La Palma-Bücher: Krimis von Peter Wark

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La Palma-Bücher: Die Peter Wark-Krimis Versandet und Absturz

 

Sympathischer Chauvi löst Mordfälle

2002 und 2003 sind die beiden La Palma-Krimis Versandet und Absturz von Peter Wark erstmals erschienen. Jetzt hat sie der Gmeiner-Verlag neu aufgelegt, und 2019 soll ein weiteres Abenteuer mit dem Amateur-Detektiv Martin Ebel erscheinen. Meine Tochter Stephanie und ich haben in den ersten beiden Kriminalromanen geblättert.

 

Der erste Peter Wark-Krimi, der auf La Palma spielt: Versandet.

Peter Wark-La Palma-Krimi Nummer 1: In Versandet löst Detektiv Martin Ebel zusammen mit seinen Freunden den ersten Fall, der die “Ermittler” und somit auch die LeserInnen kreuz und quer über die Insel führt.

Vom Anwalt der Stuttgarter Halbwelt zum Überlebenskünstler auf der Isla Bonita: Martin Ebel ist ein Anti-Held wie er im Buche steht. Der knapp 40-jährige hat eine große Klappe und haut auch schon mal zu. Seine nicht vorhandene Obrigkeitshörigkeit und schlagende Argumente zwingen ihn, das Haute Volée-Leben in der Schwabenmetropole gegen einen Job als Guide bei einer Firma für Mountainbike-Touren auf La Palma zu tauschen. Ebel trinkt lieber in Massen als in Maßen, lebt gratis in der Wohnung seiner spanischen Freundin in Los Llanos und schnorrt sich in Ermangelung eines eigenen fahrbaren Untersatzes in schönster Wilsberg-Manier durch den Fuhrpark seiner Freunde.

Dennoch kommt der Chauvi sympathisch rüber: Beim Lösen der Mordfälle in Versandet und Absturz nimmt der Amateur-Detektiv nicht nur andere, sondern auch sich selbst auf die Schippe, steckt klaglos weg, wenn er eine aufs große Maul kriegt, und ist ein treuer Freund. Im Verbund kommt seine Clique aus Palmeros und Residenten aus dem Ausland den bösen Buben in beiden Büchern auf die Schliche.

Fazit: Diese beiden Romane sind kein großes Krimi-Kino, sondern ein nettes Filmchen, das auf der kleinen Insel im Nordwesten des Kanarenarchipels spielt. Peter Wark hat eine leichte Lektüre für den Urlaub geschrieben, die vom Sprachwitz des ich-erzählenden Protagonisten lebt. Meiner Tochter Stephanie, die nicht auf La Palma, sondern in Deutschland wohnt, hat gern darin geschmökert: Es ist so gut geschrieben, dass keine Langeweile aufkommt, und der Martin Ebel gefällt mir durch seinen Hang zu Sarkasmus und Selbstironie. Ich finde viele Stellen sehr lustig und bildlich beschrieben, man kann sich gut reinversetzen.

In Absturz erlebt Detektiv Ebel sein zweites Abenteuer: Tatort ist immer La Palma.

In Absturz erlebt Martin Ebel sein zweites Abenteuer: Tatort ist diesmal die Vulkanroute auf La Palma.

Als La Palma-Kenner muss man allerdings die Zeit der Erstauflage kurz nach der Jahrtausendwende in Rechnung stellen: In Versandet ermitteln die Freunde noch ganz nostalgisch mit Hilfe von Beziehungen und Archiven, erst in Absturz kommt einmal „ein Blick ins Internet“ vor. Der Autor spricht vom „neuen Krankenhaus“, das heute 18 Jahre auf dem Buckel hat, und in seinem zweiten Werk lässt er den Neuen Cumbre-Tunnel erbauen – allerdings 100 Meter neben der alten Röhre, was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Aber ein Krimi muss ja kein Reiseführer sein. Gut daran: Peter Wark langweilt nicht mit langatmigen Landschaftsbeschreibungen oder überflüssigen Dialogen. Dafür verpasst er seinem Hauptdarsteller eine spannungsreiche Ausdrucksweise, die von „Bullen“ und „angearscht“ bis hin zu überraschend gewählten Begriffen wie „argumentatorische Schärfe“ oder „Allerwertester“ reicht.

Erstaunlich ist, dass Peter Wark, obwohl er niemals längere Zeit auf La Palma lebte, sondern nur urlaubte (siehe Interview unten), in seinen Krimis dem realen Leben auf der Insel recht nahe kommt: Zum einen steht die Bar in Los Llanos, wo sich die Clique um Martin Ebel trifft, für die typischen Hot-Spots und Netzwerkbildungen von Residenten aus dem Ausland rings um die Isla Bonita. Zum anderen verkörpert sein Detektiv die hier nicht selten anzutreffende Sorte Aussteiger, die denkt, es werde schon irgendwie laufen. So nach dem Motto „viel arbeiten lieber weniger“ und trotzdem festen wie die Großen. Ein Trugschluss, der schlussendlich aufs Durchschnorren und irgendwann wieder Abreisen hinausläuft.

