Lampenputzergras gefährdet Kanarenflora

Lampenputzergras1

Umweltamt von La Palma: Aufruf zum fachgerechten Jäten – denn:

Der Rabo de Gato macht alles platt 

Es ist schon paradox: Was in Deutschland als Gartenzierde für teures Geld gekauft wird, stellt in manchen Regionen Spaniens und auf den Kanarischen Inseln eine ernste Gefahr für die endemischen Pflanzen dar. Es geht um das Afrikanische Lampenputzergras – hierzulande Rabo de Gato genannt – und seine schnelle Ausbreitung.

 

Plakat des Umweltamts von La Palma: Aufruf an die Bevölkerung, dem floralen Aggressor Rabo de Gato zu Leibe zu rücken.

Plakat des Umweltamts von La Palma: Aufruf an die Bevölkerung, dem floralen Aggressor Rabo de Gato zu Leibe zu rücken.

Das Lampenputzergras heißt wegen seiner buschigen Rispen in Spanien „Katzenschwanz“. Weil der Rabo de Gato eigentlich ganz schön aussieht, werden Vertreter seiner Art in Deutschland gerne als Gartenzierde ausgepflanzt. In Spanien ist das seit 2013 verboten, denn in diesem Jahr wurde das Pennisetum Setaceum in den nationalen Katalog der invasiven exotischen Arten aufgenommen – hier klicken. Sprich: Besitz, Verkauf und Transport von lebenden und sogar von abgestorbenen Pflanzen sind untersagt.

Der Rabo de Gato: gefährlicher als Waldbrände

Der Grund für das Verbot ist auf dem spanischen Festland und weiten Teilen der Kanarischen Inseln längst offensichtlich: Das Ende des 20. Jahrhunderts zur Garten-Deko eingeschleppte Ziergras breitet sich ohne Gegenmaßnahmen wahnsinnig schnell aus und macht dabei alle einheimischen Gewächse platt. Die Kanarenregierung hat dem Rabo de Gato den Krieg erklärt und bereits 2011 eine Resolution erlassen. Dennoch musste 2014 festgestellt werden: „Diese Spezies bedeckt inzwischen auf den Inseln eine größere Fläche als beispielsweise die endemischen kanarischen Palmenhaine.“ Besonders betroffen seien Teneriffa, Gran Canaria und La Palma. Der Biologe Arnoldo Santos warnt: „Die Invasion des Rabo de Gato ist gefährlicher als die Waldbrände, denn das Lampenputzergras vernichtet komplett alles in seiner Umgebung“. Sprich: zuerst die anderen Pflanzen, und infolgedessen wandern auch die damit in Symbiose stehenden Tiere ab. Auf La Palma, so Santos weiter, habe der Rabogato inzwischen sogar schon die Caldera de Taburiente vom Barranco bis in höheren Zonen erreicht – ungeachtet eines schon 1999 beschlossenen Kontrollplans der Inselverwaltung.

Schüler aus Mazo jäten Rabo de Gato an den Vulkanen in Fuencaliente: wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein... Foto: IES Mazo

Schüler aus Mazo jäten Rabo de Gato an den Vulkanen in Fuencaliente: wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein… Foto: IES Mazo

Fürs Ausrotten ist es wohl zu spät – nur noch In-Schach-Halten scheint möglich. Und so ruft die Kanarenregierung die einzelnen Inseln immer wieder dazu auf, die Bevölkerung über den Ökosystem-Killer zu informieren und fürs Entdecken des Rabogatos zu sensibilisieren. Seitdem gibt es allerorten Aktionen, bei denen Freiwillige die aggressiven Eindringlinge eliminieren – beispielsweise Anfang November 2015  auf La Palma, als eine Schülergruppe aus Mazo die Vulkanhänge von Fuencaliente vom Rabo de Gato befreite.

So ist es richtig: Die Asociación Abeque aus Teneriffa

So ist es richtig: Die Asociación Abeque aus Teneriffa hat schon viele Anti-Rabogato-Aktionen durchgeführt und Tüten dabei, damit die Samen nicht umherfliegen können. Foto: Asociación Abeque

 

 

Tipps vom Medio Ambiente La Palma zum Eliminieren des Rabo de Gato

Ganz wichtig: Wer dem Lampenputzergras zu Leibe rücken will, muss einiges beachten, wenn der Schuss nicht nach hinten losgehen soll. Wenn möglich, sollte man den Rabogato entfernen, bevor er seine Samen ausbildet – bis zu 10.000 pro Pflanze können es sein! Diese Samen verbreiten sich nicht nur mit dem Wind, sondern auch mit dem Wasser und setzten sich in Tierfellen, Vogelfedern und sogar in Kleidung, Schuhen oder Autoreifen fest. Kaum haben sie sich irgendwo fallen lassen, bilden sie innerhalb von drei Monaten Ähren aus und widerstehen sogar Feuer und selbst vielen Pflanzengiften.

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Lampenputzergras ohne Rispen: Lehrer und Schüler aus Mazo erwischten den optimalen Zeitpunkt zum Ausgraben der Pflanzen in Fuencaliente, denn noch hatten sie keine Samen ausgebildet, die streuen konnten. Foto: IES Mazo

Das Umweltamt von La Palma empfiehlt,  den Rabogato möglichst vorm vollen Erblühen und an windarmenTagen zu jäten. Dabei soll man die Rispen vorsichtig zusammenfassen, in eine brennbare Tüte stecken und diese gut verschließen. Ist das wegen der Größe der Pflanzen nicht möglich, gilt es, die Ähren einzeln vorsichtig mit einer Schere abzuschneiden und dann wiederum in Tüten zu stecken. Anschließend gräbt man die Pflanze mitsamt der Wurzel mit einer Hacke aus. Alles gut einpacken – auch herabgefallene Teile und Samen. Die Tüten mit ihrem brisanten Inhalt sollten in Metallbehältern verbrannt werden – nicht in die öffentlichen Mülltonnen werfen! Achtung: Es gilt die Vorschriften des Medioambiente zum Verbrennen von Gartenabfällen zu beachten.

Das Medio Ambiente von La Palma warnt: Das Lampenputzergras niemals einfach an seiner Fundstelle abfackeln – die Hitze lässt es nur noch schneller wachsen. Gartenbesitzer sollten in der Nähe der Pflanze keine elektrischen Geräte zur Gartenpflege wie etwa „Sopladoras“ einsetzen, denn diese tragen durch Luft und Power zur Verbreitung der Rabogato-Samen bei.

So sieht es auf Hawaii aus: Pennisetum Setaceum hat ganze Landstriche erobert. Foto: Lava flow with Pennisetum setaceum photographed above Kailua-Kona Airport, Hawai‘i by Eric Guinther (Marshman aten.wikipedia) (2005).

Vorm Rabo de Gato muss man sich auch andernorts in Acht nehmen – so sieht es auf Hawaii aus: Das Lampenputzergras hat ganze Landstriche erobert und die endemische Flora eliminiert. Foto: Pennisetum setaceum photographed above Kailua-Kona Airport, Hawai‘i by Eric Guinther (Marshman aten.wikipedia) 2005.

 

 

 

 

 

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