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Blütenpracht im Hochgebirge

7. junio 2021 Gastbeitrag 3 Kommentare / Jetzt kommentieren!

Blütenpracht auf dem Roque de los Muchachos. © Lotte

Dieses Jahr ist La Palma gesegnet, was die Fülle und Schönheit der Blumenpracht angeht. Überall sprießt es, alles ist grün und die Bienen summen wo man auch hingeht. Gleich in den ersten Wochen des Jahres hat es so ergiebig und schön geregnet, dass sich die Wasserspeicher nach langer Trockenheit wieder so richtig füllen konnten und La Palma ihren Beinamen „Isla Verde - Grüne Insel“ endlich wieder mit Stolz tragen kann.

Vor allem die Gemeinde El Paso im Westen wirkt wie verzaubert. Waren die Hänge im Februar/März noch mit Relinchón - Hundsrauke gelb übersäht (siehe Artikel „Die Magie El Pasos") so ist es jetzt der höchste Punkt der Insel, um den Roque de los Muchachos, der in allen Farben blüht. Schon auf dem Weg nach oben kann man noch in der Kiefernwaldzone die rosa blühende Zistrose bewundern.

Klebriger Drüsenginster auf dem Roque de los Muchachos © Lotte

Eine uralte Heilpflanze aus Griechenland, die als Tee zubereitet das Immunsystem stärkt und auch antivirale Komponenten besitzt. Schon fast am Rande des Kiefernwaldes, von der Ostseite kommend, befindet sich eine Ansiedlung von Lotus Pyranthus, eine extrem gefährdete Pflanzenart, deren Blüten wie kleine Feuerkelche aussehen.

Die Blütenkerzen des Natternkopfes sind bis zu drei Meter hoch. © Lotte

Mit Verlassen der Kiefernwaldzone nehmen die verschiedenen gelb und weiß blühenden Ginsterarten zu. Wenn es im Osten bewölkt ist, stoßen wir hier mit einem Mal über die Wolkendecke. Die Sonne scheint wieder, gerade genießen wir noch den Blick über das Wolkenmeer bis auf den Teide und mit einem Mal stehen sie vor uns: die bis zu drei Meter hohen rosa Blütenkerzen des Natternkopfes

„Echium Perezii Sprague“ (ehemals Echium Wildpretii). Direkt am Straßenrand stehen sie in einer langen Reihe Spalier. Aber Vorsicht: da das Motiv so schön ist, stehen hier auch oft die Mietwagen mitten in der Kurve abgestellt, während die Fahrer ihre Fotos knipsen. Ein kleines Stückchen hinter der Reihe Natternköpfe gibt es eine kleine Einbuchtung, in der 2-3 Autos stehen können.

Hier kann man ganz in Ruhe aussteigen und mit etwas Geduld die schönsten Fotos mit Schmetterlingen, Bienen, Hummeln oder sogar einem kleinen Kolibrischwirrer machen. Mit der Zeit färben sich die Blüten dieses Natternkopfes lila/bläulich und wer sich die Blüten aus der Nähe anschaut sieht, dass sie jeweils zwei kleine Staubblätter haben, die sich wie eine gespaltene Schlangenzunge aus dem Blütenkelch recken (daher der Name Natternkopf).

Am Mirador de los Andenes können wir zum ersten Mal ins Innere der Caldera schauen. Der größte Erosionskrater der Welt hat einen Umfang von 28km und eine Tiefe von beinahe 2000m und ist 1954 zum Nationalpark deklariert worden.

Spiegelteleskop auf dem Roque de los Muchachos © Lotte

Egal wie oft man schon hier oben war, der Ausblick ist einfach immer wieder überwältigend! Wer möchte und schwindelfrei ist, kann hier ein Stück in den Wanderweg Richtung Roque de los Muchachos einsteigen. Die Fotomotive, vor allem mit den zahlreichen Blumen im Vordergrund sind endlos.

Ein kleiner Kolibrischwirrer an den Blüten eines Natternkopfes. © Lotte

Wieder zurück am Auto geht’s Richtung Spitze. Die ersten Teleskope der größten Sternwarte der nördlichen Hemisphäre kommen in Sicht. Der Standpunkt La Palma ist hierfür einfach ideal.

Mit nur 82.000 Einwohnern halten sich die Lichtquellen nachts sowieso im Rahmen. Hinzu kommt aber, dass La Palma 1999 ein Lichtschutzgesetz verabschiedet hat, um die Beobachtungen des Nachthimmels noch weiter zu optimieren.

Aufgrund dieses Gesetzes sind die Lichtquellen der Insel auf ein Minimum reduziert.

Die Straßenlaternen strahlen nur ein schwaches gelbes Licht nach unten ab. Hier wird es noch richtig Nacht und auch der Biorhythmus dankt es einem, wenn nachts keine Neonreklamen und sonstige hellen Lichtquellen überall blinken und leuchten.

Hinzu kommt, dass die Wolkendecke, die der Nordostpassat an vielen Tagen im Jahr bis auf eine Höhe von etwa 1800-2000m gegen die Bergwand drückt, Lichtquellen und Luftflimmern in der Höhe der Observatorien zurückhält.

Auf dem 28. Breitengrad sehen wir nicht nur die nördliche Hemisphäre sondern sogar ein Stück der Südlichen. Der Standpunkt ist gut angebunden und die Höhe ist optimal um den Körper nicht zu sehr zu beanspruchen.

Spanien stellt die Infrastruktur für die Observatorien und bekommt dafür 20% Nutzungsrecht an jedem einzelnen.