 

Im Gespräch mit dem Autor von Versandet und Absturz

Peter Wark lebt mit seiner Frau – inzwischen wieder – in Ebingen auf der Schwäbischen Alb und ist ein wohl etwas eitler Mann, der sein Alter nur mit „gestanden“ angeben mag. Er war rund 30 Jahre lang als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen tätig und arbeitet seit einem Jahr in der Unternehmenskommunikation einer Holding, deren sechs Firmen sich mit dem Themenfeld erneuerbare Energien befassen. Ich habe ihm ein paar Fragen gestellt und wünsche viel Spaß beim weiteren Lesen, Ihre Gudrun Bleyhl.

Peter Wark: lebt in Ebingen auf der schwäbischen Alb.

Peter Wark: lebt in Ebingen auf der Schwäbischen Alb.

Peter, Versandet und Absturz sind nach Angaben des Gmeiner-Verlags 2002 und 2003 erschienen. Warum haben Sie die beiden Kriminalromane 2018 neu aufgelegt?

Peter Wark: Nun, die Bücher waren nicht mehr im Handel erhältlich, und ich hatte die Idee, sie zu überarbeiten und als E-Books neu herauszubringen. Als ich vom Verlag die Rechte an den Büchern zurückhaben wollte, schlug der mir nach kurzem Überlegen vor, sie überarbeitet mit neuen Covern neu zu verlegen – sowohl im Print als auch als E-Books. Damit hat er bei mir natürlich offene Türen eingerannt.

Wieviel Zeit haben Sie sich einst für die Recherche auf La Palma genommen?

Peter Wark: Leider habe ich nie längere Zeit auf der Isla Bonita gelebt, sondern sie nur in vielen Urlauben kennengelernt. Tatsächlich habe ich mal einige Leute aus der deutschsprachigen Aussteigerszene kennengelernt, und zwar in einer Kneipe in Puerto de Tazacorte. Das war ein verdammt lustiger Abend.

Mountain-Biken auf La Palma: Wark-Protagonist Ebel schlägt sich als MTB-Guide durch.

Mountain-Biken auf La Palma: Wark-Protagonist Ebel schlägt sich als MTB-Guide durch.

Ihre Geschichten sind fiktiv, es heißt allerdings, Sie seien tatsächlich ein begeisterter Mountainbike-Fahrer. Außerdem habe ich gelesen, dass Siggi und Claudia mit ihrem Unternehmen für MTB-Touren real existierende Personen auf La Palma sind…

Peter Wark: Ich selbst bin leidenschaftlich gerne Mountainbike gefahren, und habe mehrere Alpenüberquerungen gemacht sowie an Veranstaltungen wie Marathons teilgenommen. Inzwischen habe ich sowohl das MTB- als auch das Rennrad-Fahren doch ziemlich eingeschränkt. Man hat ja gefühlt immer mehr beruflichen Stress und private Verpflichtungen. Dass Siggi und Claudia mit ihren Klarnamen in den Büchern auftauchen, ist eine lustige Geschichte: Ich hatte das erste Buch damals mit den richtigen Namen geschrieben, wollte diese dann aber noch austauschen. Irgendwann habe ich Claudia und Siggi angeschrieben und von dem Buchprojekt berichtet. Da haben sie geantwortet, dass es sie überhaupt nicht störe, wenn sie in den Büchern auftauchten, „solange wir nicht die Mörder sind.“

Waren Sie seither mal wieder auf La Palma – insbesondere zur Recherche ihres dritten, bisher unveröffentlichten Ebel-Krimis?

Peter Wark: Mein letzter La Palma-Aufenthalt liegt zwei Jahre zurück. Wir überlegen gerade, ob wir im Winter zumindest für eine Woche hinreisen wollen. Voraussichtlich im Herbst 2019 wird das dritte Buch der Reihe erscheinen. Eventuell zieht es der Verlag auch vor und bringt es schon im Frühjahrsprogramm, doch das ist eher unwahrscheinlich. Ich habe das dritte Buch nicht jetzt, sondern schon zusammen mit den ersten beiden geschrieben, nur wollte der Verlag das damals nicht veröffentlichen, weil sich die ersten beiden nicht ausreichend gut verkauft haben. Inzwischen sieht das ganz anders aus, auch weil sich der Gmeiner-Verlag sehr professionalisiert hat und nun über ein richtig gutes Marketing verfügt, dank dem die Bücher in alle relevanten Kanäle kommen. Zur Zeit schreibe ich am vierten Band und will den Ebel so langsam von der Bikestation entkoppeln, um auch nicht immer tatsächlich existierende Personen ins Spiel zu bringen. Außerdem wird La Palma für ständige Verbrechen auf Dauer ein wenig zu klein – so findet der Showdown im dritten Band auf Teneriffa statt.

