Fliegen auf den Kanaren – ein Gang durch die Geschichte

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Fliegen auf den Kanaren – ein Gang durch die Geschichte

Die Kanaren-Airports einst und heute

Im Januar 2014 feierte die Passagierluftfahrt ihr 100jähriges Bestehen, denn der erste „Linienflug“ der Weltgeschichte verband am 1. Januar 1914 die 35 Kilometer voneinander entfernten Städte Tampa und St. Petersburg in Florida. Wobei allerdings nur ein Gast an Bord des zweisitzigen Flugboots vom Typ Benoist XIV Platz nahm – der damalige Bürgermeister von St. Peterburg Abe Pheil.  Auf den Kanarischen Inseln begann der Passagierflug erst ein paar Jahre später – auf La Palma starteten und landeten die ersten mit Bordgästen besetzten Maschinen erst 1921 am Strand von Tazacorte. Wir haben mal einen Gang durch die Geschichte der Kanaren-Airports gemacht.

 

Einweihung

Einweihung des Buenavista-Flughafens auf La Palma: 19. Juni 1955. Foto: Palmeros en el Mundo

Auf La Palma begann das Fliegen am Strand von Tazacorte…

In den 1920er-Jahren auf die Kanareninsel La Palma zu fliegen, war eine spannende Sache. Denn die Fluggeräte der Gesellschaft Marítimo Canaria rumpelten bei Start und Landung durch den sand-steinigen Strand von Tazacorte. Aber damals war La Palma auch nur ein unbekanntes Eiland, die meisten Palmeros waren arm und konnten vom Fliegen sowieso nur träumen.

Erst in den 1940er-Jahren wurde der Ruf nach einem richtigen Flughafen laut. Auf La Palma wohnten zu dieser Zeit rund 60.000 Menschen, die nur per Schiff von der Insel wegkamen – eine schwierige Situation für die Geschäftswelt, für Studenten und Kranke.

Der Airport Buenavista in den 70ern:

Der Airport Buenavista in den 70ern: nicht optimal – ein neuer Standort musste her. Foto: Palmeros en el Mundo

Aber zunächst galt es, die Standort-Frage zu klären – zur Diskussion standen El Paso, Puntallana, Barlovento, Mazo,  Fuencaliente und Breña Alta. Die Hochebene von Breña Alta machte das Rennen, und im Januar 1952 begann der Bau des Aeropuerto de Buenavista auf der Hochebene vorm heutigen Inselkrankenhaus. Schon während der Bauarbeiten landete der erste Flieger am 23. Oktober 1952, eine Stinson vom Aeroclub Teneriffa. Am 19. Juni 1955 war es dann soweit: Die Palmeros weihten ihren ersten Flughafen mit großen Bahnhof und viel Prominenz ein ein – 180.000 Euro hatte der Bau gekostet. Ab September 1955 starteten und landeten hier Maschinen von den Kanareninseln, vom Festland und sogar internationale Passagierflugzeuge vom Typ Junkers 52 und DC-3.

1980 eröffnet: der Flughafen Santa Cruz de La Palma (SPC) im Osten. Foto: Palmeros en el Mundo

1980 eröffnet: der Flughafen Santa Cruz de La Palma (SPC) im Osten. Foto: Palmeros en el Mundo

Das Problem: Es regnete häufig, wobei sich die Piste in eine Rutschbahn verwandelte. Daraufhin wurde die Start- und Landebahn asphaltiert, und 1958 gab es außerdem eine Holzbaracke zur Abfertigung der Passagiere sowie ein Vorfeld für ein Flugzeug.

Optimal war das immer noch nicht – wegen der starken Winde und häufigem Nebel auf der Hochebene mussten mehr als 15 Prozent der damaligen Flüge gecancelt werden.

2011 eröffnet: Der neue Flughafen Santa Cruz de La Palma (SPC). AENA-Foto

2011 eröffnet: Der ausgebaute Flughafen Santa Cruz de La Palma (SPC) mit neuem Terminal. AENA-Foto

Fazit: Der heutige Airport von Santa Cruz de La Palma (SPC) begann Gestalt anzunehmen. Am 15. April 1970 wurde der Flughafen SPC freigegeben. Nun strömten aber immer mehr Touristen in immer größeren Flugzeugen auf die Kanaren – und nach La Palma. Das machte eine Verlängerung der Landebahn erforderlich, die seit 1980 bis heute unverändert blieb. 2004 begann der Ausbau des SPC-Airports – im Juli 2011 gingen das 100.000 Qudaratmeter große neue Terminal mit Parkhaus in Betrieb. Abgefertigt werden können hier bis zu drei Millionen Passagiere pro Jahr. Kritiker beanstanden diese Dimension, denn La Palma hat letztmals im Jahr 2011 die 1-Million-Passagiergrenze überschritten – 2013 wurden knapp 810.000 Fluggäste gezählt.

