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Es kennzeichnet den Unerfahrenen, daß er nicht an glückliche Zufälle glaubt
Joseph Conrad

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Deutsch-Kanarische Beratungsgesellschaft

Mountain-Biking: Experten-Interview

23. Januar 2015 GUDRUN 3 Kommentare / Jetzt kommentieren!

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 Gesetz auf den Traum-Trails:

 

„Das Miteinander von Radlern und

Wanderern ist elementar“

 

Philipp: Guide auf La Palma.

Philipp: Guide auf La Palma.

Rund 4,7 Prozent aller Deutschen geben in Umfragen Mountain-Bike-Fahren als ihre liebste Freizeitaktivität an. Die Statistik zeigt, dass sich im Jahr 2014 knapp 3,3 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung häufig aufs MTB schwangen - etwas mehr als zehn Prozent pedalierten ab und zu mit dem geländegängigen Drahtesel. Einige von ihnen und außerdem Mountainbiker aus Österreich und der Schweiz strampeln auch zunehmend auf der Kanareninsel La Palma, wo mehrere Veranstalter geführte Touren anbieten. Einer von ihnen ist Philipp Foltz von Atlantic Cycling, der stellvertretend für seine Kollegen mit dem La Palma 24-Journal über die Luftsprünge und Hürden des Mountain-Bikings auf der Isla Bonita sprach.

Philipp, Du organisierst seit vielen Jahren MTB-Touren auf La Palma. Gibt es einen Trend?

MTB auf La Palma: Trend steigend, aber noch lange keine Radler-Schwemme. Foto: Kirsten-Sörries

MTB auf La Palma: Trend steigend, aber noch lange keine Radler-Schwemme. Foto: Kirsten-Sörries

Philipp: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der MTBler auf der Insel ständig gestiegen. Die Veranstalter der geführten Touren haben viel Arbeit, aber dennoch ist noch Luft nach oben. Wenn man den MTB-Tourismus auf La Palma mit Hochburgen dieses Sports wie zum Beispiel dem Gardasee oder Saalbach-Hinterglemm in Österreich vergleicht, ist es hier immer noch sehr ruhig. An einem Tag, an dem richtig viel los ist, und alle in dieselbe Richtung fahren, kann es sein, dass 30 oder 40 MTBler den gleichen Weg benutzen – das ist im Vergleich zu den Alpen sehr wenig. Selbst auf Gran Canaria gibt es deutlich mehr Radler, obwohl es dort lange nicht so schön ist wie auf La Palma.

MTB auf La Palma: abwechsl

MTB auf La Palma: Auf einem Ausflug fährt man durch die verschiedensten Landschaftszonen - und manchmal wie auf Wolken. Foto: Kirsten Sörries

 

Was macht La Palma so besonders für die Fans dieses Outdoor-Sports?

Philipp: Hier gibt es unheimlich viele Möglichkeiten... angefangen von landschaftlich sehr schönen Anstiegen über Schotter- und Nebenstraßen mit wenig Verkehr bis hin zum sportlichen Bereich mit endlos langen Wanderwegen zum Bergabfahren. Was jeden MTBler auf La Palma beeindruckt, ist der schnelle Wechsel der Vegetationszonen – das kennt der Biker aus Mitteleuropa so nicht. Wenn ich in den Alpen eine Stunde bergab fahre, verändert sich der Weg, aber die Natur bleibt immer gleich. Auf La Palma dagegen startet man oben in den Kiefernwäldern, dann fährt man durch Dschungelgebiete, anschließend kommt Lavasand, dann hab´ ich auf einmal Felsen unter dem Reifen und Palmen und Kakteen um mich rum, und am Schluss kann man zum Abkühlen noch kurz ins Meer springen.

MTB auf La Palma:

MTB auf La Palma: Biker und Wanderer teilen sich die Trails. Foto: Christoph Malin

Wie ist die Resonanz unter den Teilnehmern?

Philipp: Wir haben auf La Palma 100 Prozent glückliche Kunden...

... großes Indianer-Ehrenwort?

Philipp: Ja, ganz ehrlich. Zum einen haben alle Veranstalter so professionelle Guides, dass es wenig Ansatzpunkte für Unzufriedenheit gibt. Und die Natur und die Wege sind so schön – das kompensiert sowieso alles.