An der Residenz der Mitarbeiter verlassen wir die LP4 und erklimmen das letzte Stückchen bis zum höchsten Punkt der Insel auf 2426m. Links sehen wir die riesigen offenen Spiegelteleskope MAGIC („Mayor Atmospheric Gamma-ray Imaging Cherenkov“), die sich innerhalb von 40 Sekunden in jede Himmelsrichtung ausrichten können, tagsüber aber immer Richtung Norden stehen müssen, damit sie mit ihren Spiegeln beim Reflektieren des Sonnenlichtes keinen Brand auslösen.

Blütenpracht auf La Palma © Lotte

Ein Stückchen weiter erscheint auf der rechten Seite eine große runde Kuppel: das GranTeCan („Gran Telescopio de Canarias“). Es ist mit seinen 10,4m Durchmesser das größte Spiegelteleskop der Welt und gehört zu 51% Spanien.

Die 36 Spiegelfragmente sind jeweils 10cm dick und 500kg schwer und wurden von der deutschen Firma Schott gebaut. Dieses Teleskop soll in unerreichte Tiefen des Universums vorstoßen, fast bis zum Urknall vor 14 Milliarden Jahren.

Es soll Galaxien und schwarze Löcher erforschen und neue Strukturen entdecken. Jedes Teleskop hier oben ist einzigartig und wer sich für das Thema interessiert sollte unbedingt das leichtverständlich und lustig geschriebene Buch von Sheila Crosby „A breathtaking Window on the Universe“ vom Dragon Tree Verlag lesen.

Wir erreichen den Roque de los Muchachos. Eine Gruppe von Felsmonolithen, die der Erosion standgehalten haben wie ein paar junge Muchachos sind Namensgebend für den höchsten Punkt der Insel.

Die Legende besagt, dass die Benahoaritas (Ureinwohner La Palmas) ihre männlichen Jugendlichen hier hoch brachten um sie einem Initiationsritus zu unterziehen.

Wer zum Mann werden wollte musste von hier in die Caldera hinabsteigen und eine bestimmte seltene Blume wieder mit hinaufbringen. Hier kam es dann zu einer natürlichen Auslese, da nur die mutigsten und stärksten diese Probe überstanden…

Ein kurzer gut befestigter Weg führt uns zum ersten Aussichtspunkt. Wer absolut schwindelfrei ist geht auch noch bis zum zweiten Aussichtspunkt vor. Aber hier oben ist die Aussicht von überall einfach atemberaubend und wenn es nicht windet, möchte man hier gar nicht mehr weg. Allerding macht die Höhe dem Körper schon auch zu schaffen.

Wir haben hier oben 20% weniger Sauerstoff zur Verfügung und sind schließlich in nur 1,5 Stunden von 0 auf 2426 Meter Höhe gefahren.

Wer eine Idee davon bekommen möchte, was das mit unseren Lungen macht, der nehme eine leere Wasserflasche, verschließe sie hier oben fest und schaue wie die Flasche aussieht, wenn er wieder auf Meereshöhe ankommt.

La Palma wird liebevoll als Isla Verde - Grüne Insel bezeichnet. © Lotte

Empfehlenswert ist die Abfahrt über die Westseite, so dass man eine Rundtour macht. Hier kommen wir noch am - leider immer noch nicht eröffneten - Besucherzentrum vorbei, sowie an einem kleinen Natternkopfwäldchen. Die Landschaft auf dieser Seite sieht wieder ganz anders aus als im Osten.

Der Lorbeerwald auf La Palma © Lotte

In unzähligen scharfen Kurven erfreuen grüne Weinfelder gespickt mit roten Mohnblumen das Auge.

Wer immer noch nicht genug hat, dem empfehle ich einen Besuch im ersten Kulturpark der Kanaren, dem Lorbeerwaldes von La Zarza und La Zarcita.

Bei einem einstündigen Rundweg fühlt man sich wie ein Zwerg in subtropischer Vegetation.

Erst 1941 wurden hier Unmengen an Petroglyphen entdeckt, und eine der fünf Fundstellen wird sogar als „Sixtinische Kapelle La Palmas“ bezeichnet. Fast zu viele Eindrücke für einen einzigen Tag.

Von hier geht es nun entweder über den kurvigen Norden durch die nördlichste Gemeinde Barlovento zurück nach Santa Cruz, oder aber über Puntagorda und Tijarafe Richtung Los Llanos.

Eine Wahnsinnstour und in dieser Nacht werden alle Teilnehmer wie kleine Kinder in einen seligen Tiefschlaf verfallen.

Hinweis: Die großen Natternköpfe auf dem Roque de Los Muchachos sind noch etwa zwei Wochen lang in Blüte zu bewundern.

Graja Tours zeigt Besuchern der Insel die schönsten Ecken. © Lotte

Die nächste geführte Tour mit Graja Tours findet am Samstag den 12.6. statt. Weitere Touren auf Anfrage.

Eure Lotte von Graja-Tours

Lotte von Graja Tours ist zertifizierte Wanderführerin für die Kanarischen Inseln und La Palma. Sollten Sie Lust haben gemeinsam mit Lotte eine Wanderung auf La Palma zu unternehmen, senden Sie uns eine Email an la-palma24@la-palma24.net. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Natternköpfe © Lotte

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3 respuestas a “Blütenpracht im Hochgebirge”

  1. Oliver dice:

    Die Blütenpracht in La Palma ist dieses Jahr traumhaft – Schöner Artikel.
    Liebe Grüße auf die Insel
    Oliver

  2. Hannah dice:

    Tolle Bilder, macht große Lust auf die Tour. Leider werde ich es in den nächsten 2 Wochen nicht schaffen.

  3. Petra dice:

    So wunderschöne Eindrücke von Lotte, faszinierend! Die Tour hört sich toll an und irgendwann schaffen wir es hoffentlich auch einmal. Herzliche Grüße aus Deutschland auf die schönste aller Inseln!!

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