 

 

Fluggeschichte auf Gran Canaria – hier begann das Fliegen auf den Kanaren

Auf Gran Canaria begann die Geschichte des Fliegens auf den Kanaren: 1913 hob der erste Flieger

Gran Canaria 2013: Die Geschichte des Fliegens auf den Kanaren beginnt.

Mehr als 100 Jahre ist es her, dass der französische Pilot Leónce Garnier in Llanos de Guanarteme auf Gran Canaria zum ersten bemannten Motorflug auf den Kanaren abhob. Gerade mal sieben Minuten lang war der mutige Mann in seiner Bleriot XI am 30. April 2013 in den Lüften und wiederholte das gelungene Experiment am 10. Mai 2013 – Start war diesmal auf Teneriffa bei Güímar.

Richtig in die Gänge kam die Passagierluftfahrt auf den Kanaren aber erst 1935, als die 1930 gestarteten Flüge von Madrid nach Gran Canaria offiziell zur Linienverbindung erklärt wurden. 1944 wurde das erste Terminal des Airports Gando an der Ostküste zur Abfertigung der Fluggäste und 1948 die erste, rund 700 Meter lange Start- und Landebahn gebaut.

Gran Canaria Airport heute:

Gran Canaria Airport heute: knapp zehn Millionen Passagiere pro Jahr. Foto: AENA

Die wurde 1957 asphaltiert und auf 2.000 Meter und 1960 auf 3.100 Meter verlängert. Der rasant zunehmende Tourismus machte schließlich den Bau einer zweiten Piste erforderlich – seit 1980 ist sie in Betrieb.

1970 begann der Bau eines neuen Terminals, 1991 wurde es erweitert. Heute umfasst das Gebäude 100.000 Quadratmeter, 76 Abfertigungsschalter, 11 Fluggastbrücken und 16 Gepäckförderanlagen. Im Jahr 2013 reisten auf Gran Canaria knapp 9,8 Millionen Passagiere an und ab.

 

 

Abheben und Landen auf Teneriffa

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Erster Kanarenpilot Leónce Garnier.

Abgesehen vom oben erwähnten Flugexperiment Leónce Garniers 1913 in Güímar tat sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg nicht viel in Sachen Passagierflug auf Teneriffa. Erst 1946 wurde der Nordflughafen auf einem Hochplateau nahe der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife eröffnet. Diese Lage mit ihren Scherwinden und häufig dichtem Nebel durch Passatwolken war und ist eine Herausforderung für die Piloten.

Alternative

Alternative zum Nordflughafen: Der Airport Reina Sofia im Süden von Teneriffa, auf dem heute die meisten internationalen Maschinen landen, nahm 1978 seinen Betrieb auf. Die Inselhüpfer landen meistens auf dem Nordflughafen bei Santa Cruz. Foto: AENA

Die Probleme dieses Standorts trugen dazu bei, dass sich1965 und 1972 schwere Unfälle auf dem Los Rodeos-Airport ereigneten, die im März 1977 im bisher schwersten Unglückfall in der Geschichte der Luftfahrt kulminierten, der 583 Menschenleben forderte.

Dies war der Auslöser für den Bau des Flughafens Reina Sofia, der 1978 im Süden von Teneriffa bei Los Christianos für den nationalen und internationalen zivilen Luftverkehr freigegeben wurde. Inzwischen gehen rund 70 Prozent aller Starts und Landungen auf dem Südflughafen über die Bühne – 2013 fertigten die Mitarbeiter des Reina Sofia-Airports etwas mehr als 8,7 Millionen Passagiere ab.