Philipp, Du sprichst ja immer wieder von Wanderwegen, die die MTBler befahren. Gibt es keinen Ärger mit den Wanderern, wenn die Mountain-Bikes vorbeischießen?

Philipp: Wir schießen nicht vorbei. Sobald wir Wanderer sichten, fangen wir an zu bremsen und fahren grundsätzlich in Schrittgeschwindigkeit an ihnen vorbei. Leider haben noch nicht alle Radler begriffen, dass ein Miteinander nur so funktioniert, aber der größte Teil der Biker verhält sich schon so. Für alle Biker ist das Miteinander mit den Wanderern elementar, denn wir nutzen in vielen Gebieten dieselben Wege.

MTB auf La Palma und Umweltschutz: "Kein Radler, der auf sich hält, verlässt heute mehr die Wege". Foto: Kirsten Sörries

MTB auf La Palma und Umweltschutz: "Kein Radler, der auf sich hält, verlässt heute mehr die Wege" - offroad-Fahren ist nach Angaben von Experten wie Philipp Foltz schon lange in allen Ländern verpönt. Foto: Kirsten Sörries

Wie oft treffen Mountain-Biker und Wanderer eigentlich aufeinander?

Philipp: Lang nicht so häufig, wie man denken mag. Auf der 15 bis 18 Kilometer langen Strecke vom Refugio El Pilar bis nach Puerto Naos zum Beispiel begegnet unsere Gruppe von sieben Radlern durchschnittlich vielleicht sieben bis zehn Wanderern. Außerdem versuchen wir, die Hotspots der Wanderer wie die Wege in Los Tilos oder bei den Drachenbäumen in Garafía zu meiden. Die meisten Wanderer treffen wir an der Südspitze von La Palma, vor allem wenn gerade ein Reisebus eines Kreuzfahrtschiffes parkt, und die Touristen beim Vulkangucken sind. Dann machen wir langsam, bis wir an allen vorbei sind.

MTB auf La Palma & Umweltschutz: Guides halten zum sanften Bremsen an. Foto: Kirsten Sörries

MTB auf La Palma und Umweltschutz: Guides halten zum sanften Bremsen an. Foto: Kirsten Sörries

Warum weichen die MTBler nicht einfach ins Gelände aus?

Philipp: Kein Fahrradfahrer, der auf sich hält, verlässt heute mehr die Wege. In der Anfangszeit des MTB-Sports war das teilweise so, dass Leute richtig offroad gefahren sind. Das ist inzwischen in unseren Kreisen komplett verpönt, man würde sich sehr unbeliebt machen. Wir bleiben auf den Wegen und versuchen, so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen. Deshalb halten wir unsere Teilnehmer dazu an, nicht aggressiv, sondern sanft zu bremsen.

Ist das in dem wilden und steilen Gelände auf La Palma immer machbar?

MTB auf La Palma: teils wild und steil. Foto: Kirsten Sörries

MTB auf La Palma: Könner suchen das teils wilde und steile Gelände. Foto: Kirsten Sörries

Philipp: Nein, natürlich kann man nicht immer vermeiden, dass das Hinterrad ins Rutschen kommt. Aber ich glaube nicht, dass wir mehr Spuren hinterlassen als andere, die die Wege benutzen. Außerdem verändert sich das Gelände hier durch Wind und Wetter sowieso immer von selbst, sprich: Die Wege müssen immer gepflegt werden, egal ob sie Biker oder Wanderer benutzen. Es gibt auch Studien aus den Alpen, die belegen, dass MTBler im Durchschnitt nicht mehr Schaden anrichten als Wanderer.

MTB auf La Palma: Tourenveranstalter verhandeln mit der Inselregierung über eigene Trails für die Radler. Foto: Daniel Simon

MTB auf La Palma: Tourenveranstalter verhandeln mit der Inselregierung über eigene Strecken für die Radler. Foto: Daniel Simon

Was sagt denn das Umweltamt der Inselregierung zum Thema Mountainbiking?

