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La Palma-Leute: Ricardo García – Teufelskerl aus Tijarafe

Ricardo-Garcia-Diablo-Titel

Wasserski-Rekorde, Tijarafe-Teufel und Crash mit dem Bike:

 

Das spannende Leben des Ricardo García 

Ricardo García Castro ist ein Teufelskerl – und die Palmeros finden ihn höllisch gut. Schon mehrmals legte der Extremsportler auf Wasserskiern Streckenrekorde hin. Seine Furchtlosigkeit bewies Ricardo außerdem elf Jahre lang als Feuerwerk-sprühender Diablo beim Teufelstanz in Tijarafe. Auch die Unterwasser-Bodega von Vinos Tendal ist einer seiner teuflisch guten Einfälle. Grund genug fürs La Palma 24-Journal, dem Hans-Dampf-in-allen-Gassen mal auf den Zahn zu fühlen.

Ricardo heute: Am 8. Oktober bretterte er auf Wasserskiern von Ibiza nach Alicante. Foto: Organisation

Ricardo 2013: Anfang Oktober bretterte er auf Wasserskiern von Ibiza nach Alicante. Foto: Organisation

Im August 1973 erblickte Ricardo García Castro in La Palmas Nordwestgemeinde Tijarafe das Licht der Welt. Von Kindesbeinen an war er sportbegeisert – und im Alter von zwölf Jahren kam Ricardo auf die geniale Idee, die Welt auf Wasserskiern zu erobern. Das Problem: Der Youngster hatte weder das Geld für ein Boot, noch das Alter für den notwendigen Führerschein. Aber der kleine Teufel wusste sich zu helfen:

Unsere Familie betreibt eine Bananen-Finca, und da gibt es auch einen großen Wassertank. Also haben meine Freunde und ich den Jeep meines Vaters gemopst und ihn mit einer Seilvorrichtung am Tank verbunden. Wir hatten zwar alle noch keinen Führerschein, aber es gab keine Probleme mit der Polizei, weil wir ja auf Privatgelände übten.

Ricardo gestern: Landrover des Papas gemopst und im Bananenwassertank trainiert. Foto: Ricardo García

Ricardo 1985: Landrover des Papas gemopst und im Bananenwassertank trainiert. Foto: Familie García

Wenn der Jeep nach unten fuhr, zog er die Wasserskifahrer nach oben und umgekehrt. Wichtig war nur, dass das Auto rechtzeitig abgebremst wurde. Diesen Punkt erwischten wir leider nicht immer (lacht). Wer dann gerade im Tank auf Skiern war, machte schon mal Bekanntschaft mit der Mauer,  es sei denn, er ließ das Seil rechtzeitig los.

So verrückt, wie es anfing, ging es auch weiter. Mit 15 kaufte Ricardo mit einer kleinen Finanzspritze vom Papa sein erstes, 30-PS-starkes Boot und machte mit seinen Freunden die Küste zwischen Tazacorte und Tijarafe unsicher. So vergnügten sie sich ein paar Jährchen, bis Ricardo folgendes Erlebnis hatte:

Ricardo in seinem 230-PS-starken Boot in Tazacorte: vorbei sind die Zeiten, als er mit 30 Pferdestärken unterwegs war. Foto: La Palma 24

Ricardo in seinem 230-PS-Boot in Tazacorte: vorbei sind die Zeiten, als er mit seinem ersten Schlauchboot und 30 Pferdestärken unterwegs war. Foto: La Palma 24

Mein Cousin und ich fuhren Wasserski und alberten herum, als er plötzlich sagte: „Fahr doch einfach nach La Gomera weiter!“. Ich fand, das war eine gute Idee, habe trainiert und 2004 meine erste, 74 Kilometer lange, offizielle Überquerung ohne Pause von La Palma bis nach La Gomera realisiert. Damals hat niemand, wirklich gar niemand, an mich geglaubt. Alle haben gesagt, „das ist der verrückte Teufel aus Tijarafe“. Aber nachdem mein erster Versuch geklappt hat, nahmen sie mich ernst, und dann kamen auch die ersten Sponsoren.

Mit deren Unterstützung konnte Ricardo seine Rekorde der nächsten Jahre durchziehen: Ohne Haltgurte, nur mit der Kraft seiner Arme flitzte er unter anderem im August 2005 auf seinen Brettern in nur drei Tagen über knapp 200 Kilometer Atlantik von La Palma nach El Hierro und weiter über La Gomera nach Teneriffa. Seine bislang längste Strecke bewältigte Ricardo 2008: knapp 450 Kilometer von Lanzarote über Teneriffa nach La Palma in zwei Tagen.

Doch dann setzte das Schicksal der Erfolgsserie im Jahr 2012 ein jähes Ende: Ricardo verbrachte einen Born-to-be-Wild-Urlaub in den Vereinigten Staaten und fuhr relaxed mit seiner Harley auf dem Highway, als ihn ein SMS-schreibender Autofahrer von hinten von der Straße fegte.

