Führung durch die Ecofinca Platanológico in Puerto Naos

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Platanológico-Chef Fran Garlaz informiert über Bananenanbau und hat eine Mission:

„Es ist so wichtig, dass wir

unsere lokalen Ökosysteme bewahren!“

In Spanien unterscheidet man zwischen Bananen und deren Schwestern, den süßen kleinen Plátanos. Fran Garlaz baut die geschmackvollen gelben Früchtchen in Puerto Naos auf der Kanareninsel La Palma biologisch – hierzulande „ecológico genannt – an. Fazit: Seine Finca trägt den Namen Platanológico, und wir sind bei einer der Führungen durch das „organisierte Chaos“ im Biogarten mitspaziert.

Fran zeigt weiße Fliegen auf einem Bananenblatt: locken Marienkäfer an. Foto: La Palma 24

Weiße Fliegen auf einem Bananenblatt: Fran erklärt, wie man sie ohne Insektizide kontrolliert. Foto: La Palma 24

 

Allem voran: Die Tour de Plátanos dauert zwei Stunden, und je nach Anfrage führt sie Fran auf Englisch oder Spanisch durch. Der Gang durch den „Dschungel“ der Biofinca ist nicht anstrengend – unterwegs ruht man sich immer wieder an Plätzen mit Bänken aus. Und dann erleben die Besucher jedesmal eine echte Schau. Denn Fran bringt mit plastischen Schilderungen und Ganzkörpereinsatz Farbe in die graue Theorie des ökologischen Bananenanbaus – zum Beispiel, wenn er über Marienkäfer spricht:

Also, ein Ladybeetle, den wir hier Sarantontón nennen, fliegt durch eine kommerziell bewirtschaftete  Bananenplantage, schaut sich um und denkt: „Oh, hier ist alles so sauber, und es gibt gar nichts Leckeres zu essen…“ Aber wenn der Marienkäfer dann mal bei mir  auf der Ecofinca vorbeikommt, entdeckt er hie und da weiße Fliegen und ruft seinen Kollegen zu: „Hey, hier rennen weiße Kaninchen und Elefanten rum, kommt, das ist das Paradies!“

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Fran und sein Riesenmesser: Hier haut er eine Bananestaude durch, um den Besuchern das viele Wasser darin zu zeigen.

Mit solch humorvollen Bildern schafft es Fran, dass seine Erklärungen über die Symbiose und Balance von Flora und Fauna im biologischen Landbau sehr kurzweilig rüberkommen. Nebenher haut er immer wieder mit seinem machetenartigen Messer Pflanzenteile oder eine Bananenstaude ab, um den Teilnehmern der Führung darauf lebende Insekten oder im Stamm verborgenes Wasser vor Augen zu führen. Außerdem erzählt der Plátano-Experte die Geschichte der gelben Früchtchen und deren Verbreitung über den Globus, berichtet von internationalen Bananen-Baronen und allgemein vom Kampf David gegen Goliath bei der Ernährung der Weltbevölkerung:

Die Ecofinca Platanológico ist eine Form der Agrarwirtschaft, die versucht, Wege zur Nachhaltigkeit und den schonenden Eingriff in die Natur zu finden. Gegen kleine Unternehmen wie meines stehen die großen Konzerne, die die Nahrungsmittelproduktion kontrollieren wollen, denn das bedeutet Geld und Macht. So nimmt die Biodiversität ab, und auch ein großer Teil des Klimawandels geht auf diese Form der Agrar-Kultur zurück. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere lokalen Ökosysteme bewahren, denn ich will meinen Kindern in die Augen sehen können und sagen, dass ich getan habe, was ich konnte. Biolandwirtschaft ist eine rebellische Aktion gegen die großen Konzerne, denn damit können wir morgen und noch in 200 Jahren produzieren. Lokaler Bioanbau in der Nähe der Städte gibt den Menschen die Chance, sich gesund zu ernähren, und wir behalten die Kontrolle über die Nahrungsmittel. Man muss nicht immer gleich den Amazonas retten, man kann auch etwas vor seiner Haustür tun.

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Tour durch die Ecofinca Platanológico: Im “kontrollireten Chaos” dieses Dschungels gibt es nicht nur Bananenstauden, sondern Pflanzen aller Art, die sich gegenseitig helfen. Foto: La Palma 24

Fran Garlaz ist mehr als ein Bananenbauer. Er hat eine Mission. Fachkundig und spannend erklären kann der Finca-Chef, weil er seine Hausaufgaben im Blick auf die Natur einst während eines Ozeanographie-Studiums gemacht und später an vielen Orten auf der ganzen Welt bei der Wiederherstellung von Ökosystemen gearbeitet hat – etwa in großen Aquarien am Roten Meer oder beim Bau von Schmetterlingshäusern und Insektarien in Südamerika. Vor acht Jahren ist der gebürtige Festlandspanier mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach La Palma gezogen:

Wir haben überall auf dem Planeten nach einem Ort gesucht, wo man ruhig leben kann, und wo wir unser Biofinca-Projekt verwirklichen konnten. Denn wir müssen der Natur nur helfen und viele Häuser für die Biodiversität bauen – dann  können wir es schaffen. Nach langer Suche  haben wir uns für La Palma entschieden, denn es ist ein Paradies.