Philipp: Die Tourenveranstalter sind im ständigen Kontakt mit dem Medio Ambiente und untereinander – also wir von Atlantic-Cyling und die Kollegen von der Bike Station in Puerto Naos sowie beiden Veranstalter aus Los Llanos – Bike & Fun und Magic Bike. Dabei versuchen wir auch, eigene Bike-Strecken zu bekommen, vor allem in Gebieten mit vielen Wanderern. Denn nach wie vor werden wir eigentlich nur geduldet, weil in ganz Spanien das Befahren von Wanderwegen im Prinzip verboten ist. Nicht zuletzt deshalb ermahnen wir unsere Gruppen auch immer, sich anständig zu verhalten.

Und wie ist die Gesetzeslage in anderen Ländern mit MTB-Hochburgen?

Philipp: In Deutschland ist Mountain-Biking auf Wanderwegen erlaubt – außer in Baden-Württemberg. In der Schweiz sind die Gesetzte von Kanton zu Kanton verschieden. In manchen ist unser Sport total verboten, in den stark MTB-spezialisierten dagegen gibt es eigens angelegte Strecken und Sommerskilifte, die die Radler mit auf den Berg nehmen. In Österreich gibt es in den einzelnen Bundesländern ebenfalls unterschiedliche Wege-Vorschriften. Somit ist ein MTBler auch aus den Alpen gewohnt, bei seiner täglichen Tour die Betretungsgesetze zu brechen und zu hoffen, dass er als gleichberechtigter Naturnutzer nicht für die Ausübung seines Sports bestraft wird.

MTB auf La Palma: Foto: Kirsten Sörries

MTB auf La Palma: Nach den Erfahrungen der Guides sind Radler auf der Insel entgegen vielen Vorurteilen keine "jungen Rowdies", sondern gediegene Sportler aus allen sozialen Schichten, die - meist unter professioneller Leitung - das Naturerlebnis suchen. Foto: Kirsten Sörries

Auf La Palma werden jedenfalls keine Strafzettel an Mountain-Biker im Gelände verteilt. Im Gegenteil, am 10. Januar 2015 haben sich neun Gemeinden mit dem CIT-Tourismusverband zusammengeschlossen, um in deutschen Städten auch verstärkt fürs Radfahren auf La Palma zu werben. Welche „Sorte“ Leute suchen eigentlich dieses Outdoor-Erlebnis auf der Isla Bonita?

Philipp: Unsere Radler kommen aus allen sozialen Schichten und sind in der Regel zwischen 30 und 50 Jahre alt, davon sind 70 bis 80 Prozent Männer. Erfreulich ist, dass sich das MTB jedes Jahr weg von der reinen Männersportart wegbewegt, und sich auch immer mehr Frauen ins Gelände trauen. Insgesamt ist der MTBler entgegen vielen Vorurteilen kein junger Rowdy. Die jungen Wilden gibt´s zwar auch, aber die betreiben Mountainbiking als Downhill-Sport und fahren im Sommer in Bike-Parks in Deutschland. Im Gegensatz dazu suchen unsere Gruppenmitglieder das Naturerlebnis. Das sind durchwegs sehr vernünftige Leute, die keine Probleme haben, den Drahtesel auch mal ein paar Meter zu schieben, wenn´s extrem wird.

MTB auf La Palma: Traum-Trais, Abenteuer - und natürlich viel Spaß. Foto: Bike Station Puerto Naos

MTB auf La Palma: Traum-Trails, Abenteuer - und natürlich Spaß unter Gleichgesinnten. Foto: Bike Station Puerto Naos

Apropos extrem: Welche Voraussetzungen muss ein MTBler mit nach La Palma bringen, um das schwierige Gelände zu packen?

Philipp: Grundsätzlich gilt natürlich, sich nicht zu überschätzen und sich in dem fremden Gebiet niemals allein auf den Weg zu machen. Deshalb tragen wir Veranstalter viel Verantwortung und wählen die Touren entsprechend des Trainingszustands der Teilnehmer sorgfältig aus, damit wir niemand überfordern. Auf La Palma gibt es vom realtiv leicht zu befahrenden Schotter- und Wanderweg bis hin zum alpinen Gelände viele verschiedene Möglichkeiten. So bieten wir zum einen gemütliche Sightseeing-Touren zur nächsten Tapa-Bar. Allerdings verzeichnen wir insgesamt nur wenige Genussradler. Der MTBler, der sich für La Palma entscheidet, sucht in der Regel eher das alpine Trailfahren. Also 40 bis 60 Kilometer sportlich bergauf oder sportlich bergab am Tag – da muss man sein Bike schon sehr gut beherrschen.

