Modemacher Juan Brea auf La Palma

brea-juan-designer-spanien-titel

Interview mit Juan Brea bei seinem Auftritt beim Isla Bonita Love Festival 2017

 

„Alle Menschen sind gleich –

egal ob Du schwarz, weiß oder gelb bist“

Zeitschriften wie La Moda oder die Vogue handeln ihn als eines der vielversprechendsten Modetalente Spaniens, er beeindruckte auf der Fashion Show in Madrid und wurde 2015 mit dem Goldenen Fingerhut ausgezeichnet: Die Rede ist von Juan Antonio Buena Brea. Kürzlich schickte der 31jährige Designer Models mit seiner Kollektion namens 1615 auf den Catwalk des Isla Bonita Love Festivals. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit dem Talent made in Spain gesprochen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass BREA im kommenden Jahr Shops in Frankfurt und Berlin eröffnen will.

 

Juan Brea: backstage bei den Modeschauen des Isla Bonita Love Festivals 2017.

Juan Brea: backstage bei den Modeschauen des Isla Bonita Love Festivals 2017.

Juan, Sie sind zum Isla Bonita Love Festival nach La Palma geflogen. Geht es nur um die Präsentation ihrer Modeschöpfungen, oder gefällt Ihnen auch der Gedanke dieses Events, das ein Zeichen für Gleichstellung und Toleranz setzen will?

Juan Brea: Natürlich bin ich hier, um die Idee der Veranstaltung zu unterstützen. Alle Menschen auf der Welt sind gleich, egal, ob Dir Jungs oder Mädchen gefallen, ob Du schwarz bist oder weiß oder gelb. Außerdem finde ich es gut, dass so ein Festival einer kleinen Insel wie La Palma auch wirtschaftliche Impulse gibt.

Derzeit kann man allerdings weltweit eine toleranzvernichtende Gegenbewegung beobachten…

Juan Brea: Leider, wir leben in Krisenzeiten, da gedeiht der Extremismus. Gerade deshalb muss man die Gesellschaft zum Nachdenken bringen, damit die Rechtspopulisten keine Chance haben. Man muss Werte setzen, wie hier beim Isla Bonita Love Festival und europäisch denken. Uns geht es in diesem Verbund allen sehr gut.

Juan Brea und seine 1615-Kollektion: Schlussstrich unter einer Liebesbeziehung. Fotos: BREA

Juan Brea und seine 1615-Kollektion: Schlussstrich unter einer Liebesbeziehung. Fotos: BREA

Wie erleben Sie den Umgang mit Homosexuellen in der Modebranche?

Juan Brea: In dieser Branche gibt es Vielfalt ohne Ende, da fühlst Du keine Vorurteile. Auch in Madrid, wo ich als schwuler Mann lebe, spüre ich keine Nachteile. Aber in kleineren Orten kann das anders sein, deshalb ist die Erziehung der Gesellschaft noch nicht zu Ende. Das alles braucht Jahre, um nicht zu sagen, Generationen. Aber wenn man nichts macht, geht es auch niemals weiter. Mancherorts auf der Welt gehen die Gesellschaften im Blick auf Toleranz ja sogar rückwärts…

Eine Beziehung von Ihnen, die in die Brüche ging, gab ihnen ja die Inspiration für ihre aktuelle Kollektion namens 1615…

Juan Brea: Ja, denn diese Horrorbeziehung habe ich mit der desaströsen Ehe der Anna von Österreich und dem Franzosenkönig Ludwig XIII verglichen, die 1615 heirateten. Und so habe ich eine Trilogie im barocken Stil entworfen, die die verschiedenen Phasen einer Love-Story zeigt.

1615 war der Schluss ihrer Mode-Trilogie, die mit 1563 und 1598 begann. Wollen Sie in Spanien ein Barockpapst wie Harald Glööckler in Deutschland werden?

Juan Brea: Nein, auf keinen Fall. Jetzt gibt es keinen Barock mehr, denn ich bin flexibel. Die nächste Kollektion ist schon fertig, allerdings ist alles noch geheim und wird erst auf der Madrid Fashion Show im Februar 2018 gezeigt.

Juan, im kommenden Jahr haben Sie ja noch mehr vor…

Juan Brea: Ich will in Spanien und auch in Deutschland in Frankfurt und Berlin Shops eröffnen – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Bisher gibt es meine Kollektionen ja nur online zu kaufen. Außerdem werden wir im Oktober 2017 an einer Verkaufsmesse im russischen St. Petersburg teilnehmen.

Sie haben einmal gesagt, dass sie immer auf der Suche nach der Synthese zwischen Klassik und Avantgarde sind. Würden Schuhe von Manolo Blahnik, der aus La Palma stammt, zu Ihren Modellen passen?

Juan Brea (lacht): Natürlich! Es Manolo! Leider kenne ich ihn nicht persönlich…

Manolo Blahnik ging ja schon in jungen Jahren in die Fremde und kommt heute nur noch ab und zu nach La Palma, um Urlaub zu machen. Hat es Sie auch schon mal in andere Länder verschlagen?