Möchten Sie schon vorab etwas darüber erzählen?

Los Llanos de Aridane: In dieser Stadt im Westen von La Palma wohnt Protagonist Martin Ebel. Foto: Fernando Rodríguez/Palmeros en el Mundo

Los Llanos de Aridane: In dieser Stadt im Westen von La Palma wohnt Protagonist Martin Ebel. Foto: Fernando Rodríguez/Palmeros en el Mundo

Peter Wark: Der dritte Band beginnt damit, dass Ebel von einem seiner wenigen Heimatbesuche in Deutschland zurückkommt. Neben ihm im Flieger sitzt ein ehemaliger Schulfreund namens Justus, der sich dreist zu ihm nach La Palma eingeladen hat. Kaum angekommen, benimmt sich dieser immer seltsamer. Ebel nimmt das zunächst nicht ernst, doch nach einem Einbruch in seine Wohnung und einem Überfall auf seinen Gast erfährt Ebel, dass diesen ein dunkles Geheimnis umgibt. Justus hat sich mit der Ostblock-Mafia eingelassen. Als Justus schließlich einem vermeintlichen Badeunfall zum Opfer fällt, ahnt Ebel, dass die langen Arme des organisierten Verbrechens bis nach La Palma reichen. Ab hier nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Was hat es mit dem Gepäckstück auf sich, das Justus in Ebels Wohnung deponiert hat? Warum verhalten sich die Hinterbliebenen von Justus so seltsam? Hat Justus noch mehr Dreck am Stecken als er zugegeben hat? Und wer ist der glatzköpfige deutsche Schnurrbartträger, der Ebel zu folgen scheint wie ein Schatten?

Martin Ebel war bei der Erstauflage um die 40 Jahre alt – aber eigentlich ist das nun 15 Jahre her. Ist er im dritten Buch immer noch jung?

Die Piratenbucht in Tijarafe: Auch in der Prois de Candelaria spielt eine actionreiche Szene von Versandet. Foto: Facundo Cabrera

Die Piratenbucht in Tijarafe: Die Prois de Candelaria ist einer von vielen tollen Plätzen auf La Palma, die sich Peter Wark als Schauplatz für die Szenen seiner Krimis ausgesucht hat. Foto: Facundo Cabrera

Peter Wark: Das ist in der Tat eine interessante Frage: Altert der Held ganz normal oder nicht? Ich habe mich für zweiteres entschieden. Einige meiner literarischen Lieblings-Krimiserien verfahren auch nach diesem Prinzip. So hat Richard Stark seine Parker-Romane – die ich liebe – über vier Jahrzehnte hinweg geschrieben. Parker ist aber immer im etwa selben Alter.

Hat Martin Ebel mit Ihnen außer der Liebe zum MTB etwas gemeinsam?

Peter Wark: Nicht wirklich – hoffe ich! Ein bisschen zielgerichteter als Martin Ebel lebe ich ja schon 😊 An der Bar sitze ich jedoch auch mal und habe Spaß: Zum Beispiel wenn ich auf der Criminale bin, wo ich als Mitglied in der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren teilnehme. Einmal jährlich findet dieser Branchentreff für Schriftsteller, Drehbuchautoren, Literaturagenten, Fernsehredakteure und andere Insider statt, wobei es bei dieser Netzwerkbildung auch mal gesellig zugeht.

In Ihren Werken – zehn Kriminalromanen und circa 20 Kurzgeschichten – kommen ja immer wieder Protagonisten vor, die nicht gerade erfolgreiche Superhelden sind…

Peter Wark: So wie Schauspieler immer wieder sagen, es sei viel herausfordernder, kaputte Typen darzustellen als glatte Gewinner, so interessieren mich als Autor auch eher die unangepassten Typen mit Ecken und Kanten. Damit macht man es sich nicht unbedingt leicht, denn ein Ebel ist ja nicht gerade ein Sympathieträger auf den ersten Blick.

Peter, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen viel Erfolg. “Versandet” und “Absturz” sind im Gmeiner-Verlag erschienen – alle weiteren Infos auf dessen Website.

Der Strand von Tazacorte: Hier nimmt die Karriere von Martin Ebel als Detektiv wider Willen seinen Lauf. Foto: La Palma 24

Der Strand von Tazacorte: Hier nimmt die Karriere von Martin Ebel als Detektiv wider Willen ihren Lauf. Grund: Er buddelt leidenschaftlich gern im Sand und wird mordsmäßig fündig. Foto: La Palma 24

 

 

 

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