mit dem Lindbergh Elektric Aircraft Prize (LEAP) ausgezeichnet, wobei ihm die Plakette von Erik Lindbergh, dem Enkel des Atlantik-Fliegerpioniers Charles Lindbergh, überreicht wurde.

Immerhin lässt Thomas die Welt an seinen Träumen teilhaben, und hält mit seinen Ideen nicht hinterm Berg, wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat. Gibt es eigentlich auch Geheimnisse, die Du niemandem verrätst, Thomas?

Na klar (lacht)… gut, nächste Frage!

Nein, wir wissen, wann es genug ist und wünschen Dir weiterhin viele abgehobene Einfälle!

Alle Fotos in diesem Beitrag wurden uns von Thomas Senkel zur Verfügung gestellt. Interessenten erhalten weitere Infos über sein Forschungsbüro auf seiner Internetseite, die auch alle Kontaktdaten enthält.

Zur Abrundung stellen wir hier noch den Jungfernflug von Thomas auf seinem heißen Ofen auf La Palma ein:

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