Kanaren: Seeigel stören Öko-Balance

Gastbeitrag von Tauchpartner La Palma-Chef Georg Maghon

„Fünf Jahre und 3.000 Tauchstunden lang

Diadem-Seeigel in Puerto Naos dezimiert“

Georg Maghon.

Unser Gastautor Georg Maghon.

Georg Maghon betreibt seit zehn Jahren das Dive-Center Tauchpartner La Palma in Puerto Naos. Der diplomierte Biologe kennt sich also aus in den Meereswelten vor La Palma und wird in der nächsten Zeit immer mal wieder über interessante Einzelaspekte der submarinen Entwicklung berichten. Hier ist Georgs erster Gastbeitrag zum Thema “Kampf dem Seeigel”.

 

Alle kanarischen Inseln haben ein Problem: die Überpopulation durch den Diadem-Seeigel. Ein Indikator des aus dem Gleichgewicht geratenen Ökosystems ist das sogenannte Blanquizal, das sind vor allem durch diese Gattung besonders langstachliger Seeigel blankgefressene Felsen ohne jeglichen Algenbewuchs.

Der Diadem-Seeigel kommt ursprünglich aus der Karibik und hat sich auf den Kanaren schon vor deren Besiedlung durch Menschen etabliert. Seine langen Stacheln schützen ihn sehr gut vor Fressfeinden, es gibt allerdings spezialisierte Fischarten sowie einige Seesterne und Schnecken, die ihn dennoch knacken können. Diese natürlichen Gegner hielten die Population der Diadema antillarum lange Zeit im Zaum, aus den Fugen geraten ist das Gleichgewicht erst durch die Überfischung dieser spezialisierten Fischarten durch den Menschen. Denn leider sind Seeigel-Feinde wie Drückerfische, Meerbrassen oder Lippfische auch geschätzte Speisefische.

Diadem-Seeigel: machen alles platt, wenn die natürlichen Feine fehlen. Foto: Georg Maghon

Diadem-Seeigel: sind fotogen, machen aber alles platt, wenn seine natürlichen Fressfeinde wie beispielsweise Drückerfische oder Meerbrasssen durch den Menschen dezimiert werden. Foto: Georg Maghon

Die daraus resultierende Überpopulation der Diadem-Seeigel führt dazu, daß diese nachtaktiven Tiere den Bewuchs von den submarinen Felsen fressen. Und das bringt das Ökosystem aus dem Gleichgewicht, denn Seegräser wie Braunalgen dienen als Nahrung für Friedfische und bieten Schutz und Versteckmöglichkeiten für viele Jungfischarten und andere Meeresbewohner.

Schon 2008 starteten die Regierungen der kanarischen Inseln eine Kampagne zur Kontrolle der Diadem-Seeigel. Dafür wurden Tauchschulen und Tauchvereine sowie andere Organisationen aufgerufen, den Bestand der Diadema antillarum zu kontrollieren. In der Praxis bedeutet dies, die Tiere zu töten. Inzwischen haben Taucher im Rahmen der Kampagne meist markante Einzelfelsen von den Diadem-Seeigeln befreit. Mit Erfolg: Innerhalb weniger Monate siedelten sich an den bereinigten Stellen wieder Algen an.

Dickkopf-Zahnbrasse: ein natürlicher Fressfein der

Dickkopf-Zahnbrasse – in Spanien Sama, Sargo oder Breca genannt: ein natürlicher Fressfeind der Diadem-Seeigel. Leider haben ihn die Menschen zum Fressen gern, und er wird stark dezimiert.

Unser Dive Center “Tauchpartner La Palma” hat sich im Bereich des Strandes von Puerto Naos beonsders stark engagiert. Zuerst wurden einige isoliert liegende Unterwasserfelsen von Seeigeln geräumt – in den Folgejahren dehnten wir diese Aktionen auf ganze Areale im Nordteil der Bucht aus und konnten so die Seeigel-Population deutlich reduzieren. Heute hat sich der Bereich gut erholt, und nun sind wieder gut bewachsene Felsareale zu beobachten. In der Folge nahmen auch die Artenvielfalt und die Anzahl der Fischarten in der Bucht von Puerto Naos deutlich zu. Seit drei Jahren mussten hier keine Diadem-Seeigel mehr getötet werden, und das natürliche Gleichgewicht scheint sich wieder stabilisiert zu haben. Wohlgemerkt: Es geht in keinem Fall darum, die Diadem-Seeigel auszurotten, denn auch sie haben ihren Platz im Ökosystem. Bei einem ausgewogenen Gleichgewicht der Arten spielt auch der Diadema antillarum eine wichtige Rolle: Er frisst kleine Areale ab, und neue Algen können sich ansiedeln.

Rückten dem Diadem-Seeigel in zahlreichen Tauchgängen erfolgreich zu Leibe: Submarinisten des Dive-Centers Tauchpartner La Palma. Foto: La Palma 24

Rückten dem Diadem-Seeigel in der Bucht von Puerto Naos in zahlreichen Tauchgängen erfolgreich zu Leibe: Submarinisten des Dive-Centers Tauchpartner La Palma. Foto: La Palma 24

Für diesen Erfolg waren Tauchlehrer und engagierte Tauchgäste von Tauchpartner La Palma mehr als fünf Jahre und rund 3.000 Tauchstunden lang unterwegs. Auf diesem Weg sage ich allen Beteiligten im Kampf gegen die Überpopulation der Diadem-Seeigel nochmal ein herzliches Dankeschön.

Allerdings ist die Schlacht noch nicht endgültig geschlagen. Deshalb gebe ich hier noch ein paar Tipps, wie interessierte Submarinisten dazu beitragen können, die Problematik der Blanquizales auf La Palma und den anderen Inseln zu reduzieren. Zum einen können Taucher an Kampagnen zur Reduzierung des Bestandes der Diadem-Seeigel teilnehmen oder sie selbst initiieren. Aber Achtung: Es gibt viele Seeigel-Arten, darunter eine geschützte Gattung, die dem Diadem-Seeigel sehr ähnelt. Sie lässt sich allerdings anhand der Banden an den Stacheln von ihrem gefräßigen Vetter unterscheiden. Wichtig ist außerdem, dass Angler die natürlichen Fressfeinde der Diadem-Seeigel nicht unnötig dezimieren. Sprich: Sie sollten die Mindestgrößen der Fischarten kennen und respektieren sowie auf Fang und Genuss bestimmter Fischarten grundsätzlich verzichten.

Drückerfische: sehen lustig aus und fressen Seeigel! Foto: Georg Maghon

Drückerfische – in Spanien Gallo Cochino oder Gallo Oceánico genannt: sehen lustig aus und fressen Seeigel! Foto: Georg Maghon

In diesem Sinne freue ich mich über jeden, der auf La Palma und den Kanaren urlaubt und die Unterwasserwelten des Atlantiks mit Respekt behandelt.

 

Bis zum nächsten Mal!

Ihr Georg Maghon

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2 Antworten zu "Kanaren: Seeigel stören Öko-Balance"

  1. Sylvia Catharina Hess  12. mayo 2016 at 08:47

    Danke für den Bericht. Bitte nennt doch die spanischen Namen von Drückerfisch und Dickkopf-Zahnbrasse, damit man sie auch als Tourist auf der Speisekarte erkennen kann.

  2. Georg Maghon  14. mayo 2016 at 14:20

    Hallo Sylvia, vielen dank für den wichtigen Hinweis. Wir haben auf unserer homepage eine Liste der spezialisierten Fische mit Bildern und Namen aufgeführt (http://www.tauchpartner-lapalma.de/news-2/)

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