Freunde und Sponsoren vertrauten Ricardos Form nach dem schweren Unfall: Erfolgreiche Überfahrt von Ibiza nach Alicante. Foto: Organisation

Freunde und Sponsoren vertrauten Ricardos Form nach dem schweren Unfall: erfolgreiche Überfahrt von Ibiza nach Alicante. Foto: Organisation

Fazit: So ziemlich jeder Knochen war gebrochen. Aber Ricardo erholte sich mit eisernem Willen von seinen lebensgefährlichen Verletzungen – und hat eine Botschaft für alle, die ähnliche Lebenseinschnitte verkraften müssen:

Das Einzige, was ich während meiner Rekonvaleszenz in den Krankenhäusern in Amerika und später in Madrid gedacht habe, war, nach La Palma zurückzukehren, zu meinen Freunden und den Dingen, die ich noch nicht gemacht habe. Also habe ich mir jeden Tag gesagt: Hinfallen ist erlaubt, wieder aufstehen ist Pflicht. Siempre, siempre, Ricardo es diablo... (lacht).

Entgegen aller Prognosen stand der Teufelskerl nicht nur wieder auf, sondern eineinhalb Jahre später schon wieder profimäßig auf Wasserskiern:

Konzentration vorm Start in Ibiza: Ricardo ist nach eineinhalb Jahren Rekonvaleszens wieder da. Foto: Organisation

Konzentration vorm Start in Ibiza: Ricardo ist nach eineinhalb Jahren Rekonvaleszens wieder da. Foto: Organisation

Anfang Oktober 2013 bretterte Ricardo in knapp drei Stunden über die 104-Kilometer-Distanz zwischen Ibiza und Alicante. Vorbereitet hatte er sich vor allem mit Krafttraining im Sportstudio, denn Wasserskifahren an sich, sagt das Stehauf-Männchen, sei wie Fahrradfahren – das verlerne man nicht. Ricardo war trotzdem froh, dass er wieder Mitstreiter gefunden hatte, die ihm nach seinem Unfall vertrauten und ihn unterstützten:

Für eine solche Überfahrt braucht man vor allem Freunde, außerdem zwei Boote, zwei Kapitäne, Benzin, Matrosen, Sanitäter und einen Notar, um den Erfolg amtlich zu beglaubigen. Außerdem müssen die Tickets und Übernachtungen für alle Beteiligten bezahlt werden.

Überfahrt nach Alicante: Das Team auf dem Boot reicht Ricardo mit einer Stange Bananen und Wasser. Foto: Organisation

Überfahrt nach Alicante: Das Team auf dem Boot reicht Ricardo mit einer Stange Wasser und natürlich Kraftfutter made in La Palma: Plátanos! Foto: Organisation

Trotz aller Erfolge von Ricardo García ist der Wasserski-Sport auf La Palma nicht besonders populär. Deshalb hilft Ricardo Feriengästen, die es mal versuchen wollen, gerne weiter. Durch seine Beziehungen kann er alles Nötige organisieren – Telefon: 630.136.184. Denn der Allround-Sportler arbeitete früher im Centro de Buceo in Tazacorte und ist auch ausgebildeter Tauchlehrer.

Seit dem Tod seines Vaters hat er dafür allerdings keine Zeit mehr. Jetzt muss Ricardo dafür sorgen, dass die Plátanos auf seiner Finca wachsen. Auch dem Motorradfahren hat der passionierte Biker nach dem Unfall  in Amerika und einem zuvor schon ebenfalls nicht selbstverschuldeten Crash auf La Palma abgeschworen.

So kann man sich täuschen: das süße, blonde Kerlchen Ricardo hatte es von Kindesbeinen an faustdick hinter den Ohren. Foto: Familie García

So kann man sich täuschen: Das süße, blonde Kerlchen Ricardo hatte es von Kindesbeinen an faustdick hinter den Ohren. Foto: Familie García

Seine Auftritte als Teufel beim Danza del Diablo in Tijarafe sind seit 2011 ebenfalls Vergangenheit – aber eine, an die er sich gern erinnert. Ricardo erzählt, wie er zum Teufelskerl wurde:

Ich war etwa zwölf Jahre alt, als ich meine Mutter fragte, ob ich den Teufel spielen könne. Und sie antwortete mir: „Du bis schon ein Teufel, Du brauchst ihn gar nicht zu spielen...“ Aber ich ließ nicht locker, ich wollte unbedingt bei der Fiesta dabeisein. Mit 17 übernahm ich deshalb zunächst die Rolle eines Cabezudos, dann wurde ich einer der Riesen, und 2001 hatte ich meine große Chance: Der Teufel war verletzt und sie fragten mich, ob ich die Figur mal zur Probe machen würde. Das war meine Chance - und dann war ich elf Jahre lang der Diablo ...