 

 

 

Nach Lanzarote mit dem Flugzeug

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An dritter Stelle nach Gran Canaria und Teneriffa: Airport Lanzarote mit rund 5,3 Millionen Fluggästen in 2013. Im alten Passagierterminal lädt ein Museum zum Betrachten von Erinnerungen ans Fliegen von einst ein. Foto: AENA

Schon 1936 landeten die ersten Flieger auf Lanzarote – als Zwischenstopp für die Linie Sevilla – Kanaren. Mitte 1940 baute die Luftwaffe einen Flughafen westlich von Arrecife, als Basis zur Verteidigung der Kanaren im Zweiten Weltkrieg. Dieser Airport wurde 1946 für den zivilen Luftverkehr geöffnet und in den 1950er-Jahren ständig ausgebaut. Die ersten internationalen Maschinen landeten schließlich im März 1970 – und die ständig steigenden Touristenzahlen machten ständige Erweiterungen erforderlich. 1999 ging das neue Terminal des Flughafens Lanzarote an den Start. 2013 wurden in Arrecife etwas mehr als 5,3 Millionen Fluggäste abgefertigt.

Der Airport Lanzarote hat ein eigenes Luftfahrtmuseum im 1940 errichteten Passagierterminal. Dort gibt es neben einer Reproduktion von Inselkünstler César Manrique „Lanzarote“ Fotos und Objekte aus den verschiedenen Flugepochen zu sehen.

 

 

Fuerteventura – Fliegen einst und heute

Modern

Ständig umgebaut und erweitert: Aiport von Fuerteventura bei Puerto del Rosario – 2013 wurden hier 4,3 Millionen Passagiere begrüßt – bis zu fünf Millionen Gäste por Jahr könnten theoretsich abgefertig werden. Foto: AENA

1949 nahm der Flughafen von Fuerteventura im Gemeindebezirk Tefía den internationalen Betrieb auf – und wurde schon 1952 wieder geschlossen. Grund: Der Airport war zu weit von der heutigen Inselhauptstadt entfernt. Daraufhin eröffnete man den Flughafen Los Estancos nur fünf Kilometer entfernt von Puerto del Rosario – und auch er erwies sich bald wieder als unzureichend im Blick auf Wetter und Kapazität.

Immer mehr Touristen reisten an, sodass nochmal gebaut wurde – wieder bei Puerto del Rosario – und dieser 1969 eröffnete Flughafen bedient die Welt bis heute. 1978, 1992 und 1994 wurde El Matorral wegen ständig steigender Passagierzahlen erweitert – 2008 passte man die Startbahnen an. Aktuelle Jahreskapazität: fünf Millionen Fluggäste – 2013 begrüßte man rund 4,3 Millionen Urlauber.

 

 

El Hierro  – nur nationale Flieger landen

Airport von El Hierro: gemütlich

Airport von El Hierro: Das gemütliches Flughafengebäude empfing im vergangenen Jahr rund 140.000 Passagiere. Foto: AENA

Seit 1962 suchte man auf El Hierro ein geeignetes Gebiet für einen Flughafen und entschied sich schließlich für die Küste im Nordosten nahe der Hauptstadt Valverde. Seit 1972 fliegen hier Maschinen des zivilen Inlandsverkehr Passagiere und Fracht ein. In den 1990er-Jahren gab es Ausbauarbeiten am Terminal und der Start- und Landebahn.

Heutzutage verbinden die insularen Fluggesellschaften den Airport von El Hierro hauptsächlich mit Teneriffa und Gran Canaria. 2013 gelangten so knapp 140.000 Gäste auf die kleine Kanareninsel.

 

 

La Gomera hat keinen internationalen Airport

La Gomera:

La Gomera Airport: kaum Betrieb – 2013 wurde ngerade mal 24.500 Reisende gezählt. Die meisten Leute kommen mit dem Schiff auf die kleine Kanareninsel, denn die Anbindung an Teneriffa ist sehr gut. Foto: AENA

Die Geschichte des Fliegens auf La Gomera ist hauptsächlich von Diskussionen bestimmt. Grund dafür geben die schwierige geographische Lage der Insel, der zu schützende Nationapark Garajonay und im Gegenzug die Forderung der Bewohner nach schneller Hilfe in Notfällen. Erst 1994 gab es grünes Licht für einen kleinen Airport auf der Hochebnee Alajeró, zwei Kilometer vom Privatflugplatz El Revolcadero aus den 1950er Jahren entfernt. 1995 stellte die spanische Flughafenbetreibergesellschaft AENA den Airport fertig, 1999 kam ein Terminal dazu. Hier können allerdings nur kleine Maschinen wie die Inselhüpfer von Binter landen. Der Flugbetrieb ist unrentabel, da La Gomera sehr gute Schiffsanbindungen an Teneriffa hat. 2013 wurden auf dem Flughafen der Insel nur knapp 24.500 Passagiere gezählt.

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