Allerdings eines, in dem nach wie vor die meisten Plátano-Plantagen kommerziell arbeiten. Auch der Betrieb von Fran neben dem Hotel Sol in Puerto Naos ist umgeben von Nachbarn, die nach seinen Angaben sechs bis achtmal im Jahr Insektizide versprühen. Damit seine Ecofinca nichts abbekommt, bittet der Biolandwirt sie, Abstand zu halten und auf den Wind zu achten. Normalerweise funktioniere das, so Fran. Man müsse am Bewusstsein der Menschen arbeiten, deshalb veranstalte er auch seine Führungen. Und so erklärt der Guide nicht nur alternative Bananenanbau-Methoden, sondern nimmt sich viel Zeit, um mit Hilfe von Bauklötzen das Problem der Bioakkumulation zu veranschaulichen:

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Federvieh, Schafe, ein Esel und mehr: Tiere runden die Tour durch die Ecofinca Plátanologico in Puerto Naos ab. Foto: La Palma 24

Die Anreicherung von Schadstoffen im Körper ist ein großes Problem. Wir plastifizieren uns sozusagen von innen nach außen. Da sind nicht nur die Pflanzenschutzmittel – aktuell boomt zudem das Geschäft der Lebensmittel mit Zusatzstoffen… aber was ist in zehn Jahren? Bionahrung ist zwar etwas teurer, aber langfristig doch eher günstig.

Fran und seine Familie haben es in dieser Hinsicht gut: Denn auf der Ecofinca Platanológico gedeihen vielerlei Früchte und Gemüse. Obendrein tummeln sich Hühner, Enten, Gänse, Schafe und noch mehr Getier auf dem Gelände – nicht zu vergessen den Esel Pancho mit seiner unvergesslichen Stimme. Dieser Teil der Führung gefällt den Gästen besonders, denn inmitten von röhrendem Aaah-Ih, Gegacker und Warnschreien wachsamer Gänse dürfen sie ein bisschen füttern und streicheln. Zum Abschluss des Spaziergangs im Schatten von Bananenstauden, subtropischen Büschen und Bäumen gibt es ein kleines Sit-in mit exklusiver Biobananen-Verkostung – ansonsten kann man die Plátanos von Fran nur in einem Geschäft in Barcelona kaufen. Die Kommentare der Besucher fallen sehr zufrieden aus:

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Die Ecofinca Platanológico: Eingang direkt neben dem Hotel Sol in Puerto Naos. Foto: La Palma 24

„So was von interessant, was der rüberbringt“, resümiert eine Urlauberin aus Deutschland – und ihr Mann ergänzt: „Vor allem wie!“

Wer sich für eine Führung interessiert, muss sich anmelden – das geht auch an der Rezeption im Hotel Sol in Puerto Naos. Erwachsene bezahlen 20 Euro; Kinder unter zehn Jahren sind frei, und Kids ab zehn Jahren können zum Preis von 10 Euro mitspazieren. Das Anmeldeformular und alle weiteren Infos finden sich auf der Website der Ecofinca PlatanológicoFran gibt zudem telefonisch Auskunft unter der Handynummer 679.999.343.

Noch ein paar Impressionen vom Rundgang durch die Ecofinca Platanológico in Puerto Naos – auf die Fotos klicken, dann kann man sie groß sehen!

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Plátanos von Fran: reifen das ganze Jahr über auf der Biofinca in Puerto Naos. Je nach Jahreszeiten sieht man die Blüten und Bananen in verschiedenen Reifezuständen.
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Stamm einer Bananenstaude: schneidet man ihn ab, trieft das Wasser heraus. Ecofinca Plátanológico in Puerto Naos: überall lauschige Ecken.
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Fran erklärt wie Bio geht: interessierte Besucher schauen und staunen… Fran macht immer ein bisschen Schau: Finca-Chef und Guide mit vollem Einsatz und Mission.
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Stimmgewaltiger Star der Biofinca: Esel Pancho. Im Tierpark der Finca: Fütterung des Federviehs.
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Ecofinca Platanológico: Gänse halten Wacht… Am Ende der Bananen-Tour: Plátanos von Fran zur Stärkung.
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