Juan Brea: Ja – ich liebe Berlin, es ist eine so ausgeflippte Stadt. Insbesondere im Blick auf die Mischung aus wohlhabenden Leuten und dem Underground. Ich wollte ja mal Architektur studieren und deshalb interessiere ich mich, egal wo ich bin, auch sher für die Gebäude – ich habe sogar für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses gespendet (lacht). Berlin inspiriert mich, mir gefällt natürlich auch der sehr überladene deutsche Barock.

Isla Bonita Love Festival-Talentwettbewerb-Siegerin Waleska Morín: Juan Brea gefiel die Kollektion seiner Kollegin von der Isla sehr gut. Fotos: Waleska Morín

Isla Bonita Love Festival-Talentwettbewerb-Siegerin Waleska Morín: Juan Brea gefiel die Kollektion seiner Kollegin von der Isla Bonita sehr gut. Fotos: Waleska Morín

Apropos Inspiration: Wie entstehen eigentlich Trends in der Mode?

Juan Brea: Trends werden nicht von der Modeindustrie gemacht – sie entstehen vielmehr auf der Straße. Die Designer erleben hier ihre Inspirationen und bringen sie auf die Laufstege, wobei die Defilees auf den Fashion Weeks in Madrid, London, Paris oder Berlin immer die Trends fürs nächste Jahr zeigen.

Haben Sie bei den Modeschauen beim Isla Bonita Love Festival auf La Palma diese „Umwelteinflüsse“ ebenfalls bemerkt?

Juan Brea: Absolut, ich habe festgestellt, dass die Natur ein großes Thema ist. Auf La Palma gibt es viele Blumen und andere Motive aus der Natur. Das hat man auch bei den Modellen der Siegerin des Modetalentwettbewerbs, Valesca Morín, bemerkt.

Juan Brea-Tipps für Nachwuchsdesigner: In Sachen Presse und soziale Netzwerke immer dranbleiben und nachlegen, nachlegen, nachlegen

Juan Brea-Tipps für Nachwuchsdesigner: Ideen und sich selbst präsentieren, wo es nur geht und Durchhaltevermögen zeigen. Fotos mit Jacke aus der 1615er-Kollektion: BREA

Haben Ihnen die Entwürfe von Walesca gefallen?

Juan Brea: Ja, sehr…

Welche Tipps würden Sie Nachwuchstalenten in Sachen Karriere geben?

Juan Brea: Als ich mein Studium am Centro Superior de Moda in Madrid abgeschlossen hatte, war ich 25 Jahre alt. Um den Master zu machen, muss man eine Kollektion entwerfen, und mit der bin ich dann direkt an die Presse gegangen und habe meine Entwürfe in den sozialen Netzwerken gepostet. Später habe ich Maßanfertigungen gemacht und einen Vertrag mit einer Agentur geschlossen, die mich dann in die Fashion Show in Madrid brachte, woraufhin mir 2015 der Goldenen Fingerhut verliehen wurde. Ich empfehle allen meinen jungen Kollegen und Kolleginnen Ausdauer und Durchhaltevermögen, man muss immer nachlegen und nachlegen und nachlegen…

Sie sagten vorher, sie wollten ursprünglich Architektur studieren. Wie sind sie dann in der Modebranche gelandet?

Juan Brea: Ich habe gezeichnet, seit ich so circa drei Jahre alt war, und bis zu meinem 13. Lebensjahr wollte ich immer Architekt werden. Aber dann habe ich zufällig zusammen mit meiner Mutter in einer Modezeitschrift geblättert und ein Outfit von Valentino gesehen, das mich begeistert hat. Dann begann ich verschiedene Looks zu zeichnen, und da Mathe und Physik ohnehin nicht meine Glanzfächer in der Schule waren, sattelte ich ganz auf Mode um. Der Rest ist Geschichte…

2011 haben Sie ihre Firma BREA gegründet und mit Taschen und Accessoires in Leder begonnen, heute fertigen Sie elegante Mode, die Sie als Pret a Couture bezeichnen. Was heißt das?

Juan Brea: Meine Kollektionen nenne ich Pret a Couture, weil sie sehr aufwändig und von Hand gearbeitet sind – das gilt natürlich auch für meine Maßanfertigungen entsprechend individueller Wünsche. Das heißt, Techniken aus Konfektion und industrieller Fertigung kommen ebenso zum Einsatz wie Details aus der Haute Couture-Schneiderei. Das Ziel ist, Pret a Porter und Haute Couture zu verbinden.

Das machen Sie aber nicht alles allein, oder?

Juan Brea: Klar, die Ideen sind von mir, aber ich setze sie zusammen mit heute insgesamt sechs MitarbeiterInnen um. Am Anfang habe ich alles ganz allein mit nur einer Schneiderin gemacht.

Wenn man es geschafft hat: Juan Brea-Reportage in der La Moda.

Wenn man es geschafft hat: Juan Brea-Reportage in der La Moda.

 

Sind Sie schon reich geworden?

Juan Brea (lacht): Nein, aber ich kann inzwischen von meiner Mode leben.

 

Juan, wir danken Ihnen für die Ein- und Ausblicke und wünschen Ihnen weiterhin viele kreative Ideen und Erfolg!

Allen, die mehr über das Talent made in Spain wissen wollen, können sich hier auf seine Website klicken.

 

 

Artikel powered by Google

Artikel kommentieren

E-Mail-Adesse wird nicht veröffentlicht


X

Newsletter anmelden

Email Adresse
Vorname
Nachname