Rauf auf den Roque de los Muchachos und wieder runter ist für Urlaubs-MTBler natürlich ein Riesenerlebnis. Aber Du machst das jetzt schon seit Jahren, Philipp. Wird es Dir nie langweilig?

Philipp: Nein, im Gegenteil. Die Touren sind jeden Tag wieder aufs Neue eindrucksvoll. Ich könnte manche Touren fünf Tage in der Woche hintereinander machen, und es würde mir nicht langweilig werden. La Palma ist für mich der schönste Arbeitsplatz auf der Welt.

Lieber Philipp, das La Palma 24-Journal bedankt sich für die Infos und die von Atlantic Cycling zur Verfügung gestellten Fotos.

Kurz nach diesem Interview richtete die Inselregierung von La Palma die ersten sieben offiziellen MTB-Strecken ein. Diese bieten ein Spektrum von der Familien-Radtour bis hin zum sportlichen Radeln - alle Infos hier klicken.

Internet-Adressen einiger MTB-Veranstalter auf La Palma:

Atlantic Cycling Puerto Naos

Bike Station Puerto Naos 

Bike & Fun Los Llanos 

Magic Bike  Los Llanos

Mountain-Bike-Video-Postkarte von Atlantic Cyling vom Januar 2015:

Von Gudrun -

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3 Antworten zu “Mountain-Biking: Experten-Interview”

  1. Jürgen Sentis sagt:

    Gerade von einem Wanderurlaub auf La Palma zurück, haben wir leider kaum rücksichtsvolle MTBler getroffen. Gebremst haben sie für und eigentlich nur, wenn es gar nicht anders ging, soll heißen es war kein Platz zum Vorbeifahren da. Mehrfach wurden wir dafür von vorbeirasenden Bikern eingestaubt. Rücksicht stelle ich mir anders vor. Aber welcher Veranstalter (der raste übrigens vorneweg) würde so etwas in einem Interview schon zugeben. Eigene Wege für MTBler? Ja gerne, denn auf Wanderwegen haben sie meiner Meinung nach nichts verloren, solange sich ihr Verhalten nicht bessert!

  2. Jürgen Werner sagt:

    Bin immer wieder erstaunt und überrascht wo überall mein Name und meine e-Mail gespeichert ist…

    Da ich in Tazacorte wohne, bin ich oft (meist 4 mal pro Woche) in der eigentlichen Hpt-Stadt: Los Llanos; ebend weil diese (“kleine”) große Stadt das Leben dieser Insel den Menschen Kultur und Zusammengehörigkeit schenkt. Beides hat Spanien und der Rest der Welt bereits verloren.
    Ich bin täglich dankbar hier wohnen und leben zu dürfen.
    Die Mehrzahl der Palmeros sind gute und freundliche Menschen uns Ausländer gegenüber.

  3. Jürgen Theis sagt:

    Zitat: Philipp: Nein, natürlich kann man nicht immer vermeiden, dass das Hinterrad ins Rutschen kommt. Aber ich glaube nicht, dass wir mehr Spuren hinterlassen als andere, die die Wege benutzen. Außerdem verändert sich das Gelände hier durch Wind und Wetter sowieso immer von selbst, sprich: Die Wege müssen immer gepflegt werden, egal ob sie Biker oder Wanderer benutzen. Es gibt auch Studien aus den Alpen, die belegen, dass MTBler im Durchschnitt nicht mehr Schaden anrichten als Wanderer.

    Wenn es um den Erhalt der Wanderwege geht sollte man doch auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

    Es gehört wenig Fantasie dazu das ein Fahrrad den Untergrund wesentlich stärker beansprucht als ein Wanderer. Auf La Palma findet man viele Pfade, die durch Fahrräder stark beschädigt sind.

    Jeder Sportart sollte man natürlich die Möglichkeiten geben sie zu betreiben.

    Allerdings passen Radfahrer und Wanderer nicht auf die gleichen Wege abgesehen von den Beschädigungen der Pfad ist die Unfallgefahr ist viel zu groß.

    Beste Grüße
    Jürgen

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