Ricardo, hat Du eigentlich vor gar nichts Angst?

Nein, Angst habe ich nicht. Aber ich bin vorsichtig und habe Respekt – vor allem vorm Meer. Beim Wasserskilaufen hatte ich noch nie einen Unfall, und auch in meiner ganzen Zeit als Teufel ist mir nie etwas passiert. Außerdem wurde meine Ausrüstung jedes Jahr verbessert.

Trotzdem ist es kein Pappenstil, in einer Blechtonne zu stecken, aus der unzählige Feuerwerkskörper zischen. Der Teufelskerl sieht das allerdings ganz locker:

Auf den Leib geschneidert: Ricardos liebste Rolle als Teufel beim Danza del Diablo in Tijarafe. Foto: Organisation

Auf den Leib geschneidert: Ricardos liebste Rolle als Teufel beim Danza del Diablo in Tijarafe. Foto: Organisation

Ganz ehrlich, ich habe dabei nie daran gedacht, dass etwas schiefgehen könnte. Ich habe bei meinen Auftritten als Diablo nur die Gesichter der Leute gesehen, wie sie sich freuen, springen und tanzen. Dass ich den Leuten so viel Spaß  bereiten kann, war für mich das Größte.

Neben aller Ausgelassenheit gibt es beim Danza del Diablo jedes Jahr Verletzte durch die Feuerwerkskörper. Das wird oft kritisiert, aber Ricardo hat Insider-Wissen:

Wir hatten niemals Probleme mit schweren Verletzungen oder gar Toten wie auf vergleichbaren Festen. Bei uns gibt es ab und zu Verbrennungen, aber die Betroffenen sind zum Teil sogar stolz darauf.

Keine Angst vor dem Teufel: Risikotruppe sucht die Nähe - Schrammen sind wurscht. Foto: Tijarafe

Keine Angst vor dem Teufel: Risikotruppe sucht die Nähe - Schrammen sind wurscht. Foto: Tijarafe

Für sie ist es ein Beweis, um ihren Freunden zu zeigen, dass sie dem Teufel ganz nahe waren. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der muss sich einfach fern halten. Kurz vor den Auftritten des Diablos warnt der Bürgermeister stets mit einer Mikro-Durchsage in mehreren Sprachen vor der Gefahr. Dann bleiben nur die Leute im Zentrum, die ganz bewusst mit dem Teufel tanzen wollen und sich auch des Risikos bewusst sind.

Der mutigste von allen war freilich stets Ricardo. Kann man als Diablo Eindruck bei den Frauen schinden? Ricardo lacht und sagt:

Ich glaube nicht. Das macht man nicht deshalb. Ich bin aus Tijarafe, ich habe das im Blut und will nicht, dass diese Tradition verlorengeht. Und ich bin stolz, dass ich den Diablo so viele Jahre lang geben durfte.

Teuflisch gute Idee: Ricardo bringt Wein der Kellerei Tendal auf den Meeresgrund. Die Reifung der etwas anderen Art bringt inzwischen überzeugende Ergebnissse. Foto: Tendal

Verteufelt gute Idee: Ricardo lagert Wein der Kellerei Tendal auf dem Meeresgrund. Die Reifung der etwas anderen Art bringt inzwischen überzeugende Ergebnissse - allerdings ist der submarine Vino noch nicht im Handel. Das La Palma 24-Journal wird berichten. Foto: Tendal

 

Weil er´s im Blut hat, sprudelt er nur so vor teuflischen Ideen. So hat der Taucher Ricardo zusammen mit seinem Cousin von der Kellerei Tendal das ausgeflippte Pilotprojekt „Unterwasserbodega“ ausgehirnt. Dabei bringt Ricardo Sekt und Wein der Winzer aus Tijarafe auf den Grund des Atlantiks, wo die Rebsäfte eine etwas andere Art der Reifung erleben. Ricardo schwärmt:

Nach einigen Jahren im Meer verändert sich der Geschmack des Weines unglaublich. Er schmeckt einfach toll, toll, toll... Im Dezember werden wir nochmal 1.000 Flaschen versenken, dann gibt es irgendwann mal Ergebnisse.

Probieren dürfen bisher allerdings nur Familienmitglieder und Freunde. Wann die submarinen Tropfen in den Handel kommen, ist noch nicht absehbar.

Ab ins Meer: Ricardo versteckt die Flaschen allerdings gut, damit Fremdtaucher keine Beute machen können. Foto: Tendal

Ab ins Meer: Ricardo versteckt die Flaschen allerdings gut, damit Fremdtaucher keine Beute machen können. Foto: Tendal

Das La Palma 24-Journal wünscht Ricardo weiterhin viel Erfolg beim Wein-Versenken und natürlich auch beim Wasserskifahen. Wer mehr über das Pilotprojekt der Kellerei Tendal wissen will, liest unseren neuesten Artikel zu diesem Thema.

 

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